Türkei steigt in den Markt für Offshore-Windenergie ein - erste Ausschreibung über 1 GW in Vorbereitung

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Ankara - Die Türkei bereitet den Einstieg in den Markt für Offshore-Windenergie vor. Mit einer ersten Ausschreibung über 1.000 MW will die Regierung Anfang 2027 den Startschuss für den Aufbau von Offshore-Windparks geben. Bis 2035 soll die installierte Offshore-Windleistung auf 5 GW steigen.
Mit dem Einstieg in die Offshore-Windenergie erweitert die Türkei ihre bislang vor allem auf Solarenergie und Windenergie an Land ausgerichtete Erneuerbaren-Strategie um ein neues Marktsegment. Insgesamt will die Regierung die installierte Solar- und Windenergieleistung bis 2035 auf 120 GW erhöhen. Offshore-Wind soll dazu erstmals einen substanziellen Beitrag leisten.
Erste Offshore-Windenergie-Ausschreibung im ersten Quartal 2027
Die Vorbereitungen für die erste türkische Offshore-Windenergie-Ausschreibung laufen bereits. Das türkische Ministerium für Energie und natürliche Ressourcen hat im Juni 2026 einen Entwurf der Ausschreibungsbedingungen für das sogenannte YEKA DÜRES-2026-Verfahren mit einer Kapazität von 1.000 MW veröffentlicht. Stellungnahmen zu dem Entwurf können noch bis zum 17. August 2026 eingereicht werden.
Nach Angaben des türkischen Energieministers Alparslan Bayraktar soll die endgültige Ausschreibung im September 2026 angekündigt und im ersten Quartal 2027 durchgeführt werden.
Für den Einstieg in die Offshore-Windenergie hat die Türkei vier potenzielle Gebiete identifiziert. Sie liegen in der Bucht von Saros sowie vor den Inseln Gökçeada und Bozcaada und vor Edremit. Die Gebiete wurden zunächst als Kandidaten für Erneuerbare-Energien-Gebiete (YEKA) ausgewiesen und sollen nach Abschluss der laufenden Detailprüfungen den endgültigen YEKA-Status erhalten.
Türkei verfügt über Offshore-Windenergiepotenzial von 75 GW
Das langfristige Potenzial für den Aufbau eines türkischen Offshore-Windmarktes ist deutlich größer als das Ausbauziel für 2035. Eine gemeinsam von der Weltbank und dem türkischen Energieministerium erarbeitete Offshore-Wind-Roadmap beziffert das technische Potenzial in türkischen Gewässern auf rund 75 GW (75.000 MW). Die Weltbank hält unter entsprechenden Rahmenbedingungen einen Ausbau auf bis zu 7 GW bis 2040 für möglich.
Eine Besonderheit des türkischen Offshore-Windmarktes sind die Wassertiefen. Ein großer Teil der Gebiete mit guten Windbedingungen liegt in Wassertiefen von mehr als 50 Metern. Damit könnten schwimmende Offshore-Windkraftanlagen (Floating Offshore) für die langfristige Erschließung des Potenzials eine wichtige Rolle spielen.
Die Türkei verfügt zugleich über industrielle Voraussetzungen für den Aufbau einer eigenen Offshore-Wertschöpfungskette. Die Weltbank verweist dabei insbesondere auf die bestehende Windindustrie an Land sowie die türkische Schiffbau- und maritime Industrie. Voraussetzung für den Aufbau entsprechender Lieferketten ist allerdings ein ausreichendes und kontinuierliches Projektvolumen.
GlobalData sieht 5-GW-Ausbauziel in Türkei ambitioniert
Ob die Türkei ihr Ausbauziel von 5 GW Offshore-Windleistung bis 2035 erreicht, ist offen. GlobalData erwartet erste Offshore-Kapazitäten ab 2032 und bis 2035 lediglich rund 1,3 GW installierte Leistung mit einer jährlichen Stromproduktion von etwa 2,7 Mrd. kWh - gut ein Viertel des Regierungsziels.
Als wesentliche Hemmnisse nennt das Analyseunternehmen langwierige Genehmigungsverfahren, den notwendigen Ausbau der Netz- und Anschlussinfrastruktur sowie Finanzierungsrisiken durch Inflation und Wechselkursschwankungen. Auch die Weltbank sieht verlässliche regulatorische Rahmenbedingungen sowie den Ausbau der Netz- und Hafeninfrastruktur als zentrale Voraussetzungen für die Entwicklung eines größeren türkischen Offshore-Windmarktes.
Quelle: IWR Online
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