21.07.2014, 09:43 Uhr

Wie der schleppende Smart-Grid-Ausbau die IT-Sicherheit gefährdet

Berlin - Die Smartmeter-Regulierungsprojekte der Bundesregierung werden bislang nicht zügig zum Abschluss geführt. Um eine Integration und Steuerung in intelligenten Energienetzen abzusichern, ist eine anspruchsvolle IT-Sicherheit nötig, doch es hapert an der zeitnahen Umsetzung.

Dies bemängelt nun der Bundesverband IT-Sicherheit e.V. (Teletrust) und fordert die politisch Verantwortlichen zum Handeln auf. Wenn die Standards für Smartmeter und weitere Komponenten eines intelligenten Energienetzes nicht zügig aufgestellt und angewendet werden, hätten Hacker leichtes Spiel.

Sichere Smartmeter für die Energiewende

Die Energiewende beherrscht die Schlagzeilen. Die Energiegewinnung aus erneuerbaren Ressourcen ist in Deutschland auf Rekordniveau gestiegen. In der Stromerzeugung waren die erneuerbaren Energien im ersten Halbjahr 2014 erstmals die wichtigste Quelle. Wesentliche Grundlage der Energiewende ist aus Sicht von Teletrust die dezentrale Erzeugung und Verteilung von Elektrizität, die umfangreiche Maßnahmen zur intelligenten Steuerung erfordert. Eine der dafür notwendigen intelligenten Komponenten seien Smartmeter, intelligente digitale Stromzähler, die u.a. auch dynamische Tarife ermöglichen. Zwar hätten alle Beteiligten erkannt, dass eine anspruchsvolle IT-Sicherheit für eine Steuerung in intelligenten Energienetzen nötig sei, doch fehle es an der zeitnahen Umsetzung.

Hacker könnten öffentlichen Leben nachhaltig stören

Wie der Verband darstellt, bestehe ein erhebliches Risiko, wenn die bisher verbauten und teilweise unsicheren Komponenten weiter in Deutschland zum Ausbau des intelligenten Energienetzes eingesetzt würden. Hackern werde dadurch die Chance eröffnet, die Energieversorgung und damit große Bereiche der Wirtschaft und des öffentlichen Lebens mit einem "Klick" nachhaltig stören zu können.

Keine verbindlichen Standards

Seit ca. drei Jahren werden die Mindestsicherheitsanforderungen für Smartmeter-Infrastrukturen in Deutschland nach Angaben des Verbandes standardisiert. Ein Abschluss sollte gemäß Koalitionsvertrag Mitte 2014 in Sicht sein. Dies sei allerdings nicht realisiert worden, obwohl das zugehörige Gesetz bereits mit der Novellierung 2008 verabschiedet wurde. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie habe bisher keine verbindlichen Standards veröffentlicht bzw. diese in die Gesetzgebung eingebracht. Zudem bemängelt Teletrust, dass eine Adaption der bisher noch nicht verabschiedeten Sicherheitsstandards auf andere Komponenten im künftigen Energienetz, wie beispielsweise intelligente Ortsnetzstationen oder Energie-Managementsysteme, fehlt. Nun sei schnelles Handeln aller Verantwortlichen notwendig, um die Versorgungssicherheit der deutschen Bevölkerung und der Industrie mit Elektrizität weiterhin zu gewährleisten.

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