04.04.2012, 12:10 Uhr

Warum die Stromversorger die Solarenergie so fürchten

Münster – Die Nutzung der Photovoltaik zur Stromerzeugung in Deutschland gerät zunehmend in die Kritik. Waren es vor mehr als einem Jahr zunächst die großen Stromversorger, die den zunehmenden Einsatz der Photovoltaik kritisierten und eine Deckelung des Zubaus forderten, so ist die Kritikführung mittlerweile von den Verbraucherschützern übernommen worden. Was aber sind die eigentlichen Gründe dafür, dass die Energiebranche so massiv gegen die Solarenergie wettert? Drei gute Gründe für Stromversorger, die Photovoltaik in Deutschland nicht zu wollen:

Verdrängung: Photovoltaik ersetzt Kraftwerke zu Spitzenlast-Zeiten

Die Auswertungen von Daten der Strombörse EEX bringen es ans Licht: Der Einsatz der Photovoltaik in Deutschland führt dazu, dass selbst bei bedecktem Himmel teure Spitzenlastkraftwerke in Deutschland nicht mehr benötigt werden. Vormittags steigt der Stromverbrauch in Deutschland kräftig an und erreicht mittags den höchsten Verbrauch. Am Nachmittag geht der Stromverbrauch dann wieder zurück. Normalerweise würde durch Zuschalten konventioneller Kraftwerke wie Kohle- oder Gaskraftwerke der zusätzliche Strombedarf gedeckt. Dieser Tagesgang wird aber im Verlauf exakt durch den produzierten Solarstrom abgedeckt, der in den Vormittagsstunden zeitgleich mit dem Verbrauch stetig zunimmt und derzeit in der Spitze zur Mittagszeit bis zu 17.000 MW Leistung erreicht. Am Nachmittag nimmt die PV-Leistung entsprechend dem geringeren Stromverbrauch der Haushalte und Verbraucher auch wieder ab. Was vielfach nicht bekannt ist: Solaranlagen liefern auch bei bedecktem Himmel um die Mittagszeit noch mindestens so viel Strom wie fünf große Atomkraftwerke.

Für die großen Stromversorger bedeutet das, dass ihre vorhandenen Kraftwerke still stehen und sich schlechter amortisieren. Es ist aber auch für die Energieversorger ein Grund, nicht in Spitzenlast-, sondern verstärkt in Grundlastkraftwerke zu investieren.

Strompreise: Photovoltaik liefert billigen Spitzenlast-Strom

Der Photovoltaik-Strom wird nach dem Willen der Politik an der Börse als grauer Strom wie Kohle- oder Atomstrom verkauft. Obwohl die Photovoltaik Spitzenlaststrom liefert, liegen die Erlöse eher auf dem niedrigem Grundlaststrom-Niveau. Gemessen an den Kosten für teuren Spitzenlaststrom etwa aus Gaskraftwerken wird der billige Solarstrom an der Börse somit weit unter Wert verkauft. Den Schaden haben die Verbraucher, die das über eine höhere EEG-Umlage mitfinanzieren.

Für die Stromversorger bedeutet der billige Photovoltaik-Spitzenlaststrom, dass sich Investitionen in neue Spitzenlastkraftwerke gar nicht erst lohnen. Gegen die niedrigen PV-Strompreise kommen die neuen Kraftwerke nicht an, eine Refinanzierung ist kaum oder gar nicht möglich.

Stromkuchen: Dezentrale PV-Anlagen sind kein attraktives Geschäftsfeld für große Versorger

Die Nutzung der Photovoltaik in Deutschland erfolgt dezentral. Auf vielen Dächern und Freiflächen produzieren Photovoltaik-Anlagen verteilt über das ganze Land umweltfreundlichen Strom. Die Photovoltaik entlastet die Stromnetze, da der an vielen Stellen produzierte Strom vor Ort verbraucht und nicht wie bei konventionellen Großkraftwerken erst über große Strecken zu den Verbrauchern transportiert werden muss. Die Photovoltaik verursacht aber durch die vielen Betreiber und die Vielzahl der Anträge bei den Netzbetreibern viel Arbeit. Auch sonst ist das Photovoltaik-Geschäftsfeld für die großen Energieversorger nicht attraktiv: Das Geschäft wäre viel zu kleinteilig, der Aufwand für die Stromversorger viel zu hoch und die Rendite zu klein. Im Ergebnis nimmt die billige Photovoltaik den Stromversorgern Marktanteile vom Gesamt-Stromkuchen ab, gegen die die Versorger allein mit ihren Kraftwerken nichts entgegensetzen können.

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