09.08.2013, 14:24 Uhr

Strom: Verbraucher subventionieren große Stromabnehmer mit sieben Milliarden Euro

Münster - Die Strompreise werden aller Voraussicht nach für die deutschen Verbraucher weiter ansteigen. Das hat einen einfachen Grund: Haushalte und das Kleingewerbe subventionieren die Großabnehmer immer stärker über eine höhere EEG-Umlage. Im Jahr 2013 beläuft sich die finanzielle Unterstützung der Großkunden durch die übrigen Stromverbraucher voraussichtlich erstmals auf über sieben Mrd. Euro, teilte das Internationale Wirtschaftsforum Regenerative Energien (IWR) am Freitag in Münster mit.

Davon entfallen laut einem Poositionspapier des Bundesumweltministeriums allein auf die umstrittenen Ausnahmereglungen von der EEG-Umlage für Unternehmen mehr als 4,3 Mrd. Euro, die von den privaten und kleingewerblichen Stromverbrauchern getragen werden müssen. Hinzu kommen noch die gesunkenen Einkaufspreise durch die steigende Ökostrommenge, die eine weitere Entlastung von rund drei Milliarden Euro ausmachen, erklärte das IWR. So kostet die Kilowattstunde (kWh) Grundlaststrom zur Lieferung im Jahr 2016 aktuell nur noch 3,5 Cent. Das ist schon heute 40 Prozent unterhalb des Preises vor dem Atomausstieg im Jahr 2011.

Börsenstrompreise auf Rekordtief

"Die Haushalte subventionieren die Ausnahmeregelungen und die Rekordtiefs bei den Strompreisen für Großabnehmer über eine steigende EEG-Umlage," kritisierte IWR-Direktor Dr. Norbert Allnoch den Umverteilungsmechanismus. Allnoch: "Der Ökostrom senkt die Strompreise auf immer neue Rekordtiefs, aber den finanziellen Nutzen daraus haben nicht die privaten Verbraucher und das Kleingewerbe, sondern vor allem die großen Stromabnehmer, die sich günstig eindecken können."

Zuletzt stieg die Umlage bereits um 50 Prozent auf jetzt 5,28 Cent je kWh und hat damit bereits einen Anteil von 18,3 Prozent am Haushaltsstrompreis. Die EEG-Umlage schließt die „Lücke“ zwischen Börsenstrompreis und der garantierten Einspeisevergütung für die Erneuerbaren Energien. Allerdings profitieren Großabnehmer gleich doppelt: immer mehr Unternehmen sind über eine Ausnahmeregelung von der EEG-Umlage befreit und können sich zusätzlich mit immer günstigerem Strom eindecken. Für 2014 sollen schon fast 2.367 Industriebetriebe einen Antrag auf Befreiung gestellt haben, wie aus der Antwort auf eine kleine Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion hervorgeht, aus der die "Süddeutsche Zeitung" vor rund einem Monat zitiert hat. Zwei Jahre zuvor waren es erst 822.

Hintergrundinfos zum Termin- und Spotmarkt an der Strombörse

Strom wird an der Strombörse in zwei Marktsegmenten gehandelt: Termin- und Spotmarkt. Am Terminmarkt werden Stromeinkäufe für zukünftige Jahre getätigt. Großabnehmer können sich schon heute mit Strom für bis zu sechs kommende Jahre eindecken. Am Spotmarkt (EPEX Spot in Paris) werden dagegen Stromkontingente gehandelt, die tagesaktuell oder am nächsten Tag geliefert werden. In diesem Marktsegment wird der EEG-Strom verkauft, allerdings nicht als "grüner" Ökostrom, sondern als umgewandelter "grauer", d.h. konventioneller Strom. Die sinkenden Preise am Spotmarkt strahlen auf den Terminmarkt noch viel stärker aus und lassen die Einkaufspreise für die Großabnehmer auf historische Tiefststände wie vor 10 Jahren purzeln.

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