27.08.2013, 17:02 Uhr

EEG-Umlage: Darum steigen die Strompreise wirklich

Münster/Berlin – Steigende Strompreise im kommenden Jahr sind so sicher wie das Amen in der Kirche – daran gibt es keinen Zweifel. In Teilen von Politik und Bevölkerung ist der Schuldige schnell gefunden: die Erneuerbaren Energien. Doch genau das ist falsch, wie aus einer aktuellen Studie hervorgeht, in der auch Vorschläge zur Dämpfung der Kostenspirale gemacht werden.

Mit dem 15. Oktober dürfte die große Mehrheit der Verbraucher keine konkreten Ereignisse verbinden. Dabei entscheidet sich aller Voraussicht nach genau an diesem Tag, um wie viel Cent sich ihr Haushaltsstrom je Kilowattstunde (kWh) mindestens verteuert. Zu diesem Stichtag wird nämlich die Prognose der Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) für 2014 vorgenommen. Werden derzeit noch 5,277 Cent pro kWh gezahlt, könnten es im kommenden Jahr 6,1 Cent sein. Von diesem Wert geht eine Studie des Beratungshauses Energy Brainpool aus, die im Auftrag der Bundestagsfraktion der Grünen erstellt wurde und die unserer Redaktion vorliegt.

Die Experten haben berechnet, welche Faktoren börsenpreisbereinigt im Einzelnen für den Anstieg verantwortlich sind. Auf dem letzten Platz liegt der Zubau von Solar, Wind & Co., wegen dem die Umlage um 0,18 Cent/kWh erhöht werden muss. Das entspricht 13 Prozent der Anhebung oder in absoluten Zahlen 900 Mio. Euro.

Ausnahmen von der EEG-Umlage werden noch teurer

Doppelt so hoch schlagen die Ausnahmeregelungen für Unternehmen der energieintensiven Industrie zu Buche, für die immer mehr Anträge eintrudeln. 25 Prozent der Erhöhung oder 1,7 Mrd. Euro gehen auf diesen Faktor zurück, der sich mit 0,35 Cent/kWh bemerkbar macht. In der Gesamtsumme rechnen die Autoren der Studie für 2014 mit 6,7 Mrd. Euro, die auf die Verbraucher nur durch diesen Posten umgelegt werden.

Der größte Posten der anstehenden Erhöhung entfällt aber auf den derzeitigen Börsenstrompreis – und hier wird es – je nach Lesart – interessant oder kompliziert. Hier gibt es wiederum drei Faktoren, die die Gesamtsumme von 3,5 Mrd. Euro in die Höhe treiben. Zunächst sind die Preise wesentlich geringer als beim Stichtag im letzten Jahr veranschlagt. Damals gingen die Verantwortlichen nach gesetzlichen Vorgaben von 5,115 Cent/kWh aus, der Mittelwert der stündlichen Auktionspreise am Spotmarkt der Strombörse EPEX (zwischen 01.01. und 26.07.2013) liegt aber bei 3,9 Cent. Diese Mindereinnahmen werden mit der EEG-Umlage in 2014 ausgeglichen. Kostenpunkt: 0,4 Cent/kWh.

Auf Basis des aktuellen Preisniveaus an den Terminmärkten wiederum wird die Prognose für die Vermarktungserlöse in 2014 erstellt. Diese müsste gemäß den gesetzlichen Vorgaben bei 4,1 Cent/kWh liegen. Die Differenz mit der Prognose für 2013 muss ebenfalls über die Umlage abgedeckt werden. Dieser Faktor macht 0,27 Cent/kWh aus. Hinzu kommt noch die Liquiditätsreserve von 0,06 Cent/kWh.

Zwei Cent/kWh Einsparpotenzial vorhanden

Die Studie führt darüber hinaus vier Handlungsfelder auf, die zu einer Begrenzung der EEG-Umlage führen könnten. Die Verteuerung von CO2-Emissionszertifikaten, deren Markt derzeit nicht funktioniert, würde direkt auf die Börsenstrompreise durchschlagen: Steige der durchschnittliche Strompreis, zu dem die EEG-Strommengen vermarktet werden, durch solche Maßnahmen um einen Cent/kWh, so würde dieser Effekt die EEG-Umlage um 0,3 Cent/kWh senken, schreiben die Autoren.

Darüber hinaus wird eine Reduktion der Ausnahmen von der EEG-Umlage ins Gespräch gebracht, die 2014 insgesamt mit 1,4 Cent je kWh ins Gewicht fallen werden. Im Herbst wird sich die EU dieses Themas ohnehin widmen. Eine Abschaffung der Marktprämie, die eine Absicherung der Anlagenbetreiber bei Direktvermarktung sicherstellt, wird ebenso vorgeschlagen wie eine Minderung der Liquiditätsreserve. In der Summe könnten nach Angaben der Autoren so zwei Cent pro Kilowattstunde eingespart werden.

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