20.05.2014, 17:21 Uhr

Giga-Solarfabrik: Was hinter den Plänen steckt

Münster – In den Medien wie der Süddeutschen Zeitung, Spiegel oder Reuters wird über die mögliche Errichtung einer riesigen Photovoltaik-Produktionsstätte in Europa berichtet. Angesichts der Pleitewelle in der europäischen Solarbranche wäre dies ein überraschendes Unterfangen. Was steckt hinter den Plänen?

Im Dezember 2013 hatte das Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme (Fraunhofer ISE) bereits eine Studie für das Land Baden-Württemberg erstellt, bei der es um die Wettbewerbsfähigkeit einer potenziellen Großfabrik für Photovoltaik-Produkte ging. Wie die Süddeutsche Zeitung nun berichtet, sind die Gedankenspiele um eine solche Fabrik zu konkreten Absichten geworden. Es geht offenbar um eine neu entwickelte Photovoltaik(PV)-Technologie.

Solar-Forschungsinstitute brüten Pläne aus

Ein europäisches Konsortium aus Forschern vom Fraunhofer ISE sowie von weiteren europäischen Instituten will den Informationen zufolge binnen drei Jahren für rund eine Milliarde Euro eine Riesenfabrik errichten. Neben dem Fraunhofer ISE in Freiburg sind in dem sogenannten xGWp-Konsortium auch das französische Institut National de l’Énergie Solaire (INES) in Le Bourget du Lac sowie das Schweizer Zentrum für Elektronik und Mikrotechnik (CSEM) mit Sitz in Neuchâtel sowie Vertreter der europäischen Industrie angeschlossen. Das Kürzel xGWp soll die Dimension der angedachten Produktionskapazitäten symbolisieren: Es könnten Solarprodukte mit einer Leistung von „x“ bzw. mehreren Gigawatt peak (xGWp) produziert werden. Fest steht, dass es dieses Konsortium tatsächlich gibt und dass in den kommenden Wochen eine Mitteilung zu dieser Thematik veröffentlicht werden soll. Dies erfuhr IWR Online auf Anfrage vom Fraunhofer ISE. Spannend dürfte dabei auch sein, um welche neuartige PV-Technologierichtung es sich handelt.

Ziel: Förderung der Photovoltaik als strategisch wichtige Schlüsseltechnologie

Wenn die Informationen der SZ stimmen, dann sind die Pläne bereits weit fortgeschritten. Bereits Anfang 2015 könnte bei Freiburg eine Pilotanlage für die neue PV-Technologie starten, möglicherweise auch mit Unterstützung des Landes Baden-Württemberg. Wenn dabei alles zur Zufriedenheit der Investoren läuft, soll die Großfabrik laut SZ-Bericht wohl auf französischem Boden errichtet werden und 2017 oder 2018 die Produktion aufnehmen.

Auf der gemeinsamen Webseite des Konsortiums ist mehr zu den Hintergründen für derartige Pläne zu erfahren. Um die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie für die Zukunftstechnologie PV wieder herzustellen und zu erhalten, arbeite das Konsortium am Konzept für eine Multi-Gigawatt-Fabrik. Ziel sei die Förderung der PV als strategisch wichtige Schlüsseltechnologie auf europäischer Ebene.

China hat Europa in Sachen Photovoltaik abgehängt

Eine solche Schlüsseltechnologie war die Photovoltaik noch vor einigen Jahren in Europa. Firmen wie Q-Cells, Conergy und Solon zählten zu den größten Solarunternehmen der Branche und hatten auch an der Börse großen Erfolg. Doch der massive Aufbau von PV-Produktionskapazitäten in Asien und insbesondere in China, in Verbindung mit einer starken Deckelung des PV-Ausbaus in Europa, hatten einen heftigen und andauernden Preisverfall für PV-Produkte ausgelöst. Während China eine kompromisslose, industriepolitische Verdrängungsstrategie verfolgt hat, wurde die Branche in Europa durch die Solarkrise nahezu völlig ausgelöscht. Nur wenige Firmen und Fabriken haben überlebt.

Solarworld fürchtet keine Konkurrenz

Dazu zählt u.a. die Solarworld AG aus Bonn. Der Hersteller hat noch im März 2014 die Übernahme der Zell- und Modulfertigung von Bosch Solar Energy im thüringischen Arnstadt gemeldet. Damit sei Solarworld zum größten Hersteller von Solarstromtechnologie außerhalb Asiens geworden, erklärte das Unternehmen. Nun könnte auch für Solarworld eine zusätzliche Konkurrenz durch das xGWp-Konsortium entstehen. Doch Solarworld-Konzernsprecher Milan Nitzschke erklärte gegenüber IWR Online ausdrücklich, dass man eine solche Konkurrenz nicht fürchte. Allerdings halte er den Weg, also die Errichtung der neuen Solarfabrik auf der grünen Wiese, auch nicht für den richtigen. Vernünftig wäre es vielmehr, die bestehende europäische Solarindustrie zu stärken und auszubauen, beispielsweise im Rahmen einer nationalen Entwicklungsplattform PV. An einer solchen Einrichtung könnten Hersteller, Zulieferer und Forschungsinstitute mitwirken. Sie sollte direkt an bestehende Produktion angegliedert sein, so dass Technologien direkt in die Fertigung überführt werden können, so Nitschke.

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