21.08.2014, 12:35 Uhr

Netzausbau: ABB entwickelt Rekord-Kabel

Zürich / Schweiz - Im Zuge des geplanten Stromnetzausbaus in Deutschland wird in der öffentlichen Diskussion immer wieder die Befürchtung geäußert, dass es durch neue Stromtrassen zu einer deutlichen Belastung des Landschaftsbildes kommen könnte. Als Alternative werden Erdkabeltrassen erprobt. Bislang gibt es jedoch erst wenige Erfahrungen, die Technik ist noch teuer. Der Schweizer Industriekonzern ABB verfügt nun über eine vielversprechende Neuentwicklung.

Das zum Kreis der weltweitführenden Anbieter von Hochspannungskabeln gehörende Unternehmen hat das derzeit weltweit leistungsstärkste Hochspannungs-Gleichstromkabelsystem (HGÜ) entwickelt und erfolgreich getestet. Die neue Kabeltechnik soll die Effizienz und Kosteneffektivität steigern.

Kapazitätssteigerung um 64 Prozent

Das neue 525-kV-Kabelsystem erhöht die Kapazität gegenüber dem höchsten bisher erreichten Spannungsniveau von 320 kV um 64 Prozent und ermöglicht mit 2.600 Megawatt (MW) eine mehr als doppelt so hohe Übertragungskapazität wie bisher. Die Übertragungsdistanz wird nach ABB-Angaben zudem von bisher unter 1.000 Kilometer (km) auf 1.500 km gesteigert, die Übertragungsverluste betragen unter 5 Prozent. Das neue Kabelsystem kann sowohl für unterirdische als auch Unterwasser-Anwendungen eingesetzt werden. Damit eigne es sich für den Stromtransport durch dicht besiedelte oder ökologisch empfindliche Gebiete sowie für Anwendungen an der Küste und auf offener See, so ABB.

„Dieser technische Durchbruch wird die Umsetzung von Erneuerbare-Energien-Projekten erheblich erleichtern und die Nutzung von unterirdischen und Unterwasser-Hochspannungskabeln zur Integration entlegener regenerativer Energiequellen vorantreiben“, so Ulrich Spiesshofer, Vorsitzender der Konzernleitung von ABB. Die neue Technologie senke zudem die Investitions- und Betriebskosten und unterstütze die Entwicklung von Gleichstromnetzen.

Erst wenig Erfahrungen mit Erdkabelprojekten

Der Übertragungsnetzbetreiber Amprion arbeitet derzeit an der Umsetzung des ersten Erdkabelprojektes auf freier Fläche in Deutschland. Auf dem Gebiet der Gemeinde Raesfeld in NRW werden auf einem 3,4 km langen Teilstück die Drehstromkabel mit einer Kapazität von 380 kV unterirdisch verlegt. Auch europaweit gibt es erst wenige Projekte, bei denen Erdkabel auf Höchstspannungsebene verlegt wurden. So nutzt der holländische ÜNB Tennet auf einem 20 km langen Teilstück die Erdkabeltechnologie. Auch in England wurde eine 20 km lange Höchstspannungsleitung unter London verlegt. Zudem hat der deutsche Übertragungsnetzbetreiber 50 Hertz n Berlin ein elf km langes Teilstück als Erdkabel auf der Höchstspannungsebene mit 380 kV verlegt.

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