24.09.2012, 08:37 Uhr

Atomtransport: Brennstäbe trotz Proteste angekommen

Nordenham - Der Transport von plutoniumhaltigen MOX-Brennstäben aus dem britischen Sellafield in das Atomkraftwerk Grohnde ist abgeschlossen. Begleitet von zahlreichen Protesten sind die Behälter mit den Brennelementen auf zwei Spezialfahrzeugen vom RoRo-Anleger in Nordenham zum Kernkraftwerk Grohnde in Niedersachsen befördert worden. Der Transport erfolgte zuvor mit einem Spezialschiff, der "Atlantic Osprey", vom englischen Hafen Workington in der Nähe von Sellafield zum Midgard-Hafen nach Nordenham. Bereits mit Eintritt in das deutsche Küstenmeer begann die polizeiliche Begleitung durch Boote der Wasserschutzpolizei.

Greenpeace-Aktion durch Polizei verhindert

Die Fahrt der "Atlantic Osprey" wurde bei Erreichen der Wesermündung durch eine Aktion von Greenpeace zeitweilig gestört. Am Nachmittag näherten sich dem Transportschiff drei Schlauchboote, von denen aus Aktivisten versuchten, auf das Schiff zu gelangen. Durch die eingesetzten Kräfte der Wasserschutzpolizei konnte diese Aktion verhindert werden. Keiner der Beteiligten trug Verletzungen davon. Nach Angaben von Greenpeace haben insgesamt 50 Aktivisten mit zwölf Schlauchbooten und einem Flugboot gegen den Transport protestiert. "Der Einsatz dieser plutoniumhaltigen Brennstäbe ist hochgefährlich", sagt Heinz Smital, Atomphysiker und Experte von Greenpeace. "Ein schwerer Atomunfall ist mit diesen Brennelementen wahrscheinlicher und hätte schlimme Auswirkungen für die Menschen. Die MOX-Brennelemente aus der skandalträchtigen Atomanlage in Sellafield sollten nach den Erfahrungen in Fukushima als Atommüll entsorgt werden."

Plutoniumfabrik in Sellafield mit Problemen - Brennstäbe schadhaft?

Die Plutoniumfabrik in Sellafield hat laut Greenpeace seit ihrer Inbetriebnahme vor neun Jahren mit enormen technischen Problemen zu kämpfen gehabt. Die Anlage sollte ursprünglich 120 Tonnen MOX-Brennelemente im Jahr aus der Wiederaufarbeitung von Atommüll produzieren. Erreicht hat Sellafield aber mit einer Gesamtproduktion von 13 Tonnen nur rund ein Zehntel der ursprünglich geplanten Jahresleistung. Nach dem Atomdesaster in Fukushima habe die britische Regierung beschlossen, die Anlage endgültig stillzulegen. "Es ist zu befürchten, dass diese Brennstäbe aus Sellafield schadhaft sind", sagt Heinz Smital. "Die Plutoniumfabrik ist geschlossen und für die Qualität der Brennelemente gibt es keine Gewähr. Was jetzt von dort kommt, ist der Kehricht einer schrotten Industrieanlage." Zudem bemängelt Greenpeace fehlende Entsorgungslösungen für defekte Brennstäbe, da die für hochradioaktiven Atommüll normalerweise genutzten Castorbehälter für schadhafte Brennelemente nicht zugelassen seien.

Robin Wood-Aktivistin hängt sich in Tripod

Neben Greenpeace hatte auch die Organisation Robin Wood gegen den Transport protestiert. Zwischenzeitlich wurde die Zufahrt zum KKW Grohnde durch eine Robin Wood-Aktivistin versperrt, die auf der Fahrbahn in Höhe des Werkes ein sog. Tripod errichtete, in das sie sich einhängte. Ca. 50 Personen begleiteten diesen Protest vor Ort. Die Ankunft des Transportes konnte auch durch diese Aktion nicht verhindert werden. Der Gesamteinsatzleiter, Polizeivizepräsident Dieter Buskohl (Polizeidirektion Oldenburg), war mit dem Verlauf und der Bilanz des Einsatzes aber zufrieden und betonte, dass durch das besonnene und umsichtige Verhalten der Einsatzkräfte der polizeiliche Auftrag umfassend erfüllt werden konnte.


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