15.10.2013, 15:20 Uhr

Das sind die wahren Treiber der EEG-Umlage

Münster – Die EEG-Umlage wird im kommenden Jahr um 20 Prozent auf 6,240 Cent je Kilowattstunde steigen. Nach Lesart der Versorger ist die Entwicklung nur auf den Ausbau der erneuerbaren Energien zurückzuführen. Tatsächlich entfällt nur ein kleiner Teil auf Photovoltaik, Windkraft und andere. Der größte Kostentreiber ist ein Fehler im System.

Der Ausbau hat nur einen Anteil von 15 Prozent oder 0,15 Cent je Kilowattstunde (kWh) an dem Anstieg der EEG-Umlage von insgesamt knapp 1 Cent/kWh, erklärt Dr. Hermann Falk, Geschäftsführer des Bundesverbandes Erneuerbare Energie (BEE). Die reinen Finanzierungskosten für EE-Anlagen machten auch an der gestiegenen EEG-Umlage 2014 nur 2,54 Cent/kWh aus.

Ein Drittel des jetzt erfolgten Zuwachses ist nach Berechnung des BEE auf die drastische Ausweitung der Befreiungen in der Industrie zurückzuführen. Hier gibt der BEE 1,26 Cent/kWh als Belastung an. Das sind 0,34 Cent/kWh mehr als in diesem Jahr. Eigentlich war die Besondere Ausgleichsregelung im EEG zum Schutz stromintensiver Unternehmen im internationalen Wettbewerb eingeführt worden. Die Zahl der begünstigten Betriebe ist aber von 603 im Jahr 2011 auf 1.691 in diesem Jahr gestiegen und wird bis zu 2.300 Betriebe im kommenden Jahr umfassen.

EEG-Novelle Teil des Problems

Die sinkenden Preise an der Strombörse verantworten 36 Prozent des Zuwachses – und hier zeigt sich ein Problem mit der Berechnungsweise der EEG-Umlage: Dadurch dass die Notierungen an der Börse sinken, wächst die Differenz zwischen der gezahlten EEG-Vergütung für grünen Strom und den mit diesem Strom an der Börse erzielten Einnahmen. Damit steigt automatisch die Umlage, die diese Lücke schließen muss. "Das heißt: Die Erneuerbaren senken die Strompreise und werden gleichzeitig durch die mangelhafte Berechnungsmethode der Umlage Opfer ihres eigenen Erfolgs", erklärt Falk. Dieser Faktor mache 2014 insgesamt 1,47 Cent/kWh innerhalb der EEG-Umlage aus - ein Anstieg von 0,37 Cent/kWh gegenüber 2013.

Die genannte Fehlentwicklung ist auf die auf Betreiben der Energieindustrie 2010 erfolgte Novelle des EEG zurückzuführen: Bis zu der legislativen Neuerung waren die Versorger verpflichtet, einen bestimmten Anteil Ökostrom abzunehmen, die EEG-Umlage stieg nur moderat an. Aktuell wird er jedoch einfach mit dem konventionell erzeugten Strom in einen Topf geworfen und als günstiger Graustrom an der Börse verkauft, wo die Großabnehmer aus der Industrie sich zu Spottpreisen eindecken können.

Wegfall der Abnahmeverpflichtung

Die großen Stromproduzenten lassen ungeachtet dessen ihre konventionellen Kraftwerke auf Hochtouren laufen, was durch günstige CO2-Emissionszertifikate gefördert wird. Die Produktion von Steinkohlestrom legte im ersten Halbjahr 2013 um 20,4 Prozent zu, bei Braunkohle betrug der Zuwachs nach Angaben der Deutschen Umwelthilfe 11,7 Prozent. Ergebnis: Die EEG-Umlage steigt seit 2010 rasant an.

Die großen Stromproduzenten schließen in der Regel direkt mit den kommunalen Versorgern Abnahmeverträge und beliefern sie dann überwiegend mit günstigem, aber klimaschädlichem Kohlestrom. Einen Anreiz oder gar eine Verpflichtung zur aufwändigen Abnahme von Ökostrom haben sie nicht mehr. Letztlich werde so immer mehr Strom an die Börse gezwungen und die Preise gehen in den Keller – mit bekanntem Resultat.

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