19.11.2013, 14:21 Uhr

Steinkohle boomt in NRW – wenn auch mit Verzögerung

Münster – Für das Jahr 2013 war ein Rekordzubau an Kohlekraftwerken geplant. Insgesamt sollten in diesem Jahr in Deutschland fünf neue Steinkohle-Kraftwerke ans Netz gehen. Allerdings hinkt der aktuelle Stand des Kraftwerksbaus dem Zeitplan hinterher.

Ganz so schnell wie geplant schreitet der Ausbau nicht voran: Insbesondere für zwei Kraftwerke in Nordrhein-Westfalen können die selbstgesteckten Zeitpläne nicht eingehalten werden.

Walsum: Probleme mit Stahl und Turbine

Die Steag startete 2006 den Bau des Blocks 10 am Kraftwerk Walsum in Duisburg. Bei der Errichtung und Inbetriebnahme des Kraftwerks traten allerdings immer wieder Probleme auf. So erwiesen sich die neuen Stahlsorten, die für eine verbesserte Energieeffizienz sorgen sollten, als unbrauchbar und mussten gegen herkömmlichen Stahl ausgetauscht werden. Dann verursachte die Turbine beim Probebetrieb Probleme. Da der Hersteller Hitachi bei anderen Turbinen des Typs in Japan ebenfalls Probleme festgestellt hatte, wurde für die Turbine in Walsum keine Freigabe erteilt. Dies führte dazu, dass der Probebetrieb seit April nicht ganz reibungslos über die Bühne gegangen ist. Im Juni 2013 konnte der Block dann aber schließlich ans Netz gehen. Die Stromeinspeisung erfolgte zunächst mit einer Leistung von 175 Megawatt (MW). Die Leistung sollte planmäßig innerhalb der folgenden drei Monate bis auf das für den Regelbetrieb ausgelegte Maximum von 750 MW hochgefahren werden. Ursprünglich war die Inbetriebnahme des Kraftwerksblocks für 2010 vorgesehen. Wie die Staeg gegenüber Bloomberg erklärte, soll der Regelbetrieb noch im Laufe des Jahres 2013 erfolgen.

Zusätzlich zum Kraftwerk in Duisburg wird die Steag die Betriebsführung des Trianel-Steinkohlekraftwerks in Lünen übernehmen. Die Übernahme der Betriebsführung erfolgt zunächst für einen Zeitraum von acht Jahren, mit einer Verlängerungsoption über fünf Jahre. Darin eingeschlossen ist die Übernahme der rund 60 Mitarbeiter am Standort.

Steag betreibt in Deutschland neun Steinkohlekraftwerke an acht Standorten mit einer installierten Gesamtleistung von 7.000 MW. Das Unternehmen sieht aufgrund des weltweit wachsenden Energiebedarfs Kohle auch in Zukunft als wichtigsten Energieträger.

Hamm: Salzsäure greift Turbine an

Auch RWE wird beim Ausbau seines Vorzeigeprojekts in Hamm vom Pech verfolgt. Der Energiekonzern baut hier nach eigenen Angaben eines der modernsten und klimaschonendsten Kohlekraftwerke Deutschlands. Durch einen hohen Nettowirkungsgrad von 46 Prozent soll der Richtwert für die zulässigen CO2-Emissionen deutlich unterschritten werden. Insgesamt könnten jährlich 2,5 Tonnen CO2 pro Jahr eingespart werden. Doch beim Bau passierten immer wieder unvorhergesehene Pannen, die zu Verschiebungen des Regelbetriebs geführt haben. Nach Unternehmensangaben sollte dieser bereits im Jahr 2011 erfolgen. Laut Angaben der Bundesnetzagentur wurde der Start nun weiter in das Jahr 2014 verschoben. Wie das Handelsblatt bereits im Oktober berichtete, sei dafür der Austritt von Salzsäure verantwortlich, der den Kessel und eine Turbine angegriffen haben soll. Daher wurde der Regelbetrieb vorsichtshalber auf den kommenden März verschoben.

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