14.01.2015, 12:01 Uhr

Frankreich will Atomkraftwerke modernisieren - Hendricks besorgt

Münster – Die Einstellung zur Atomkraft ist in Frankreich mit der Haltung der Deutschen nur schwer vergleichbar. Während in Deutschland im Jahr 2022 endgültig Schluss mit der Atomeenergie-Nutzung sein wird, sollen in Frankreich die Atomkraftwerke nun modernisiert werden.

Auch wenn der Anteil der Atomenergie an der Stromerzeugung in Frankreich von 75 auf 50 Prozent reduziert werden soll, bleiben auch danach noch zahlreicher Atommeiler übrig. Etwa die Hälfte der momentan 58 Atomkraftwerke (AKW) in Frankreich wird in den nächsten zehn Jahren das Alter von 40 Jahren übersteigen. Zudem ist die Reduzierung der Atomenergie noch keine beschlossene Sache.

Frankreich mit halbherziger Energiewende - neue Generation von Reaktoren?

Der Entwurf, der die Reduktion der Atomenergie-Nutzung in Frankreich vorsieht, wurde vom Abgeordnetenhaus in Frankreich bereits verabschiedet und wird momentan in der zweiten Parlamentskammer geprüft. Somit ist die Entscheidung noch nicht endgültig. Dies sieht auch die Energieministerin Ségolène Royal so.

Gegenüber des französischen Magazins „L'Usine Nouvelle“ sagte sie am Dienstag (13.01.20.15), dass Frankreich den Bau „einer neuen Generation von Reaktoren“ ins Auge fassen müsse, wenn Altanlage nicht modernisiert werden könnten.

Schwieriger Spagat - Frankreich mit staatlicher Atomindustrie

Diese Aussage erscheint vor dem industriepolitischen Hintergrund Frankreichs nicht verwunderlich. Mit dem weitgehend staatlichen Energiekonzern Areva wird die komplette Wertschöpfungskette der Atomindustrie bedient. Vom Abbau des Urans in Niger, Bau von Kernkraftanlagen bis hin zur Produktion von Atomstrom und Entsorgung. Vor allem beim Bau von Atomkraftwerken ist Areva Spezialist. Und dieser Konzern befindet sich direkt und indirekt zu 91 Prozent in Händen des französischen Staates. Areva schreibt derzeit tiefrote Zahlen, weil ein Großteil der Areva-Umsätze auf die Geschäftsbereiche der Nukleartechnik entfallen. 46.000 Beschäftigte in einem Staatsunternehmen sorgen sich deshalb um ihre Arbeitsplätze und wollen eine Perspektive. Mittlerweile ist das Unternehmen zwar auch u.a. in die Windbranche eingestiegen und bietet Offshore-Turbinen an, dieser Geschäftsbereich ist aber noch relativ klein.

Hendricks: Stilllegung zum frühestmöglichen Zeitpunkt

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks zeigt sich darüber alles andere als begeistert. In einem Brief an die Energieministerin Ségolène Royal, der der Badischen Zeitung vorliegt, bittet Hendricks darum, dass man sie über den Zeitplan und die beabsichtigte Vorgehensweise zur Stilllegung des AKW Fessenheims informieren möge. Die Bevölkerung im grenznahen Bereich sei über die Sicherheit des Atomkraftwerks sehr besorgt, heißt es nach Angaben der Tageszeitung in dem Schreiben. Royal werde darin ferner gebeten, diese Sorgen zu berücksichtigen und die Stilllegung des Kraftwerks zum "frühestmöglichen Zeitpunkt" vorzusehen.

AKW-Fessenheim schon 37 Jahre alt

Das Atomkraftwerk Fessenheim ist mit 37 Betriebsjahren das älteste in Frankreich. Baubeginn der beiden Reaktoren war bereits 1971 und 72. Die beiden Reaktoren stehen genau an der Französisch-Deutschen Grenze unweit der Stadt Freiburg. Die Stilllegung war eigentlich für das Jahr 2016 geplant.

Mit der Ankündigung neuer Atomkraftwerke sei Frankreich auf dem Holzweg, so Oliver Krischer, stellvertretender Bundestags-Fraktionsvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen. „Frankreich betreibt damit eine rückwärtsgewandte Energiepolitik zulasten der Sicherheit und günstigen Strompreisen. Schon heute produzieren neue Solar- und Windkraftanlagen quer durch Europa günstiger Strom als neue AKWs. So kann in Großbritannien das AKW Hinkley Point C nur gebaut werden, da es massive Steuergelder erhält“. Zudem sei jedes neue AKW in Frankreich ein Sicherheitsrisiko für Deutschland. „Solch ein Risiko für die deutsche Bevölkerung muss unbedingt verhindert werden“, so Krischer weiter.

Quelle: IWR Online
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