20.07.2015, 12:59 Uhr

Offshore-Windenergie: Ausbau verläuft nach Plan – Branche dennoch verunsichert

Berlin/Frankfurt – Bis 2020 sollen nach den bisherigen Zielen der Bundesregierung Offshore-Windenergieanlagen mit einer Leistung von 6.500 MW in Nord- und Ostsee Strom produzieren. Mit über 1.750 MW neuer Offshore-Leistung ist der Ausbau der Offshore-Windenergie in Deutschland nach Einschätzung der Offshore-Stiftung auf Kurs. Die Ziele für 2020 scheinen erreichbar.
Insgesamt 422 Windenergieanlagen mit einer Leistung von 1.765,3 MW gingen im ersten Halbjahr neu ans Netz. Bis Ende des Jahres könnte damit die Hälfte des 2020er-Ziels erreicht werden, so die Offshore-Stiftung.
Bisheriges 2020-Ziel erscheint realistisch
Bis zum Ende der ersten Halbjahres 2015 speisten insgesamt 668 Anlagen mit einer Gesamtleistung von 2.777,8 MW in Deutschland Strom ins Netz ein. Zudem stehen 90 Anlagen mit einer Leistung von 380,7 MW vor ihrem Netzanschluss und für 84 weitere Anlagen wurden bereits Fundamente errichtet. Daher rechnet die Branche für das Jahr 2015 insgesamt mit etwa 2.250 Megawatt an neuen Offshore-Windenergie-Kapazitäten am Netz. In der deutschen Nord- und Ostsee werden zum Jahresende wie geplant Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von bis zu 3.300 Megawatt am Netz sein. Damit wird Deutschland zum Ende dieses Jahres die Hälfte der für 2020 geplanten 6.500 Megawatt erreicht haben.
“Der Ausbau geht mit weiteren Projekten voran: Anlagen mit einer Leistung von insgesamt 704,4 Megawatt sind in neun Projekten in Bau. Für fünf weitere Projekte mit 1.482,8 Megawatt liegen die finalen Investitionsentscheidungen vor“, so Dr. Jörg Buddenberg, Vorstandsvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Offshore-Windenergie.
Branche will Sicherheit
Mit Blick auf die weitere Offshore-Entwicklung fordert die Offshore-Branche Sicherheit. Anders als dies die Bundesnetzagentur (BNetzA) im aktuellen Entwurf für den Offshore-Netzentwicklungsplan (O-NEP 2015) vorsehe, sei für den weiteren Offshore-Ausbau ein kontinuierlicher Aufbau der Netzinfrastruktur nötig. „Für die Zeit nach 2020 sind ausreichende Netzkapazitäten von zentraler Bedeutung. Nur so erhalten die Unternehmen Planungssicherheit für weitere Investitionen. Denn Offshore-Windenergieprojekte sind durch lange Vorlaufzeiten und hohe Investitionssummen geprägt. Je geringer die Anzahl der Netzanbindungssysteme, auf denen Kapazität zur Verfügung steht, desto beschränkter ist auch der im Rahmen von zukünftigen Ausschreibungen angestrebte Wettbewerb zwischen den Projekten. Die mit dem Wettbewerb angestrebte Senkung der Stromgestehungskosten würde unnötig erschwert, wenn das Netz wieder zum Engpass werden würde“, sagt Jörg Kuhbier, Vorstandsvorsitzender Stiftung Offshore Windenergie.
Branche fordert klaren Rahmen für Ausschreibungssystem
Hinsichtlich des künftigen Ausschreibungsmodells fordert die Branche kurzfristig klare Verhältnisse. „Die Offshore-Windindustrie braucht schon 2016 Klarheit über das Ausschreibungsdesign, damit der Ausbau kontinuierlich vorangetrieben werden kann. Um ein Stop-and-go im Markt zu vermeiden, ist es zudem bei jedem Modell unabdingbar, klare Regelungen zu schaffen für den Übergang von der Festpreisvergütung hin zur wettbewerblichen Ausschreibung“, so Norbert Giese, Vorsitzender des VDMA-Lenkungskreises Offshore-Windindustrie und Vorstand der Windenergie-Agentur WAB.
„Nachdem die Offshore Windenergie nach vielen Jahren der Vorinvestitionen nun einen immer wichtigeren Beitrag zur Energiewende leistet, kann die Umstellung auf Ausschreibungen erneut die Investitionssicherheit gefährden. Insbesondere die Infragestellung der Eigentumsverhältnisse verunsichert die Projektentwickler. Um die zweifelsohne bestehenden Kostensenkungspotentiale dieser wichtigen Technologie zu heben, braucht es Verlässlichkeit auf Seiten der Politik“, ergänzt Hermann Albers, Präsident des Bundesverbandes Windenergie.
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