30.05.2018, 11:19 Uhr

WEA-Nachtkennzeichnung: Neuentwicklung erhält luftverkehrsrechtliche Anerkennung

Reußenköge – Nächtliches Dauerblinken von Windenergieanlagen empfinden Anwohner oft als störend. Die Lösung sind Systeme mit bedarfsgerechter Befeuerung. Ein neues System zur Nachtkennzeichnung auf der Basis von Fernseh- und Mobilfunk-Wellen kann nach luftverkehrsrechtlicher Anerkennung nun starten.

Nach mehreren Jahren der Entwicklung und Erprobung in Feldversuchen hat Dirkshof / Parasol jetzt die luftverkehrsrechtliche Anerkennung für das innovative Konzept einer neuartigen Nachtkennzeichnung für Windkraftanlagen erhalten. Damit blinken Windenergieanlagen nachts nur noch bei tatsächlichem Bedarf.

Parasol nutzt vorhandene Fernseh- und Mobilfunkwellen

Das u.a. im Bereich Projektierung und Betriebsführung tätige Windenergie-Unternehmen Dirkshof hat mit Parasol ein neuartiges System zur bedarfsgereichten Nachtkennzeichnung von Windenergieanlagen entwickelt, das ohne störende Emissionen auskommt. Ziel war es, so das Unternehmen, ein System auf den Markt zu bringen, das Nächte zu mehr als 95 Prozent dunkel halten kann. Das Passiv-Radar-System „Parasol“ nutzt bereits vorhandene Fernseh- und Mobilfunk-Wellen von DVB-T, DAB plus oder LTE und erzeugt keine zusätzlichen Strahlungsemissionen. Zudem benötigt es keine eigene Frequenzzuteilung.

Serienproduktion kann starten

Nach der 4-jährigen Prototypenphase, Verzögerungen durch die Umstellung auf DVB-T2 und vielen Testflügen sind nun alle Anforderungen für die Anerkennung erfüllt worden. Zusammen mit dem Fraunhofer-Institut für Hochfrequenzphysik und Radartechnik (FHR) wurden alle Entwicklungsschritte detailliert überprüft. Dies führte zum angestrebten Ergebnis, die sensible Echodeutung technisch-mathematisch gänzlich im Griff zu haben „Wir sind in Europa bisher die Einzigen, die so ein Passiv-Radar-System ohne zusätzliche elektromagnetische Emissionen anbieten“, freut sich Dirk Ketelsen, Firmenchef und Inhaber des Dirkshofes. „Nach Jahren der Entwicklung und hohen Investitionen in die Zukunft zum Erhalt der Akzeptanz kann nun der Startschuss für die Serienproduktion „Made in Germany“ erfolgen, denn wir sind nicht abhängig von gesonderten Frequenzvergaben.“

Minimalreichweite von 10 km

Das Parasol-System besteht aus drei im Windpark montierten Sensoren, die jeweils mit zwei Antennen rund um die Uhr Fernsehsignale empfangen. Datentechnisch miteinander verknüpft erkennen sie Reflexionen, die auftreten, wenn sich ein Flugobjekt nähert. Diese Information wird innerhalb von Millisekunden weitergegeben und die Hindernisbefeuerung der Windkraftanlagen unverzüglich angeschaltet. Die Minimalreichweite des Systems hängt von der Größe des Flugobjektes sowie den Vor-Ort-Bedingungen am konkreten Standort ab, erstreckt sich nach Angaben des Unternehmens aber auf mindestens 10 km. Es wird ein Radius von 360 Grad abgedeckt.

Quelle: IWR Online

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