16.11.2018, 11:35 Uhr

Einweihung von Power-to-Gas-Leuchtturmprojekt am Hochrhein

Stuttgart - Wasserstoff aus Ökostrom kann die Mobilität klimafreundlicher machen, ist aber noch vergleichsweise teuer. Ein neues Power-to-Gas-Pilotprojekt in Megawattgröße soll dazu beitragen, die Kosten deutlich zu senken.

Am 15. November 2018 wurde die Power-to-Gas-Anlage in Grenzach-Wyhlen offiziell eingeweiht. Der Strom für den Wasserstoff stammt aus einem benachbarten Wasserkraftwerk am Rhein. Betreiber der Anlage ist der Energieversorger Energiedienst AG. Koordiniert wird das Leuchtturmprojekt vom Zentrum für Sonnenenergie-und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW).

Fokus Kostenoptimierung

Noch im November soll im Rahmen von Testläufen die Wasserstoffproduktion der Power-to-Gas-Anlage im süddeutschen Grenzach-Wyhlen starten. Ziel ist es, mit dem Betrieb der Anlage die Wirtschaftlichkeit der Power-to-Gas-Technologie zu demonstrieren und die bislang vergleichsweise hohen Kosten zu senken. Möglich wird dies durch einige Besonderheiten am Standort.

Aufgrund der Nachbarschaftslage zwischen der Power-to-Gas-Anlagen und dem Laufwasserkraftwerk Wyhlen, kann der Strom direkt ohne Umweg über das Stromnetz bezogen werden. Netzentgelte und die EEG-Umlage entfallen somit. Da die Wasserkraft im Unterschied zu der stärker witterungsabhängigen Wind- und Solarenergie praktisch rund um die Uhr Strom liefern kann, lassen sich die Volllaststunden im Vergleich zu Power-to-Gas-Anlagen, die auf Wind-oder Sonnenenergie basieren, erhöhen. Das steigert die Wirtschaftlichkeit. Zusätzlich erprobt das ZSW in einer angeschlossenen Forschungsanlage effizienz- und kostenoptimierte Elektrolyseblöcke mit derzeit bis zu 300 Kilowatt Leistung, die bis 1 Megawatt erweiterbar sind. Die Elektrolyse zur Umwandlung des erneuerbaren Stroms macht mit rund 40 Prozent den größten Kostenanteil aus. Entsprechend hoch ist hier das Einsparpotenzial. Langfristiges Ziel der Forscher und Ingenieure ist es, die heutigen Produktionskosten in etwa zu halbieren.

Technisches Monitoring zur Weiterentwicklung der Komponenten

Mit dem Anlagenbetrieb ist ein umfassendes technisches Monitoring verbunden, das von Forschern des ZSW übernommen wird. Auf der Basis der aus dem Betrieb sekündlich gewonnenen Daten sowie einer detaillierten Analyse aller wesentlichen Bauteile wie Elektrolyseblock, Verdichter und Gleichrichter sollen die Komponenten künftig weiter optimiert werden. Im Rahmen des Projekts erstellen die Wissenschaftler auch einen Technologieleitfaden für Power-to-Gas-Anlagen, der Verbesserungspotenziale aufzeigen soll, um Wasserstoff effizienter und wirtschaftlicher produzieren zu können.

Neben dem für die Koordination des Projekte zuständigem ZSW sind an dem Vorhaben drei weitere Forschungspartner und acht Partner aus dem Industriesektor beteiligt sind. Das Land Baden-Württemberg unterstützt das Projekt mit 4,5 Millionen Euro.

Quelle: IWR Online

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