15.01.2019, 16:27 Uhr

Hitachi legt britisches Atomkraftwerk-Projekt auf Eis

Tokio - Der japanische Konzern Hitachi stoppt die weiteren Planungen für das britische Atomkraftwerk-Projekt in Wales. Die Japaner schreiben britische AKW-Vermögenswerte in Höhe von rd. 2,4 Milliarden Euro vorsorglich voll ab.

Formal geht es nach Angaben der japanischen Nikkei Inc. Group um eine Überprüfung des britischen Atomprojekts. Aber es steckt mehr dahinter.

Hitachi plante zwei AKW auf der walisischen Insel Anglesey

Der japanische Konzern Hitachi hatte nach der Übernahme der Horizon Nuclear Power den Bau von zwei Atomkraftwerken in Wales geplant. Nach Angaben von Nikkei stimmte die britische Regierung der Finanzierung von umgerechnet 16 Mrd. Euro zu, was etwa zwei Drittel der Gesamtkosten entsprechen sollte. Japanische und britische (öffentlich-private) Konsortien sollten das restliche Drittel finanzieren. Das Problem: Hitachi hatte große Schwierigkeiten, Unternehmen in Japan zu finden, die sich beteiligen wollten. Zusätzliche Verhandlungen über die Finanzierung Ende 2018 mit der britischen Regierung führten laut Nikkei dann zu einem Stillstand. Sorgen über die Folgen des Brexits und die Zukunft der Kernenergie in Großbritannien hätten weitere Fragen aufgeworfen.

Hitachi will garantierten Strompreis für Atomstrom

Laut Nikkei Inc. hat Hitachi die Bedingungen für eine weitere Fortsetzung des Atomprojekts formuliert, um das Risiko zu reduzieren. So will Hitachi einen garantierten Strompreis, um einen konstanten Finanzrückfluss sicherzustellen, heißt es in dem Nikkei-Bericht. Allerdings seien die Aussichten gering, dass die Forderungen erfüllt werden. Es wird erwartet, dass der Hitachi-Vorstand in Kürze das gesamte Projekt stoppt.

Japans letztes AKW-Projekt im Ausland?

Der Export japanischer Atomkraftwerks-Technologie scheint ausgeträumt. Das Hitachi-Projekt ist das letzte ausländische AKW-Projekt in einer langen Kette von AKW-Projekten japanischer Unternehmen, das zum Stillstand kommt. In Großbritannien hat Toshiba bereits 2018 die Schließung der Atomtochter angekündigt. In Litauen ist der Bau des Hitachi-AKW's seit 2016 ausgesetzt, in der Türkei das AKW-Projekt von Mitsubishi Heavy Industries und Framatome nach einer exzessiven Kostensteigerung geplatzt. Das von Mitsubishi Heavy Industries und Tokyo Electric Power geplante Atomkraftwerk in Vietnam wird seit 2016 durch das geringe Finanzbudget der vietnamesischen Regierung ausgebremst.

Quelle: IWR Online

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