29.07.2016, 08:37 Uhr

EDF trifft finale Investitions-Entscheidung für Hinkley Point C

Paris – Der Verwaltungsrat des französischen Energiekonzerns EDF hat am Donnerstagnachmittag beschlossen, das Atomkraftwerksprojekt Hinkley Point C zu realisieren. Die Entscheidung hatte sich bereits im Vorfeld abgezeichnet.

Damit gibt EDF endgültig grünes Licht für das umstrittene Kernenergie-Projekt. Wie der französische Staatskonzern mitteilte, hat der Verwaltungsrat diese finale Investitionsentscheidung getroffen. Der Präsident des Unternehmens sei nun autorisiert, die entsprechenden Prozesse anzustoßen und Verträge zu unterzeichnen, die für den Bau der beiden Reaktoren im Südwesten von England in der Grafschaft Somerset notwendig sind.

Erster Reaktor soll 2019 fertig werden

Demnach können nun auch die Verträge mit der britischen Regierung, dem chinesischen Projektpartner China General Nuclear Power Generation (CGN) und weiteren wichtigen Zulieferern abgeschlossen werden. Die beiden Druckwasserreaktoren mit einer Nettoleistung von zusammen 3.200 Megawatt (MW) sollen die Präsenz von EDF in Großbritannien weiter stärken. EDF Energy betreibt im Königreich bereits 15 Kernreaktoren. Der erste Reaktor soll Mitte 2019 fertig werden.

Im Vorfeld der entscheidenden Sitzung des Verwaltungsrates von EDF war ein Mitglied des Gremiums zurückgetreten. Gérard Magnin könne die Pläne Frankreichs, die Atomenergie weiter anzuschieben, nicht länger unterstützen. Deswegen habe er seinen Posten im EDF-Verwaltungsrat abgegeben.

Greenpeace Energy: Gefährliches Spiel mit der Sicherheit

Kritik an der Entscheidung kommt unter anderem vom Ökoenergie-Versorger Greenpeace Energy, der gegen das Projekt und die damit verbundene EU-Genehmigung hoher Subventionen geklagt hatte. Für Sönke Tangermann, Vorstand bei Greenpeace Energy, ist die Entscheidung für Hinkley Point C doppelt fahrlässig. Tangermann weiter: „Zum einen für den hoch verschuldeten EDF-Konzern, denn die jüngst vom französischen Staat zugesagten Milliardenhilfen für das Projekt könnten gegen EU-Beihilferecht verstoßen und somit illegal sein. Fließen diese Gelder am Ende nicht, würde sich für EDF eine gigantische Finanzierungslücke auftun. Riskant ist die Entscheidung aber vor allem aber in Hinblick auf die alternden Kraftwerke in Frankreich: Weil seine alternden Atommeiler immer wieder von ernsten Störfällen betroffen sind, müsste EDF in den nächsten Jahrzehnten eigentlich einen bis zu dreistelligen Milliardenbetrag investieren. Dieses Geld fehlt nun aber durch das exorbitant teure Prestigeprojekt Hinkley Point C – ein gefährliches Spiel mit der Sicherheit.“

Quelle: IWR Online

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