29.05.2019, 12:06 Uhr

Weltweit erste Anlage für regeneratives Kerosin

Dresden - Im Gegensatz zu Autos lassen sich vor allem Langstreckenflugzeuge kurzfristig nicht auf Elektro- oder Wasserstoffantrieb umstellen. Eine Alternative für herkömmliche Flugtreibstoffe stellt synthetisches Kerosin auf einer regenerativen Basis dar. Zusammen mit dem Flughafen Rotterdam Den Haag wurde jetzt ein Pilotprojekt gestartet.

Erneuerbare Jet-Kraftstoffe haben gegenüber herkömmlichen fossilen Brennstoffen den Vorteil, dass sie CO2-neutral sind, da für die Produktion CO2 aus der Atmosphäre genutzt wird. Es mangelt allerdings an Erfahrungen und Produktionskapazitäten für die diese neuartigen Treibstoffe. Die Ergebnisse eines europäischen Kooperationsprojektes könnten zu einem wichtigen Meilenstein werden.

Pilotprojekt für eine nachhaltige Luftfahrtindustrie

Ein europäisches Konsortium unter der Leitung der EDL Anlagebau GmbH hat mit dem Flughafen Rotterdam Den Haag eine Kooperationsvereinbarung für eine Studie zur Planung einer Demonstrationsanlage für die Erzeugung von erneuerbarem Kerosin aus CO2 und Wasser unterschrieben. Neben der EDL Anlagenbau GmbH sind u.a. Climeworks aus der Schweiz, die Sunfire GmbH aus Dresden und die Ineratec GmbH aus Karlsruhe an dem Konsortium beteiligt. Ziel des europäischen Projekt-Konsortiums und des Flughafens Rotterdam Den Haag ist die Entwicklung einer neuen Anlage zur Herstellung von erneuerbarem Kraftstoff. Auf dem Gelände des Flughafens Rotterdam könnten damit täglich 1.000 Liter erneuerbares Kerosin produziert werden.

Im ersten Produktionsschritt wird Climeworks CO2 aus der Umgebungsluft gewinnen. Die Hochtemperatur-Elektrolyse-Technologie von Sunfire wandelt anschließend das gewonnene CO2 zusammen mit Wasser(dampf) und Ökostrom in Synthesegas um. Durch ein spezielles Syntheseverfahren von Ineratec soll anschließende aus dem Synthesegas ein synthetisches Rohölsubstitut erzeugt werden. Diese wiederum wird dann ein einem weiteren Verfahrensschritt in einer Anlage von EDL Anlagebau in e-Kerosin für die Turbinen von Flugzeugen umgewandelt. Das für den gesamten Herstellungsprozess erneuerbare Energien genutzt werden sollen, ist der der gesamte Herstellungsprozess nachhaltig.

Mit Transavia konnte die erste Luftlinie als potenzieller Kunde bereits überzeugt werden. Das niederländische Unternehmen hat sich bereits für die Technologie ausgesprochen und möchte den eigenen CO2-Ausstoß künftig durch den Einsatz erneuerbarer Kraftstoffe reduzieren.

Verfahrenstechnische Grundlagen im ersten Schritt im Fokus

Im Rahmen des Projektes werden zunächst die verfahrenstechnischen Grundlagen und das Konzept für die Produktion von erneuerbarem Kerosin am Flughafen definiert. Auf dieser Basis soll anschließend die notwendige Demonstrationsanlage gebaut werden. Im Fokus des Projektes steht somit eine Blaupause für vollintegrierte Produktionsanlagen für einen klimafreundlichen und schadstoffarmen Flugtreibstoff. Die Blaupause ist der erste Schritt für eine notwendige Skalierung der Produktions- und Anlagenkapazitäten. In der nächsten Phase könnten dann Anlagen an geeigneten Standorten, wie beispielsweise dem Komplex des Rotterdamer Hafens errichtet werden

Quelle: IWR Online

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