20.12.2018, 08:44 Uhr

Neuer Treibstoff für klimaneutrales Fliegen

Karlsruhe - Fliegen ist energieintensiv und mit negativen Folgen für das Weltklima verbunden. Elektroantriebe sind aber nur bedingt tauglich. Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT), die Firma Ineratec und weiteren Partner gehen einen ganz anderen Weg.

Der Luft-, Schwerlast- und Schiffsverkehr nimmt weltweit stetig zu. Damit verbunden ist ein wachsender Kraftstoffbedarf, der bisher auf fossilen Treibstoffen basiert. Forscher stellen eine Lösung für CO2-freie Mobilität vor.

Synthetische Kraftstoffe aus dem Treibhausgas CO2

„Wir brauchen dringend CO2-freie Mobilität“, sagt Professor Roland Dittmeyer, Leiter des Instituts für Mikroverfahrenstechnik (IMVT) des KIT. Dittmeyer sieht die Lösung in synthetischen Kraftstoffen aus dem Treibhausgas CO2 und erneuerbarem Strom. Geplant ist die Gewinnung von CO2 aus der Umgebungsluft mit einer Direct-Air-Capture-Anlage der Firma Climeworks. Die Elektrolyse-Technologie, mit der durch Strom aus Wasser der benötigte Wasserstoff erzeugt wird, stammt von Siemens.

Das Projekt PowerFuel am KIT

Im Projekt PowerFuel wird am KIT in einer von Ineratec entwickelten Pilotanlage CO2 mit Wasserstoff schließlich in Synthesegas umgewandelt. „Aus letzterem wird im Reaktor flüssiger Kraftstoff erzeugt“, sagt Ineratec-Geschäftsführer Tim Böltken. Durch dieses Power-to-Liquid-Verfahren lässt sich nahezu klimaneutraler Treibstoff wirtschaftlich herstellen. Durch den Einsatz der kompakten chemischen Reaktoren von Ineratec direkt vor Ort soll auf EE-Energieschwankungen optimal reagiert werden und Strom, der bisher ungenutzt blieb in flüssigen Kraftstoffen gespeichert werden. „Zudem haben unsere synthetischen Kraftstoffe im Vergleich zu konventionellem Benzin, Diesel oder Kerosin sogar bessere Verbrennungseigenschaften“, sagt Böltken. Die Qualität der synthetischen Treibstoffe sowie der Einsatz in verschiedenen Verkehrssektoren werden vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und der Firma Aviation Fuel Projects Consulting untersucht und beurteilt. In der Pilotphase soll die Anlage 200 bis 300 Liter Kraftstoff am Tag produzieren.

Konsortium untersucht Einbringung des synthetischen Kraftstoffs in den Verkehr

Parallel zum Betrieb des Anlagenverbunds führen Siemens, Bauhaus Luftfahrt und die TU Hamburg Energiesystemanalysen des gesamten Anlagenverbunds durch, welche durch Simulationen basierend auf Strommarktmodellen unterstützt werden. Zusätzlich soll analysiert werden, wie der synthetisch erzeugte Kraftstoff in Verkehr gebracht werden kann.

Quelle: IWR Online

© IWR, 2018