08.07.2019, 15:20 Uhr

Umfrage: Industrie unzufrieden mit Umsetzung der Energiewende

Hamburg - Der Klimaschutz beschäftigt nicht nur die Politik, sondern auch die Industrie: Das zeigt eine aktuelle Umfrage des Clusters Erneuerbare Energien unter den Mitgliedsunternehmen.

Die Erneuerbare Energien Hamburg Clusteragentur (EEHH) hat im Juni 2019 unter ihren Mitgliedsunternehmen eine Umfrage zur aktuellen Situation der deutschen Energiewende durchgeführt. Leitfragen waren, was die Industrie selbst zum Klimaschutz beitragen kann, welche Impulse sie sich von der Politik wünscht und wie die Energiewende insgesamt besser gelingen könne.

Klimaziele von Industrieunternehmen

Insgesamt war über die Hälfte der befragten EEHH-Mitgliedsunternehmen der Meinung, dass Eigeninitiative zum Klimaschutz auf Unternehmensseite die Energiewende voranbringen kann. Dazu gehören konkrete Vorschläger wie

  • Einführung eines am Unternehmensgewinn orientierten stärkeren finanziellen Beitrags
  • eigenständige Organisation des CO2-Zertifikatehandels auf Unternehmensseite/li>
  • Gemeinschaftliches und öffentliches Votum für die CO2-Bepreisung
  • Bestimmung eigener Reduktionsziele, Fokussierung auf Einkauf bzw. Eigenproduktion von grünen Strom
  • strengerer ordnungs- und/oder marktpolitischer Rahmen durch die Bundespolitik
Rund 42 Prozent der Unternehmen glaubt, dass sie in den Absichtserklärungen von Großkonzernen, klimaneutral zu produzieren, Vorbildcharakter für sich und andere Unternehmen sehen. Darüber hinaus sehen viele Umfrageteilnehmer durch privatwirtschaftliche Unternehmen eine inhaltliche Bereicherung der Diskussion um die Energiewende. Dass diese dadurch glaubhafter werde, denken 45 Prozent der Befragten. Knapp 40 Prozent setzten in diesem Zusammenhang auf positive Impulse aus der Industrie an die Politik und an die Vorbildfunktion für andere Unternehmen. Ein Drittel der Befragten hat allerdings Bedenken, dass viele Unternehmen diese Pläne vermeintlich nur zu Imagezwecken verfolgen, was die Debatte verwässern könnte.

Fossile Energieträgerlobby bremst Energiewende aus

Vielen wird der Wechsel auf neue Energieträger nicht konsequent genug vollzogen. Verantwortlich für die schleppende Umsetzung der Energiewende ist nach Meinung von fast 80 Prozent der befragten Unternehmen die nach wie vor starke Lobby für fossile Energieträger. Fast drei Viertel der Unternehmen kritisieren eine fehlende Vision der Bundesregierung. An dritter und vierter Stelle der Hemmnisse bei der Energiewende wurde von zwei Dritteln der Befragten die aktuelle Genehmigungspraxis in den Bundesländern und Kommunen und von über der Hälfte der Widerstand aus Bürgerinitiativen angeführt. Bei der Realisierung von konkreten Projekten sprechen allerdings über zwei Drittel der Befragten von positiven Erfahrungen mit Bürgern, etwa in Bürgerdialogen und Beteiligungsverfahren. Ein knappes Drittel der Unternehmen verspürt hingegen eine abnehmende Akzeptanz gegenüber der Energiewende in der breiten Bevölkerung. Auch an der Basis regen sich demnach Widerstände gegen die Energiewende.

Um dem entgegenzuwirken, sprechen sich jeweils ungefähr zwei Drittel der Unternehmensvertreter dafür aus, dass die Bundesregierung eine verständliche und überzeugende Vision für die künftige Energieversorgung entwickeln müsse, und dass sowohl die Entstehung künftiger Arbeitsplätze durch die Energiewende als auch der Innovationsschub kommuniziert werden müssten. Über die Hälfte ist ebenfalls der Meinung, dass die Folgekosten einer verfehlten Energiewende vermittelt werden müsste.

Mehrheit der Unternehmen für Einführung einer CO2-Steuer

Fast 70 Prozent sind sich einig, dass eine CO2-Steuer für die künftige Energiepolitik notwendig sei; nur 27 Prozent setzen hingegen auf den CO2-Zertifikatehandel. Über die Hälfte der Befragten hält am kompromisslosen Kohleausstieg bis 2038 fest. Aber auch die Förderung von Erneuerbaren Energieprojekten mit starken regionalen Bezügen und die Förderung von Energieeinsparmaßnahmen werden von je über 60 Prozent der Befragten als sinnvoll erachtet.

Quelle: IWR Online

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