30.08.2019, 12:13 Uhr

Testzentrum für maritime Technologien auf Helgoland eröffnet

Bremen - Die Offshore-Windindustrie ist ein noch junger Industriezweig, bei dem gerade im Bereich Service und die Wartung noch erhebliches Entwicklungspotenzial besteht. In einem neuen Reallabor vor Helgoland werden künftig maritime Spezialtechnologien und Dienstleistungen entwickelt und erforscht.

Mit einer feierlichen Tonnentaufe wurde vor Helgoland das neue Testzentrum für maritime Technologien eröffnet. Gemeinsam werden Fraunhofer IFAM und das DFKI Robotics Innovation Center hier unter realen Bedingungen komplexe Robotersysteme erforschen und entwickeln, die künftig bei maritimen Arbeiten wie Inspektions-, Wartungs- und Reparaturarbeiten an Offshore-Windenergieanlagen eingesetzt werden sollen. Ein erstes konkretes Projekt ist bereits in der Pipeline.

Entwicklung intelligenter Roboter für Offshore-Arbeiten auf der Agenda

Um den Wirtschaftszweig der maritimen Wirtschaft zu sichern und auszubauen, müssen Produkte und Dienstleistungen kontinuierlich weiterentwickelt werden. Dabei gelten hohe Anforderungen hinsichtlich der Zuverlässigkeit und der Umsetzung der Digitalisierung in den maritimen Bereichen. Um diesem Anspruch gerecht werden zu können, haben Versuche und Langzeittests unter anwendungsnahen Bedingungen einen hohen Stellenwert, insbesondere auch im Bereich der weiteren Entwicklung der Offshore-Windenergie. Vor diesem Hintergrund bauen Fraunhofer IFAM und das DFKI Robotics Innovation Center derzeit an Land und im Seegebiet vor Helgoland ein Testzentrum für maritime Technologien auf.

Zusammen arbeiten Fraunhofer IFAM und DFKI an der Entwicklung und Erprobung von komplexen Robotersystemen, die sowohl unter und auf dem Wasser als auch in der Luft autonom und intelligent agieren. Sie sollen in der Lage sein Inspektions-, Wartungs- und Reparaturarbeiten auf hoher See durchzuführen, um Servicetechniker bei den gefährlichen Arbeiten zu entlasten. Um dieses breite Aufgabenspektrums erfüllen zu können, müssen die Luft- und Wasserfahrzeuge mit effizienten elektrischen Antrieben, einer umfangreichen Sensorik, Sensordatenerfassung- und Auswertung sowie entsprechenden Algorithmen zur autonomen Durchführung komplexer Missionen ausgestattet sein. Bei den Entwicklungsarbeiten von IFAM und DFKI steht der Nachweis der Zuverlässigkeit der Hard- und Software unter realen Umgebungsbedingungen im Vordergrund.

Testfeld bietet 45 Meter Tiefgang für maritime Robotik

Neben der Logistik an Land gehört zu dem Testzentrum für maritime Technologien ein Testfeld unmittelbar vor der Insel Helgoland, das mit einer Fläche von einigen Quadratkilometern und einer Wassertiefe von bis zu 45 Metern verschiedenste Erprobungsszenarien ermöglicht. Eine Kennzeichnung des Areals für die Schifffahrt mit entsprechenden Tonnen ist im Frühjahr 2020 geplant. Bei der Eröffnung wurde die erste „Tonne“ durch Vertreter aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik gemeinsam symbolisch „getauft“.

Konkrete Pläne für ein erstes Projekt im Testzentrum liegen bereits vor: Zusammen mit einem Industriekonsortium unter Führung der Vallourec Deutschland GmbH soll im Rahmen eines öffentlich geförderten Projektes ein neuartiges Gründungsverfahren für Tragstrukturen von Offshore-Windenergieanlagen erprobt werden. Das Verfahren kommt ohne Rammschall aus, so dass empfindliche Meeressäuger nicht beeinträchtigt werden. Die dabei entstehende Stahlstruktur soll im Testfeld über das Projekt hinaus als Prüfkörper und Testplattform weiteren Nutzern zugänglich gemacht werden.

Darüber hinaus können Unternehmen, die für die Entwicklung robuster und zuverlässiger Systeme geeignete Testumgebungen suchen, das Know-how sowie das Dienstleistungsangebot des Testzentrums für maritime Technologien nutzen. Angeboten wird die Planung, Durchführung und Auswertung für anwendungsbezogene Leistungsbewertungen im Testfeld. Zusätzlich können erfahrene Techniker in den Bereichen Logistik, Engineering, Werkstatt und Leitstand zur Verfügung gestellt werden.

Quelle: IWR Online

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