05.06.2019, 13:48 Uhr

Wegweisendes Offshore Forschungs Projekt geht an den Start

Blyth, UK - Inspektion, Wartung und Reparatur von Offshore-Windenergieanlagen sind aufgrund der Standortbedingungen auf See deutlich anspruchsvoller als an Land. Ein neues Forschungsprojekt in Großbritannien könnte für den Service- und Wartungssektor eine neue Ära einläuten.

Im Rahmen eines neuen Offshore-Forschungsprojektes sollen autonome robotergestützte Lösungen zur Inspektion und Wartung von Offshore-Windparks entwickelt werden. In einem durchschnittlichen Offshore-Windpark sollen über die Lebensdauer des Windparks rd. 26 Millionen britische Pfund (Mio. GBP) (rd. 29 Mio. Euro) einspart werden.

Autonomes robotergesteuertes System für die Inspektion von Wartung von Offshore-WEA

Inspektions- und Reparatureinsätze an den Rotorblättern von Windenergieanlagen werden i.d.R. von Seilzugangstechnikern durchgeführt, die häufig unter extremen Bedingungen und bei witterungsbedingt engen Zeitfenstern arbeiten. Die Ausfallzeiten von Windenergieanalagen und der Ertragsverlust bei diesem Wartungsansatz sind vergleichsweise hoch. Gleichzeitig macht der tägliche Transport der Techniker einen erheblichen Anteil an den Betriebs- und Wartungskosten eines Windparks aus.

Im Rahmen eines neuen branchenübergreifenden Innovationsprojekts mit einem Volumen von 4 Millionen Britischen Pfund (Mio. GBP) soll die weltweit erste vollständig autonome Roboterinspektions- und -reparaturlösung für Offshore-Windparks entwickelt werden.

Das von Innovate UK finanzierte Vorhaben MIMREE (Inspektion, Wartung und Reparatur auf mehreren Plattformen in extremen Umgebungen) ist auf zwei Jahre angelegt. Die einzelnen Projektpartner bringen ihr Fachwissen aus den Bereichen Robotik, zerstörungsfreie Tests, künstliche Intelligenz, Raumfahrt, See- und Luftfahrt, Ingenieurwesen und Nanobiotechnologie ein. Ziel ist es, zu zeigen, dass Inspektions-, Service- und Wartungsarbeiten an Offshore-Windenergieanalgen mit Hilfe von autonomen Schiffen, Luftfahrzeugen und Kriechrobotern durchgeführt werden können.

8 Projektpartner im Boot

Im Rahmen des Projektes werden 8 Partner aus Industrie- und Wissenschaft gemeinsam an dem neuen System arbeiten, das auf ihren bestehenden Innovationen aufbaut. Geleitet wird das Konsortium von dem Spezialisten für maritime Technik Plant Integrity. Das maritime Spezialunternehmen Offshore-Renewable Energy Catapult (ORE) soll sein Know-how aus der Offshore-Windindustrie einbringen und den Zugang zu Test- und Demonstrations-Einrichtungen sicherstellen, um das zu entwickelnde MIMREE-Systems zu testen. Eine Schlüsselfunktion haben das autonome Schiff Halcyon von dem Unternehmen Thales, ein Drohnen-System, das von Dr. Tom Richardson von der Universität Bristol entwickelt wird , und der sechsbeinige Reparaturroboter BladeBUG, der vom Unternehmer Chris Cieslak erfunden wurde. Die Kernherausforderung für die Entwicklung von innovativen Lösungen besteht aus Sicht der Projektpartner darin, diese einzelnen Teilsysteme zu einer Einheit zusammenzuführen, die in der Lage ist, zu planen, zu kommunizieren, sich auszutauschen und an einer komplexen Aufgabenkette zusammenzuarbeiten. Über eine zu entwickelnde Mensch-Maschine-Schnittstelle soll gewährleistet werden, dass Techniker an Land die übermittelten Daten analysieren und bei Bedarf korrigierend eingreifen können.

Wenn das Projekt erfolgreich ist, dürften Inspektion, Wartung und Reparatur von Offshore-Windparks in Zukunft nach Einschätzung von ORE ganz anders aussehen als heute. Geplant ist es, dass autonome Schiffe Inspektions- und Wartungsmissionen planen. Borddrohnen werden vom Schiff aus losfliegen, um die Rotorblätter visuell und hyperspektral zu untersuchen und Kriechroboter auf die Rotorblätter zu transportieren. Mit Hilfe eines Roboterarms sollen diese dann Reparaturen an den Oberflächen von den Rotorblättern durchführen können.

Quelle: IWR Online

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