Großbritannien mit Rekordauktion für Offshore-Windenergie: RWE räumt ab, EnBW zieht sich zurück

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London – Großbritannien plant einen massiven Ausbau der Offshore-Windenergie und strebt bis 2030 eine installierte Kapazität von 43 bis 50 GW an. Davon sollen bis zu 5 GW aus schwimmenden Offshore-Anlagen stammen. Mit der jüngsten Ausschreibungsrunde AR7 hat die britische Regierung dabei einen neuen Maßstab gesetzt: Mit einem Volumen von rund 8.400 MW (8,4 GW) handelt es sich um die bislang größte Offshore-Windauktion des Landes.
Die Rekordrunde hat bei den deutschen Energieversorgern gemischte Reaktionen ausgelöst. RWE konnte sich staatlich geförderte langfristige Differenzverträge (CfD) für britische Offshore-Windparks mit 6,9 GW sichern, das sind rund 82 Prozent der gesamten jüngsten Ausschreibungsleistung. EnBW zieht sich dagegen nach der Nichtberücksichtigung aus zwei zuvor geplanten Offshore-Vorhaben zurück.
RWE: Portfolio wächst um weitere 6,9 GW – Partnerschaft mit KKR
RWE erhielt in der Rekordauktion AR7 Zuschläge für fünf Offshore-Windprojekte: Norfolk Vanguard East, Norfolk Vanguard West, Dogger Bank South 1 und 2 sowie Awel y Môr. Die Gesamtleistung beträgt 6,9 GW (6.900 MW). Die zweiseitigen Differenzverträge (CfD) laufen über 20 Jahre zu einem Mindestvergütungspreis von 91,20 Pfund je Megawattstunde, das entspricht rund 10,5 Cent je Kilowattstunde. Die Vergütung ist über den Zeitraum inflationsindexiert und passt sich damit der britischen Inflationsentwicklung an.
Die Projekte Norfolk Vanguard East und West mit zusammen 3,1 GW Kapazität werden gemeinsam mit dem Finanzinvestor KKR entwickelt, gebaut und betrieben. KKR übernimmt jeweils 50 Prozent der Anteile. Nach der Inbetriebnahme sollen die Windparks rechnerisch Strom für rund drei Millionen Haushalte liefern. Die Inbetriebnahme ist für 2029, Norfolk Vanguard West, und 2030, Norfolk Vanguard East, vorgesehen.
Die beiden Dogger-Bank-South-Projekte mit einer Gesamtleistung von 3 GW werden gemeinsam mit Masdar umgesetzt. Das Offshore-Windprojekt Awel y Môr in der Irischen See mit 0,8 GW Kapazität realisiert RWE zusammen mit den Stadtwerken München und Siemens. Die Inbetriebnahme ist für 2031 geplant.
Markus Krebber, Vorstandsvorsitzender der RWE AG, erklärte: „Mit dem Erfolg bei AR7 und der Partnerschaft mit KKR haben wir wichtige Meilensteine bei der Umsetzung unserer Offshore-Windkraft-Pipeline in Großbritannien erreicht.“
EnBW: Projekte Mona und Morgan nicht weiterverfolgt
Die EnBW AG zieht sich aus den Offshore-Windprojekten Mona und Morgan mit einer potenziellen Gesamtleistung von 3 GW zurück. Ausschlaggebend waren der fehlende Zuschlag in der aktuellen Allokationsrunde sowie gestiegene Kosten, höhere Zinssätze und anhaltende Projektrisiken. Die Rekordauktion AR7 verdeutlicht damit zugleich den zunehmenden wirtschaftlichen und finanziellen Druck im Offshore-Markt.
Die Entscheidung wird im Jahresabschluss 2025 durch eine Wertberichtigung in Höhe von 1,2 Milliarden Euro berücksichtigt. Die Prognose für das bereinigte EBITDA von 4,8 bis 5,3 Milliarden Euro bleibt nach Angaben von EnBW unverändert. EnBW hält an einem wertorientierten Investitionsansatz fest und plant bis 2030 ein Investitionsprogramm von bis zu 50 Milliarden Euro.
Britisches Offshore-Windprogramm und die Ausbauziele bis 2030
Großbritannien betrachtet den Ausbau der Offshore-Windenergie als zentralen Baustein seiner Energie- und Klimapolitik. Bis 2030 sollen 43.000 bis 50.000 MW (43 bis 50 GW) Offshore-Windkraftleistung installiert werden, darunter bis zu 5.000 MW (5 GW) aus schwimmenden Anlagen. Stand 2024 waren rund 15.600 MW (15,6 GW) Offshore-Windleistung installiert.
Mit den jüngsten Ausschreibungsrunden wurde das Ausbautempo deutlich erhöht. In der Runde AR6, Ergebnisse September 2024, wurden rund 5,3 GW Offshore-Windkapazität bezuschlagt. In der Rekordrunde AR7 im Januar 2026 kamen weitere rund 8,4 GW hinzu. Zusätzlich befinden sich etwa 7,2 GW Offshore-Windleistung in der Genehmigungsphase oder in frühen Entwicklungsstadien.
Die britische Regierung plant weitere Ausschreibungsrunden im Rahmen des staatlich geförderten Contracts-for-Difference-Systems, kurz CfD, um Investitionssicherheit zu schaffen und den Ausbau großer Projekte zu beschleunigen. Das CfD-Modell ähnelt dem deutschen EEG (Preisuntergrenze), kombiniert jedoch eine Mindestvergütung mit einer Erlösobergrenze. Liegen die Markterlöse über dem vereinbarten Referenzpreis, werden die Mehreinnahmen an den Staat zurückgeführt. Ziel ist es, den Ausbau der Offshore-Windenergie voranzutreiben und zugleich Planungssicherheit für Investoren zu geben.
Quelle: IWR Online
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