29.01.2026, 16:36 Uhr

Deutschlands größte e-SAF-Anlage: 350 Mio. Euro Förderung für Power-to-Liquid-Projekt in Schwedt


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Berlin/Amsterdam - Nachhaltige Flugkraftstoffe (e-SAF) gelten als wichtige Technologie, um die CO2-Emissionen der Luftfahrt zu senken. Mit 350 Millionen Euro Förderung will Concrete Chemicals die größte e-SAF-Produktion Deutschlands bauen und so die industrielle Versorgung mit nachhaltigem Flugkraftstoff stärken.

Die Förderung wurde auf nationaler und Landesebene genehmigt, die Europäische Kommission prüft die Maßnahme final. Die PtL-Anlage soll jährlich mehr als 37.000 Tonnen synthetisches Kerosin und Naphtha erzeugen, wodurch mindestens 100.000 Tonnen fossiles CO2 in der Luftfahrt eingespart werden. Für den CO2-Bezug plant das Konsortium eine Kooperation mit LEIPA in Schwedt.

Förderung als Beschleuniger für e-SAF-Industrialisierung in Deutschland

Das Joint Venture Concrete Chemicals, bestehend aus ENERTRAG und Zaffra, erhält eine Förderung in Höhe von 350 Millionen Euro, um in Schwedt Deutschlands größte Produktionsanlage für nachhaltige Flugkraftstoffe (e-SAF) im industriellen Maßstab zu errichten. Die Genehmigung der Förderung erfolgte auf nationaler und Landesebene; die Prüfung durch die Europäische Kommission befindet sich nach Angaben der beiden Unternehmen „in ihrer finalen Phase“.

Die Fördermaßnahme wird nach den Leitlinien für Klima-, Energie- und Umweltschutzbeihilfen (CEEAG) eingeordnet und zielt darauf ab, „den Aufbau einer wettbewerbsfähigen sauberen Wasserstoffwirtschaft zu beschleunigen und gleichzeitig die Energiesouveränität der EU zu stärken“.

Als zentraler Baustein der EU-Energie- und Klimastrategie unterstützt Concrete Chemicals direkt die Beimischungsquoten der ReFuelEU Aviation-Verordnung. Innovation, Erneuerbare Energien und Klimapolitik greifen hier ineinander, so die beiden Unternehmen. Das stärke europäische Lieferketten, schaffe Industriearbeitsplätze und fördere die Region.

Dr. Gunar Hering, CEO von ENERTRAG, betont die Bedeutung der Energiewende über den Stromsektor hinaus: „Wir zeigen, dass die Energiewende nicht bei Strom endet. Sie hebt jetzt ab. Unsere Expertise in Erneuerbaren Energien ermöglicht den kosteneffizienten Einsatz von grünem Wasserstoff für die Flugkraftstoffe der Zukunft.“

Die technische Planungsphase beginnt unmittelbar, eine endgültige Investitionsentscheidung ist bis 2027 vorgesehen. Die Produktion soll ab 2030 die Beimischungsquoten unterstützen.

PtL-Anlage, CO2-Bezugsstrategie und Anschluss an Wasserstoffinfrastruktur

Concrete Chemicals plant eine Power-to-Liquid-Anlage (PtL), die synthetisches Kerosin aus biogenem CO2 und erneuerbarem Wasserstoff herstellt. Die Anlage ist für eine Kapazität von mehr als 37.000 Tonnen pro Jahr ausgelegt, darunter 30.000 Tonnen e-SAF und 7.000 Tonnen e-Naphtha. Nach Angaben der Unternehmen können dadurch „mindestens 100.000 Tonnen fossiles CO2 in der Luftfahrt“ eingespart werden.

Für den CO2-Bezug ist eine Kooperation mit der LEIPA Georg Leinfelder GmbH geplant, einem Hersteller von Papier- und Kartonprodukten auf Basis von Altpapier in Schwedt. Damit würde ein lokaler CO2-Kreislauf etabliert, der die Versorgungssicherheit der Anlage stärkt und regionale Wertschöpfung erzeugt.

Das Projekt ist nach Angaben von ENERTRAG und Zaffra zudem auf die entstehende Wasserstoffinfrastruktur Deutschlands und die Ziele des IPCEI-Wasserstoff-Rahmens abgestimmt. Standort und Design erlauben einen späteren Anschluss an das nationale Wasserstoffkernnetz - „vorbehaltlich des Infrastrukturausbaus und regulatorischer Genehmigungen“. Damit bleibt das Vorhaben skalierbar und integrierbar in den europäischen Wasserstoffmarkt.

Zaffra-CEO Jan Toschka unterstreicht die wirtschaftspolitische Dimension: „Zaffra und seine Partner liefern genau die Art von industrieller Spitzeninnovation, die Europa dringend braucht. Dieses Projekt beweist, dass sich Innovation mit Energiesicherheit, Klimazielen und wirtschaftlicher Wettbewerbsfähigkeit verbinden lässt, und zwar mit europäischer Technologie, deutscher Infrastruktur und Arbeitsplätzen in Brandenburg.“

Insgesamt sehen die Partner das Projekt als „Blaupause“ für SAF-Anlagen, die europaweit skalierbar sein sollen. Das Vorhaben soll nicht nur zur Erreichung der EU-Klimaziele beitragen, sondern auch die Resilienz des Energiesektors stärken und das Land widerstandsfähiger bei künftigen Krisensituationen machen.

Quelle: IWR Online

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