28.04.2026, 11:49 Uhr

1,6 GW-Nordlicht-Offshore-Cluster auf Kurs: Vattenfall simuliert komplexe Offshore-Installation an Land


© Vattenfall

Berlin - Die Installation von Offshore-Windenergieanlagen ist technisch anspruchsvoll und logistisch komplex. Unternehmen wie Vattenfall setzen daher zunehmend auf umfangreiche Tests und Simulationen an Land, um Risiken auf See zu reduzieren. So sollen Abläufe optimiert, Schnittstellen abgesichert und die Sicherheit sowie Effizienz in der Offshore-Bauphase erhöht werden.

Vattenfall bereitet den Bau des Offshore-Windclusters Nordlicht in der Nordsee mit umfangreichen Tests in Dänemark vor. Am Standort Aalborg werden zentrale Installations- und Arbeitsprozesse für die spätere Umsetzung auf See simuliert. Im Mittelpunkt steht dabei ein sogenanntes Transition-Piece-Mock-up, bei dem Montage- und Sicherheitsabläufe unter realistischen Bedingungen erprobt werden.

Vorbereitung für die Nordsee: Mock-up simuliert Offshore-Installation unter Realbedingungen

Vattenfall hat einen wichtigen Meilenstein in der Vorbereitung des Offshore-Windparks Nordlicht I erreicht. In Aalborg (Dänemark) werden derzeit zentrale Arbeitsschritte für die spätere Installation auf See beim Zulieferer CS Wind Offshore getestet.

Im Fokus steht ein Transition-Piece-Mock-up. Dabei werden die Arbeitsabläufe für die Installation der rund 23,7 Meter hohen und etwa 362 Tonnen schweren Bauteile realitätsnah simuliert. Das Transition Piece verbindet den Turm einer Windenergieanlage mit dem Fundament auf dem Meeresboden.

Getestet werden unter anderem Montage, Verschraubung, Kabeleinzug und -führung sowie Sicherheits- und Rettungsszenarien. Die umfassenden Tests an Land dienen dazu, Risiken frühzeitig zu identifizieren, Prozesse abzustimmen und die Offshore-Bauphase sicher und effizient vorzubereiten.

„Diese intensive Vorbereitung an Land zeigt, wie wichtig das enge Zusammenspiel unserer Teams und Partner ist. Indem wir Schnittstellen, Abläufe und Sicherheitsaspekte frühzeitig testen, schaffen wir die Grundlage für eine sichere und effiziente Umsetzung von Nordlicht auf See“, sagt Manuel Fischer, EPC Director Nordlicht bei Vattenfall.

Großbaustelle Nordsee: Fundamentarbeiten und Dimensionen des Projekts

Parallel zu den Vorbereitungen an Land haben in der deutschen Nordsee bereits erste Offshore-Arbeiten begonnen. Im Rahmen der sogenannten Scour Protection werden Steinschüttungen eingebracht, um den Meeresboden an den späteren Fundamentstandorten vor Erosion zu schützen.

Der eigentliche Offshore-Bau von Nordlicht I soll nach aktuellem Stand mit den Bauarbeiten für die Offshore-Fundamente im Juli 2026 starten, Nordlicht II folgt etwa ein Jahr später. Die Monopiles werden vom Hersteller EEW geliefert. Sie erreichen eine Länge von bis zu 80,5 Metern und ein Gewicht von bis zu 1.290 Tonnen. Für Nordlicht I sind insgesamt 68 Monopiles und ebenso viele Transition Pieces vorgesehen.

Das Offshore-Windcluster zählt mit einer Leistung von 1.610 MW (1,61 GW) zu den größten Offshore-Windprojekten in Europa. Das Nordlicht-Cluster besteht aus den Offshore-Windparks Nordlicht I (ca. 980 MW) und Nordlicht II (ca. 630 MW) mit insgesamt 112 Windturbinen. Eingesetzt wird das 15-MW-Flaggschiff von Vestas (Typ V236-15 MW). Die Windparks werden 85 km nördlich der Insel Borkum in der deutschen Nordsee errichtet.

Die Inbetriebnahme der beiden Windparks ist für 2028 geplant. Nach vollständiger Fertigstellung wird eine jährliche Stromerzeugung von rund 6 Terawattstunden erwartet. Das Projekt wird ohne staatliche Unterstützung umgesetzt.

Ein zusätzlicher Nachhaltigkeitsfokus liegt auf der Materialwahl: Bei den Turbinentürmen kommt teilweise emissionsarmer Stahl zum Einsatz. Dadurch soll der CO2-Fußabdruck des Projekts insgesamt um rund 16 Prozent sinken.

Quelle: IWR Online

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