Mehr Solarstrom trotz voller Netze: Thüga bringt Mittelspannungslängsregler in Serie

© TEAG / Carlo Bansin
München – Der steigende Photovoltaik-Zubau auf Hausdächern stellt Verteilnetzbetreiber vor die Herausforderung, bestehende Netzkapazitäten effizienter zu nutzen. Die Thüga Aktiengesellschaft hat deshalb mit TEN Thüringer Energienetze und Hitachi Energy einen kompakten Mittelspannungslängsregler (MSLR) entwickelt, der mehr PV-Leistung ohne Netzausbau ermöglichen soll.
In einem Pilotprojekt in Hopfgarten bei Weimar ist der Regler laut Thüga weltweit erstmals in einem Verteilnetz installiert worden. Eine Beispielrechnung zeigt, dass sich dadurch rund 260 Prozent mehr PV-Leistung integrieren lassen – allein am Pilotstandort könnten so rund 2.750 zusätzliche Balkonkraftwerke ans Netz gehen.
Funktionsweise: Spannungssteuerung statt Netzausbau
Der neu entwickelte Mittelspannungslängsregler (MSLR) korrigiert gezielt das Spannungsband im Mittelspannungsnetz und erhöht dadurch die Aufnahmefähigkeit vorhandener Leitungen für PV-Einspeisung, anstatt die Netze physisch zu verstärken. Hintergrund des Engpasses: Allein im Netzgebiet der TEN Thüringer Energienetze sind derzeit 17 Mittelspannungsbereiche „voll" und können keine weitere PV-Einspeisung mehr aufnehmen – in der Thüga-Gruppe stehen alle Flächennetzbetreiber von der Ostsee bis zu den Alpen vor derselben Herausforderung. Das Gerät ist auf Basis von Thüga-Spezifikationen standardisiert, etwa so groß wie ein großer Ortsnetztransformator, und lässt sich ohne zusätzliche Bauarbeiten in bestehende Trafostationen integrieren. Vorserientests haben laut Thüga gezeigt, dass die Technik auch bei Fehlbedienung unempfindlich ist; für Netztechniker soll sich die Handhabung kaum von der herkömmlicher Komponenten unterscheiden.
Kostenersparnis und strategische Bedeutung für die Thüga-Gruppe
Die Thüga Aktiengesellschaft definierte die Anforderungen an den MSLR auf Basis von Erkenntnissen aus der Thüga-Gruppe. TEN Thüringer Energienetze GmbH & Co. KG mit Sitz in Erfurt, Tochtergesellschaft der TEAG Thüringer Energie AG, betreibt das Pilotnetz in Hopfgarten. Hitachi Energy mit deutschem Sitz in Mannheim übernimmt künftig die Serienfertigung des Reglers im Transformatoren-Werk im polnischen Lodz. „Berechnungen für Flächenversorger in der Thüga-Gruppe ergeben, dass der Einsatz von MSLR bis 2035 bei einzelnen Netzbetreibern einen dreistelligen Millionenbetrag an Netzausbaukosten sparen kann, wenn wir diese Regler dort einsetzen, wo es sinnvoll und möglich ist“, sagt Dr. Constantin H. Alsheimer, Vorstandsvorsitzender der Thüga Aktiengesellschaft. Der MSLR soll dazu beitragen, die geplanten Investitionen in Milliardenhöhe, die die Netzbetreiber der Thüga-Gruppe in den kommenden Jahren in ihre Stromnetze tätigen wollen, zielgerichteter einzusetzen. Nach Angaben der Thüga kann dies dazu beitragen, die Kosten des Netzausbaus und damit auch den Anstieg der Netzentgelte zu begrenzen.
Baustein im Zusammenspiel mehrerer Netzlösungen
Für Thüga ist der MSLR ein Ergänzungsinstrument neben anderen Lösungen wie regelbaren Ortsnetztrafos, Speichern oder Redispatch – vor allem für Anwendungen, bei denen kurzfristig zusätzliche Netzkapazität benötigt wird. Nach dem Start des Pilotprojekts steht die Technologie ab sofort auch weiteren Verteilnetzbetreibern in Deutschland und Europa zur Verfügung – interessierte Netzbetreiber können den Regler bereits bestellen.
Quelle: IWR Online
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