RWE hebt Prognosen für 2026 und 2027 an – Beteiligung am Stromnetzbetreiber Amprion stärkt Ergebnis

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Essen – Der Energiekonzern RWE hebt nach einem stärker als erwarteten ersten Halbjahr seine Ergebnisprognosen für die Geschäftsjahre 2026 und 2027 an. Ausschlaggebend sind neben einer verbesserten operativen Entwicklung vor allem zusätzliche Ergebnisbeiträge aus der Aufstockung der Beteiligung am Übertragungsnetzbetreiber Amprion, eine Entschädigungszahlung des niederländischen Staates sowie höhere Erträge aus der internationalen Stromerzeugung.
Die Prognoseanhebung verdeutlicht zugleich eine strukturelle Entwicklung im Geschäftsmodell des Konzerns. Mit der Mehrheitsbeteiligung am Netzbetreiber Amprion baut RWE den Anteil eines Geschäftsbereichs mit stabilen und planbaren Erträgen aus. Anders als im wettbewerbsintensiven Stromerzeugungsgeschäft werden die Erlöse im Netzbetrieb staatlich reguliert und sind dadurch deutlich weniger anfällig für Marktschwankungen.
Stromnetz-Geschäft: Amprion wird wichtiger Ergebnistreiber
Für das laufende Geschäftsjahr erwartet RWE nun ein bereinigtes EBITDA zwischen 5,75 und 6,35 Mrd. Euro. Das bereinigte Nettoergebnis soll auf 1,95 bis 2,45 Mrd. Euro steigen, das bereinigte Nettoergebnis je Aktie auf 2,60 bis 3,30 Euro.
Auch für 2027 hebt RWE den Ausblick an. Das bereinigte EBITDA soll dann 6,7 bis 7,3 Mrd. Euro erreichen, das bereinigte Nettoergebnis 2,2 bis 2,7 Mrd. Euro. Das bereinigte Nettoergebnis je Aktie wird zwischen 2,80 und 3,50 Euro erwartet.
Ein wesentlicher Treiber der höheren Prognosen ist die Aufstockung der Beteiligung am Übertragungsnetzbetreiber Amprion auf wirtschaftlich 55 Prozent. Ab dem Geschäftsjahr 2027 werden die Ergebnisbeiträge erstmals im neuen Segment „Regulierte Netzinfrastruktur“ ausgewiesen. Bereits bei der Ankündigung der Transaktion im Juni hatte RWE deshalb sein langfristiges Ergebnisziel für das bereinigte Nettoergebnis je Aktie im Jahr 2031 von 4,40 auf 4,55 Euro angehoben. Zugleich bestätigte der Konzern sein Dividendenziel von 1,32 Euro je Aktie für das Geschäftsjahr 2026 und hält an dem Ziel fest, die Dividende bis 2031 jährlich um zehn Prozent zu steigern.
Starkes erstes Halbjahr 2026 durch Windgeschäft und Sondereffekte
Nach vorläufigen Zahlen erzielte RWE im ersten Halbjahr 2026 ein bereinigtes EBITDA von 3,0 Mrd. Euro (1. Hj. 2025: 2,1 Mrd. Euro). Das bereinigte Nettoergebnis belief sich auf 1,3 Mrd. Euro (1. Hj. 2025: 0,8 Mrd. Euro) beziehungsweise 1,77 Euro je Aktie (1. Hj. 2025: 1,08 Euro) und übertraf damit die Erwartungen des Kapitalmarktes.
Im Segment Offshore Wind profitierte RWE von deutlich besseren Windverhältnissen als im windschwachen Vorjahreszeitraum. Das bereinigte EBITDA stieg auf 810 Mio. Euro (1. Hj. 2025: 643 Mio. Euro). Entsprechend hob RWE die Jahresprognose für das Segment um 100 Mio. Euro auf 1.650 bis 2.150 Mio. Euro an.
Auch das Segment Onshore Wind/Solar legte dank des weiteren Ausbaus der Erzeugungskapazitäten und günstigerer Windbedingungen in Europa auf 1.016 Mio. Euro (1. Hj. 2025: 830 Mio. Euro) zu. Die Prognose für das Gesamtjahr bestätigte der Konzern.
Das Segment Flexible Erzeugung steigerte sein bereinigtes EBITDA auf 1.025 Mio. Euro (1. Hj. 2025: 606 Mio. Euro). Darin enthalten ist eine Entschädigungszahlung des niederländischen Staates in Höhe von 332 Mio. Euro. Hintergrund sind gesetzlich angeordnete Produktionsbeschränkungen des Kohlekraftwerks Eemshaven im ersten Halbjahr 2022, für die RWE nach der beihilferechtlichen Freigabe durch die EU-Kommission nun entschädigt wird. RWE hob den Prognosekorridor für das Segment entsprechend auf 1.500 bis 1.900 Mio. Euro an.
Im Energiehandel verbesserte sich das bereinigte EBITDA nach einer stärkeren Handelsperformance im zweiten Quartal auf 134 Mio. Euro (1. Hj. 2025: 16 Mio. Euro). Die Prognose für das Gesamtjahr von 100 bis 500 Mio. Euro blieb unverändert.
Staatlich regulierte Netzinfrastruktur gewinnt an Bedeutung
Mit der Mehrheitsbeteiligung an Amprion stärkt RWE einen Geschäftsbereich mit besonders planbaren Erträgen. Übertragungsnetze gelten als sogenannte natürliche Monopole. Weil der parallele Bau mehrerer Höchstspannungsnetze volkswirtschaftlich keinen Sinn ergibt, gibt es in jedem Netzgebiet nur einen Betreiber. Anders als Stromerzeuger stehen Übertragungsnetzbetreiber daher nicht im Wettbewerb um Kunden oder Marktanteile. Ihre Erlöse werden im Rahmen der staatlichen Regulierung festgelegt und sind dadurch deutlich planbarer als die Erträge aus der Stromerzeugung, die von Strompreisen, Wetterbedingungen und Brennstoffkosten abhängen.
Vor dem Hintergrund des milliardenschweren Netzausbaus für die Energiewende gewinnen Beteiligungen an Übertragungsnetzbetreibern für Energieunternehmen zunehmend an strategischer Bedeutung. Sie ergänzen das wetter- und marktabhängige Erzeugungsgeschäft um langfristig stabile Infrastrukturerträge und erhöhen damit die Planbarkeit der Unternehmensentwicklung.
Quelle: IWR Online
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