21.09.2026, 15:55 Uhr

Oktoberfest: Tesvolt-Großspeicher sollen Lastspitzen in Festzelten abfangen


© Tesvolt

Lutherstadt Wittenberg - Die Elektrifizierung von Festzelten geht beim Münchner Oktoberfest nach Angaben der Projektpartner mit Engpässen bei der Netzanschlussleistung einher. Der Batteriespeicheranbieter Tesvolt und der Elektrobetrieb MP Elektrotechnik München setzen dort Großspeicher ein, die Lastspitzen abfangen sollen.

Die Stadtwerke München (SWM) versorgen die Wiesn und die Oidn Wiesn mit Strom: Rund 750 Abnehmer erhalten ihn über 16 oberirdische und drei unterirdische Trafostationen und 160 Verteilerschränke. Die benötigte Spitzenleistung entspricht laut SWM einer Kleinstadt mit rund 21.000 Einwohnern. Kurzzeitige Lastspitzen lassen sich mit Batteriespeichern abfangen, ohne den Netzanschluss zu verstärken.

Festzelt-Anschluss mit rund 420 Kilowatt: Ausfälle in Löwenbräu und Pschorr-Bräurosl

Elektromeister Matthias Poeting, Inhaber der MP Elektrotechnik München GmbH, verantwortet seit Jahren die Elektrik mehrerer großer Wiesnzelte. Der Münchner Betrieb ist auf Festzelt- und Veranstaltungstechnik sowie Niederspannungshauptverteilungen spezialisiert. In diesem Jahr setzt das Unternehmen in den Zelten Pschorr-Bräurosl und Löwenbräu drei Batteriegroßspeicher von Tesvolt ein.

Laut MP Elektrotechnik stellen die SWM einem großen Festzelt rund 420 Kilowatt (kW) Anschlussleistung zur Verfügung, der Bedarf steigt in Spitzenzeiten jedoch auf weit über 500 kW. Im vergangenen Jahr fiel demnach im Löwenbräu-Zelt zweimal der Strom komplett aus, in der Pschorr-Bräurosl einmal im laufenden Betrieb. Als Gründe für den steigenden Strombedarf nennt das Unternehmen den Umstieg vieler Wirte von Gas auf Strom seit dem Ukrainekrieg, strengere städtische Abgasvorgaben und Heizstrahler im Außenbereich, die teils rund 150 kW pro Zelt benötigen. „Bisher konnten wir bei einer Überlastung des Netzanschlusses innerhalb von fünf Minuten kaum so reagieren, dass das Zelt nicht ausfällt", so Poeting.

Tesvolt Forton mit 92 kWh: Speicher kappen Lastspitzen am Netzanschluss

Die drei Speicher vom Typ Forton haben laut Tesvolt-Datenblatt jeweils 92 Kilowattstunden (kWh) Energieinhalt und 92 kW maximale Lade- und Entladeleistung. Im Festzelt Pschorr-Bräurosl sind zwei Speicher installiert, im Löwenbräu-Zelt einer. Bei Lastspitzen kommt der zusätzliche Strom dezentral aus den Speichern und entlastet den Netzanschluss der Zelte. Laut Datenblatt arbeitet der Forton netzgekoppelt, einen eigenständigen Netzbetrieb sieht er nicht vor.

Poeting spricht von einem Puffer von zwei Stunden. Diese Zeit kann er nutzen, um mit dem Küchenpersonal zu sprechen und Geräte gezielt herunterzufahren.

Tesvolt setzt beim Speicher vom Typ Forton nach Unternehmensangaben auf LFP-Hochtemperaturzellen ohne Flüssigkeitskühlung. Das spart auf dem engen Festgelände Platz und kommt ohne flüssige Kühlmittel aus. „Das Oktoberfest ist für jede Technologie ein absoluter Stresstest unter Extrembedingungen", sagt Daniel Hannemann, Mitgründer und Aufsichtsratsmitglied von Tesvolt.

Speicher statt Trafo-Umbau: Poeting rechnet mit Amortisation nach zwei bis drei Jahren

Laut Tesvolt wäre ein klassischer Netzausbau auf dem Festgelände kaum realisierbar: Die umliegenden Trafostationen arbeiteten während der Wiesn am Limit, eine Erweiterung der Mittelspannung und der Niederspannungshauptverteiler stehe wirtschaftlich und logistisch in keinem Verhältnis. Außerdem könnten die SWM die Leistung auf Mittelspannungsebene nur mit unverhältnismäßig hohen Kosten erhöhen.

Die Investition in die Speicher fällt nach Poetings Angaben deutlich geringer aus als ein tiefgreifender Umbau der Trafostationen und Netze. Er geht davon aus, dass sich ein solches Speichersystem voraussichtlich nach zwei bis drei Jahren amortisiert. Investitionssummen werden in der Mitteilung nicht genannt. Zudem benötigen die Systeme wenig Platz und lassen sich bei steigender Last erweitern. Für die künftige Energieversorgung der Wiesn nennt Poeting außerdem die Nutzung der Abwärme der Zelte, Windenergie und Solarmodulfolien auf den Zeltdächern als denkbare Ergänzungen.

Quelle: IWR Online

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