Erste E-Lkw-Weltumrundung geplant: Mercedes-Benz Trucks schickt eActros 600 auf 45.000-Kilometer-Tour

© Mercedes Benz
Leinfelden-Echterdingen – Um die Leistungsfähigkeit und Praxistauglichkeit batterieelektrischer Lkw auch jenseits etablierter europäischer Märkte zu demonstrieren, plant Mercedes-Benz Trucks die weltweit erste Erdumrundung mit einem batterieelektrischen Fernverkehrs-Lkw. Für die internationalen Fahrzeugtransporte auf dem Seeweg unterstützt DHL die Tour.
Bei der Dekarbonisierung des Schwerlastverkehrs setzt die Nutzfahrzeugindustrie neben Wasserstoff auf die batterieelektrische Antriebstechnik. Der Bund treibt den Infrastrukturaufbau für emissionsfreie Lkw derzeit in beiden Technologiepfaden voran: mit rund 1 Mrd. Euro für das batterieelektrische Lkw-Schnellladenetz und 220 Mio. Euro für den Aufbau einer Wasserstoff-Infrastruktur. Mercedes-Benz Trucks startet mit einem Elektro-Lkw nun einen praxisnahen Feldtest, der die technische Reife, Effizienz und Zuverlässigkeit batterieelektrischer Fernverkehrslösungen unter anspruchsvollen Bedingungen dokumentieren soll.
Mercedes-Benz eActros 600 tritt Weltreise durch rund 30 Länder an
Am Sonntag (20. September) startet das Unternehmen auf der IAA Transportation in Hannover vom eigenen Messestand aus mit einem eigens umgebauten eActros 600 zu der nach Unternehmensangaben ersten Weltumrundung mit einem rein batterieelektrisch angetriebenen Fernverkehrs-Lkw. Am Steuer sitzt der Fernverkehrsfahrer und Content Creator Tobias Wagner, bekannt als „Elektrotrucker". Die geplante Route führt über rund 45.000 Kilometer durch rund 30 Länder auf fünf Kontinenten – von Europa über Zentral- und Ostasien bis nach Australien, in die USA und nach Lateinamerika – und soll mit weniger als 80 Ladungen bewältigt werden.
Das Expeditionsfahrzeug basiert auf einem Serien-eActros 600 aus dem Werk Wörth am Rhein und wurde für die Reise umgebaut, unter anderem mit einem Wohnmobil-Aufbau des Herstellers Bliss Mobil. Zusätzlich zur vorhandenen CCS-Ladetechnik mit 400 kW wurde der Lkw mit einer eigenen DC-Ladestation von Alpitronic ausgerüstet, die in speziellen Fällen auch das Laden an Wechselstrom-Steckdosen mit bis zu 43 kW ermöglicht.
Christian Wilz, Vorsitzender der Geschäftsleitung Mercedes-Benz Trucks Deutschland, ordnet das Projekt als Signal für den Entwicklungsstand der Technologie ein: „Wenn ein Fahrer mit einem batterieelektrischen Serien-Lkw auf Weltreise geht, ist das mehr als ein individuelles Abenteuer. Es ist ein starkes Signal dafür, wie weit die Technologie bereits ist."
DHL sichert Schiffstransporte: Logistikpartner für Übersee-Etappen
Für die Fahrzeugtransporte auf den Seewegen zwischen den Kontinenten unterstützt DHL die Tour. Nikola Hagleitner, Vorständin Post & Paket Deutschland der DHL Group: „Bei DHL gestalten wir den nachhaltigen Wandel des Straßengüterverkehrs aktiv mit und setzen alternative Antriebe bereits heute erfolgreich im täglichen Betrieb ein." DHL übernimmt neben der interkontinentalen Verschiffung des Fahrzeugs auch den Versand von Ersatzteilen entlang der Route.
Wagner ist seit 2024 hauptberuflich im batterieelektrischen Fernverkehr unterwegs. Der 33-jährige Startup-Unternehmer aus Mühldorf am Inn, der zuvor mehrere Jahre im Bereich Pkw-Ladeinfrastruktur tätig war, fährt für die niedersächsische Spedition Nanno Janssen und dokumentiert seine Erfahrungen auf Youtube. Wagner: „Ich bin seit einigen Jahren batterieelektrisch im internationalen Fernverkehr unterwegs und weiß, was heute schon möglich ist. Mit dieser Weltreise möchte ich herausfinden, wie weit wir wirklich sind."
Parallel dazu: Bund startet bundesweites Lkw-Schnellladenetz mit rund 4.200 Ladepunkten
Während Trucker Tobias Wagner die internationale Praxistauglichkeit testet, hat der Bund den Startschuss für die Umsetzung eines bundesweiten Schnellladenetzes für batterieelektrische Lkw gegeben. An zunächst 124 unbewirtschafteten Autobahn-Rastanlagen beginnen die beauftragten Unternehmen mit den standortspezifischen Planungen, nachdem die Autobahn GmbH die Aufträge vergeben hat. Dort sollen 836 neue Ladepunkte entstehen, davon 447 nach dem Megawatt Charging System (MCS). Im Endausbau soll das Netz rund 4.200 Ladepunkte an rund 350 Standorten umfassen. Aktuell spricht das Bundesverkehrsministerium von rund 1 Mrd. Euro, die für den Aufbau des Lkw-Schnellladenetzes zur Verfügung gestellt werden.
Quelle: IWR Online
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