12.10.2026, 17:06 Uhr

Vom Labor in die Industrie: Fraunhofer eröffnet ZESS für Festkörperbatterien und Wasserstoff


© Fraunhofer IST

Braunschweig – Die Fraunhofer-Gesellschaft hat den Neubau des Fraunhofer-Zentrums für Energiespeicher und Systeme ZESS in Braunschweig eröffnet. Drei Fraunhofer-Institute entwickeln dort gemeinsam mit der TU Braunschweig Festkörperbatterien und Wasserstofftechnologien mit dem Ziel, den Transfer in industrielle Anwendungen voranzutreiben.

Die Bundesregierung will bis 2035 eine wettbewerbsfähige Batterieproduktion und -kreislaufführung in Deutschland aufbauen, eingebettet in ein europäisches Produktionsnetzwerk. Die im Mai 2026 vorgestellte Batterie-Roadmap der Hightech Agenda Deutschland soll laut Forschungsministerin Dorothee Bär eine Wertschöpfungskette schaffen, die Deutschland „weniger erpressbar durch Rohstoffabhängigkeiten“ macht.

Neubau: 1.750 Quadratmeter Labor und 450 Quadratmeter Trockenraum

Aus dem Fraunhofer-Projektzentrum ZESS, das im Februar 2019 im Niedersächsischen Forschungszentrum Fahrzeugtechnik gestartet war, ist mit dem Neubau des Zentrums ein eigenes Forschungsgebäude geworden. Es umfasst etwa 3.300 Quadratmeter, davon rund 1.750 Quadratmeter Laborfläche und einen 450 Quadratmeter großen Trockenraum. Das Gebäude wurde in Holz-Hybrid-Bauweise mit reduziertem Betoneinsatz, Photovoltaikanlagen auf Dach und Fassade sowie begrünten Dachflächen errichtet. Durch die offene Hallenstruktur soll sich das Gebäude langfristig an neue Forschungsanforderungen anpassen lassen.

Forschungsprogramm: Festkörperbatterien und Wasserstofftechnologien

Am ZESS bündeln das Fraunhofer IST (Schicht- und Oberflächentechnik), das IFAM (Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung) und das IKTS (Keramische Technologien und Systeme) ihre Kompetenzen. Die Kooperation mit der TU Braunschweig umfasst unter anderem die Battery LabFactory und das Center for Circular Production of Next Batteries and Fuel Cells. Zentrumssprecher Christoph Herrmann betont, dass am ZESS die gesamte Prozesskette von neuen Materialien über Produktionstechnologien bis zur Kreislaufwirtschaft betrachtet wird.

Die Fraunhofer-Einrichtung Forschungsfertigung Batteriezelle (FFB) in Münster gehört wie die drei am ZESS beteiligten Fraunhofer-Institute IST, IFAM und IKTS zur Fraunhofer-Allianz Batterien. Die FFB konzentriert sich insbesondere auf die Skalierung von Batteriezellfertigungsverfahren bis hin zu industrienahen Produktionsprozessen.

Beim Thema Wasserstoff arbeitet das ZESS unter anderem an POWERPASTE, einem am IFAM entwickelten chemischen Speichermedium für PEM-Brennstoffzellen, das bei Kontakt mit Wasser Wasserstoff freisetzt. Nach Angaben des ZESS wird die Synthese dort im Technikumsmaßstab erprobt, um die Skalierung der Materialherstellung in Richtung industrieller Produktion nachzuweisen. Das IFAM beschreibt als Ziel des Zentrums die Reifegrade TRL 4 bis 6, also vom Labormaßstab bis zum Prototyp im relevanten Umfeld.

Bund und Land: 49,85 Millionen Euro für den Forschungsbau

Bund und Land Niedersachsen haben rund 49,85 Millionen Euro in den Bau investiert. Bundesforschungsministerin Bär verortet das ZESS ausdrücklich im Sinne der Hightech Agenda Deutschland: „Mit dem Fraunhofer ZESS investieren wir gezielt in eine Forschungsinfrastruktur, die Spitzenforschung mit industrieller Umsetzung verbindet.“

Niedersachsens Wissenschaftsminister Falko Mohrs sieht den Standort als Ergänzung des niedersächsischen Batterie- und Wasserstoffökosystems, der „beste Voraussetzungen dafür“ schaffe, „Forschungsergebnisse schneller in industrielle Anwendungen zu überführen“.

Für die Fraunhofer-Gesellschaft entscheiden Batterie- und Wasserstofftechnologien laut Vorstand Constantin Häfner über Energie- und Mobilitätswende und über die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie. Das ZESS soll Erfindungen in industrielle Innovationen überführen und damit Wertschöpfung und technologische Souveränität in Deutschland und Europa stärken.

Quelle: IWR Online

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