09.10.2026, 14:57 Uhr

Italien setzt auf Biomethan: Copenhagen Infrastructure Partners investiert in 20 Projekte mit geplanter Jahresproduktion von 1 TWh


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Kopenhagen - Der dänische Infrastrukturinvestor Copenhagen Infrastructure Partners (CIP) hat die endgültige Investitionsentscheidung für die italienische Biomethan-Plattform Via Verde getroffen. Das Projektportfolio umfasst 20 geplante Biomethananlagen, die nach vollständiger Inbetriebnahme jährlich rund 1 Milliarde kWh (1 TWh) erneuerbares Gas produzieren sollen.

Die Investition ist Teil des Ausbaus der italienischen Biomethanproduktion, mit der das Land seine Abhängigkeit von fossilen Erdgasimporten verringern will. Die geplante Jahresproduktion von Via Verde entspricht rechnerisch rund 22 Prozent der italienischen Biomethanerzeugung des Jahres 2025. Italien setzt beim Ausbau auf landwirtschaftliche Reststoffe, private Investitionen und staatliche Förderprogramme.

Via Verde: 20 Biomethanprojekte in mehreren italienischen Regionen

CIP beteiligt sich über seinen Advanced Bioenergy Fund II (ABF II) an der Entwicklung der Biomethan-Plattform Via Verde. Es handelt sich um die erste Investition des Fonds und zugleich um den Einstieg von CIP in den italienischen Biomethanmarkt.

Die Projektpipeline umfasst 20 Anlagen in mehreren Regionen Italiens, darunter die Lombardei, die Abruzzen und Kampanien. Jede Anlage soll jährlich zwischen 60.000 und 100.000 Tonnen landwirtschaftliche Reststoffe verarbeiten. Über alle 20 Projekte ergibt sich damit rechnerisch eine jährliche Verarbeitungsmenge von 1,2 bis 2 Millionen Tonnen.

Bei vollständiger Umsetzung soll die Plattform jährlich rund 1 TWh Biomethan erzeugen. Das entspricht näherungsweise 95 Millionen Kubikmetern Erdgas beziehungsweise Biomethan. Nach Angaben von CIP reicht diese Energiemenge rechnerisch für den jährlichen Gasverbrauch von etwa 60.000 italienischen Haushalten.

Biomethan entsteht durch die Aufbereitung von Biogas, das bei der Vergärung organischer Stoffe gewonnen wird. Dabei werden insbesondere Kohlendioxid und weitere Begleitstoffe entfernt, sodass das Gas einen hohen Methangehalt erreicht und fossiles Erdgas in geeigneten Anwendungen ersetzen kann.

Angaben zum Investitionsvolumen, zu konkreten Baustarts oder zum geplanten Zeitpunkt der vollständigen Inbetriebnahme der 20 Anlagen machte CIP nicht.

Italienischer Biomethanmarkt: Produktion steigt, Ausbauziel für 2030 bleibt anspruchsvoll

Italien verfolgt im Rahmen seines nationalen Energie- und Klimaplans das Ziel, die heimische Biomethanproduktion bis 2030 auf rund 5,7 Milliarden Kubikmeter jährlich auszubauen. Nach Angaben des italienischen Umwelt- und Energiesicherheitsministeriums (MASE) wurden 2025 rund 427 Millionen Kubikmeter Biomethan erzeugt, nach 388 Millionen Kubikmetern im Jahr 2024.

Die geplante Jahresproduktion von Via Verde entspricht damit rechnerisch rund 22 Prozent der italienischen Erzeugung von 2025. Bezogen auf das Ausbauziel für 2030 beträgt der Anteil dagegen nur knapp 1,7 Prozent. Der Vergleich verdeutlicht den Umfang des geplanten Marktausbaus. Die 20 Via-Verde-Projekte sind dabei noch nicht vollständig realisiert.

Zur Förderung des Biomethanausbaus stellt Italien im Rahmen seines nationalen Aufbau- und Resilienzplans (PNRR) rund 2,24 Milliarden Euro an Investitionszuschüssen über die Facility Biometano bereit. Förderfähig sind Projekte aus den Ausschreibungen nach dem italienischen Biomethan-Erlass von 2022. Die Fördervereinbarungen mussten bis zum 30. Juni 2026 abgeschlossen werden. Für die Inbetriebnahme gilt eine Frist von 24 Monaten ab Veröffentlichung des jeweiligen Förderbescheids, rechnerisch also spätestens bis Mitte 2028. Ob die Via-Verde-Projekte zu den geförderten Anlagen gehören, ist nicht bekannt.

Der Ausbau ist zugleich Teil der europäischen Energiepolitik. Die EU-Kommission strebt im Rahmen von REPowerEU an, die jährliche Produktion von nachhaltigem Biomethan in der Europäischen Union bis 2030 auf 35 Milliarden Kubikmeter zu steigern. Die stärkere Nutzung heimischer erneuerbarer Gase soll die Abhängigkeit von fossilen Energieimporten reduzieren.

CIP erweitert Biomethanstrategie: Europäischer Investitionsfonds beteiligt sich mit 200 Millionen Euro

Für Copenhagen Infrastructure Partners ist Via Verde die erste Investition des Advanced Bioenergy Fund II. Der Fonds hat ein Zielvolumen von 1,5 Milliarden Euro und konzentriert sich auf die Entwicklung, den Bau und den Betrieb industrieller Biogasanlagen in Europa.

Der Europäische Investitionsfonds (EIF), eine Einrichtung der Europäischen Investitionsbank-Gruppe, hat dem Fonds im Mai 2026 eine Beteiligung von 200 Millionen Euro zugesagt. Die Finanzierung wird durch die europäischen Programme InvestEU und REPowerEU unterstützt.

Bei der Fondsankündigung standen zunächst Projekte in Dänemark, Irland, Spanien, Belgien und Finnland im Mittelpunkt. Mit Via Verde erweitert CIP seine Aktivitäten nun auf Italien und positioniert sich in einem Markt, dessen Ausbau durch nationale und europäische Energieziele unterstützt wird.

Die geplante Jahresproduktion von Via Verde ist bislang eine Zielgröße für das vollständig realisierte Projektportfolio. Wie schnell die zusätzlichen Biomethanmengen verfügbar werden, hängt von der Umsetzung der einzelnen Anlagen ab. Für den weiteren Markthochlauf in Italien sind neben Investitionen und Genehmigungen auch die langfristige Verfügbarkeit geeigneter Reststoffe und die Wirtschaftlichkeit der Produktion entscheidend.

Quelle: IWR Online

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