Nel ASA: Auftragsschub bei PEM-Elektrolyseuren - Alkaline-Umsatz bricht ein, Verluste steigen

© Nel ASA
Oslo - Der norwegische Wasserstoffkonzern Nel ASA hat im dritten Quartal 2026 einen kräftigen Anstieg der Aufträge für PEM-Elektrolyseure verzeichnet. Gleichzeitig brach der Umsatz mit alkalischen Elektrolyseuren ein, während die Konzernverluste deutlich stiegen.
Bei der Produktion von grünem Wasserstoff konkurrieren unterschiedliche Elektrolyseur-Technologien. Alkalische Elektrolyseure werden vor allem bei industriellen Großanlagen eingesetzt, während PEM-Systeme Vorteile beim Betrieb mit schwankender Stromzufuhr bieten. Der internationale Elektrolyseurmarkt ist zugleich von Überkapazitäten und verzögerten Investitionsentscheidungen geprägt. Das spiegelt sich auch in den Quartalszahlen von Nel ASA wider.
Nel: Konzernumsatz sinkt um 63 Prozent - PEM wächst, Alkaline bricht ein
Der Konzernumsatz aus Kundenverträgen sank im dritten Quartal um 63 Prozent auf 112 Mio. NOK (10,6 Mio. Euro), nach 303 Mio. NOK (28,7 Mio. Euro) im Vorjahresquartal. Einschließlich sonstiger Erträge erzielte Nel Gesamterträge von 138 Mio. NOK (13,1 Mio. Euro).
Die Technologiesparten entwickelten sich gegenläufig. Im PEM-Segment stieg der Umsatz um 65 Prozent auf 89 Mio. NOK (8,4 Mio. Euro). Wachstumstreiber waren containerisierte Elektrolyseursysteme. Das operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) verbesserte sich von minus 34 Mio. NOK auf minus 24 Mio. NOK (minus 2,3 Mio. Euro).
Im Alkaline-Segment brach der Umsatz dagegen um 91 Prozent auf 23 Mio. NOK (2,2 Mio. Euro) ein. Das EBITDA verschlechterte sich von plus 26 Mio. NOK auf minus 41 Mio. NOK (minus 3,9 Mio. Euro). Der hohe Vorjahreswert war nach Nel-Angaben wesentlich durch die Umsatzrealisierung bei erreichten Projektmeilensteinen geprägt.
Auftragseingang mehr als vervierfacht - U-Boot-Aufträge treiben PEM-Geschäft
Der konzernweite Auftragseingang stieg um 339 Prozent auf 253 Mio. NOK (24,0 Mio. Euro), nach 57 Mio. NOK im Vorjahresquartal.
Davon entfielen 245 Mio. NOK (23,2 Mio. Euro) auf PEM, ein Anstieg um 473 Prozent. Einen wesentlichen Beitrag leisteten Aufträge von Collins Aerospace über rund 20 Mio. USD für PEM-Elektrolyseur-Stacks zur Sauerstoffversorgung von U-Booten. Die Lieferungen sind für 2027 und 2028 vorgesehen. Der Auftragsschub ist damit nicht allein auf Wasserstoffprojekte zurückzuführen.
Der Auftragsbestand erhöhte sich um 34 Prozent auf 1,314 Mrd. NOK (124,5 Mio. Euro). Gleichzeitig verschlechterte sich das EBITDA von minus 37 Mio. NOK auf minus 93 Mio. NOK (minus 8,8 Mio. Euro). Der Nettoverlust stieg auf 141 Mio. NOK (13,4 Mio. Euro). Die liquiden Mittel sanken gegenüber dem Vorjahr um 39 Prozent auf 1,078 Mrd. NOK (102,1 Mio. Euro).
Nel entwickelt neue Alkaline-Technologie und erweitert PEM-Partnerschaften
Trotz des schwachen Alkaline-Geschäfts hält Nel an beiden Technologien fest. Im Mai 2026 stellte das Unternehmen eine neue Generation druckbetriebener alkalischer Elektrolyseure vor, die laut Nel die Kosten großtechnischer Wasserstoffprojekte senken soll.
Am Standort Herøya arbeitet Nel an einer Produktionslinie für die neue Alkaline-Generation mit einer geplanten Jahreskapazität von 1 GW. Im PEM-Geschäft soll Hydrasun zusätzliche Integrationskapazitäten für modulare Systeme in Europa aufbauen.
Nel unter Druck: Überkapazitäten und schwache Nachfrage belasten Elektrolyseurmarkt
Die Geschäftsentwicklung bei Nel fällt in eine Phase, in der die weltweite Nachfrage nach Elektrolyseuren deutlich hinter den aufgebauten Fertigungskapazitäten zurückbleibt. Nach Angaben der Internationalen Energieagentur (IEA) hat sich die weltweit installierte Elektrolyseleistung 2025 auf mehr als 4 GW verdoppelt. Gleichzeitig standen globalen Fertigungskapazitäten von rund 58 GW pro Jahr weniger als 5 GW tatsächlicher Jahresproduktion gegenüber. Die rechnerische Auslastung der Fertigungskapazitäten lag damit unter 10 Prozent.
Die schwierige Marktlage zeigt sich auch an eingestellten Wasserstoffprojekten und strategischen Rückzügen großer Energieunternehmen. Im August 2026 wurde das Wasserstoff-Großprojekt HySCALE100 an der Raffinerie Heide in Schleswig-Holstein eingestellt. Im September schloss Statkraft den Verkauf seines britischen Wasserstoff-Projektportfolios ab und setzte damit seinen Rückzug aus der eigenen Projektentwicklung fort. Die IEA sieht die Elektrolyseurindustrie in einer Konsolidierungsphase.
Quelle: IWR Online
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