30.10.2026, 15:25 Uhr

First Solar steigert Gewinne trotz Absatzschwäche - US-Industriepolitik begünstigt heimische Solarproduktion


© First Solar

Münster - Der US-Solarkonzern First Solar hat im dritten Quartal 2026 trotz eines Umsatzrückgangs um 23 Prozent seinen Nettogewinn um 25 Prozent auf 571 Millionen US-Dollar gesteigert. Gleichzeitig senkt der Dünnschicht-Solarmodulhersteller seine Absatzprognose für das Gesamtjahr und setzt mit der Eröffnung eines neuen Werks in South Carolina den Ausbau seiner amerikanischen Produktionskapazitäten fort.

Während die Modulverkäufe hinter den bisherigen Erwartungen zurückbleiben, investiert First Solar weiter in den Ausbau seiner US-Produktion. Eine zentrale wirtschaftliche Rolle spielen dabei die staatlichen Produktionssteuergutschriften im Rahmen der amerikanischen Industriepolitik. Allein für 2026 kalkuliert der Konzern mit Steuergutschriften von 2,07 bis 2,19 Milliarden US-Dollar - bei einem erwarteten bereinigten EBITDA von 2,55 bis 2,75 Milliarden US-Dollar.

First Solar: Q3-Umsatz sinkt um 23 Prozent - Nettogewinn steigt um 25 Prozent

First Solar erzielte im dritten Quartal 2026 einen Umsatz von 1,23 Milliarden US-Dollar, 23 Prozent weniger als im Vorjahresquartal. Als wesentlichen Grund nennt das Unternehmen geringere Modulverkäufe an externe Kunden. Der Nettogewinn erhöhte sich dagegen von 456 auf 571 Millionen US-Dollar. Das Ergebnis je verwässerter Aktie stieg von 4,24 auf 5,30 US-Dollar, das bereinigte EBITDA um 11 Prozent auf 744 Millionen US-Dollar.

Trotz der höheren Gewinne hat First Solar seine Jahresprognose gesenkt. Für 2026 erwartet das Unternehmen nun einen Modulabsatz von 16,0 bis 17,0 GW statt bisher 17,0 bis 18,2 GW. Die Umsatzprognose wurde von 4,9 bis 5,2 Milliarden auf 4,6 bis 4,9 Milliarden US-Dollar reduziert. Beim bereinigten EBITDA rechnet der Konzern mit 2,55 bis 2,75 Milliarden US-Dollar nach zuvor 2,6 bis 2,8 Milliarden US-Dollar.

Der vertraglich gesicherte Auftragsbestand belief sich zum 30. September 2026 auf 44,0 GW.

First Solar eröffnet neues Werk in South Carolina - US-Kapazität soll auf 17 GW steigen

Ungeachtet der gesenkten Absatzprognose treibt First Solar den Ausbau seiner amerikanischen Produktionskapazitäten voran. Am 28. Oktober 2026 eröffnete der Konzern die erste Produktionsphase seines neuen Standorts in Gaffney im Bundesstaat South Carolina.

In das Werk investiert First Solar rund 330 Millionen US-Dollar. Die erste Ausbaustufe verfügt über eine jährliche Nennkapazität von rund 1,7 GW. Bis Mitte 2027 soll die zweite Phase abgeschlossen sein und die Kapazität auf 3,4 GW verdoppeln. Insgesamt sollen knapp 700 Arbeitsplätze entstehen, von denen nach Unternehmensangaben bereits rund 500 besetzt sind.

Der Standort übernimmt abschließende Fertigungsschritte für Solarmodule der Baureihe Series 6 Plus, deren Herstellung in internationalen Werken des Unternehmens beginnt. Nach Abschluss der Erweiterung soll in Gaffney auch die CuRe-Technologie eingesetzt werden.

Bis Ende 2026 will First Solar seit 2019 mehr als 5 Milliarden US-Dollar in amerikanische Produktions- und Forschungsinfrastruktur investiert haben. Für 2027 erwartet der Konzern eine jährliche US-Modulfertigungskapazität von rund 17 GW.

Ausblick: Hohe Gewinne, sinkende Liquidität und steigende Produktionskapazitäten

Der Ausbau der amerikanischen Fertigung bindet erhebliche finanzielle Mittel. Die Nettoliquidität von First Solar sank von 2,4 Milliarden US-Dollar Ende 2025 auf 1,5 Milliarden US-Dollar zum 30. September 2026. Gleichzeitig genehmigte der Verwaltungsrat ein Aktienrückkaufprogramm von bis zu 500 Millionen US-Dollar.

First Solar setzt mit seiner Cadmiumtellurid-Dünnschichttechnologie auf ein Produktionsverfahren, das unabhängig von chinesischen Lieferketten für kristallines Silizium ist. Diese technologische Positionierung gewinnt angesichts der amerikanischen Handels- und Förderpolitik an Bedeutung. Neben den Produktionssteuergutschriften beeinflussen Zölle und weitere handelspolitische Maßnahmen die Wettbewerbsbedingungen.

Die Quartalszahlen zeigen ein Unternehmen, das trotz rückläufiger Umsätze hohe Gewinne erzielt und seine US-Fertigung weiter ausbaut. Für die weitere Entwicklung wird entscheidend sein, ob die zusätzlichen Produktionskapazitäten ausgelastet werden können und wie sich die Absatzentwicklung unter den geltenden industriepolitischen Rahmenbedingungen gestaltet.

Quelle: IWR Online

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