Alpiq baut europäisches Speicherportfolio systematisch aus - erster Großbatteriespeicher in Deutschland übernommen

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Lausanne - Der Schweizer Energiekonzern Alpiq treibt trotz eines deutlichen Ergebnisrückgangs den Ausbau seines europäischen Flexibilitätsgeschäfts voran. Das gesicherte Batteriespeicherportfolio ist auf mehr als 1.000 MW gewachsen und wird durch Pumpspeicherkraftwerke sowie Handels- und Kundenlösungen ergänzt.
Belastet wurde das Halbjahresergebnis vor allem durch niedrigere Strompreise, den langen Ausfall des Kernkraftwerks Gösgen und außergewöhnlich geringe Wasserzuflüsse. Für das zweite Halbjahr erwartet Alpiq mit der Rückkehr von Gösgen zum Normalbetrieb eine Ergebnisverbesserung.
Alpiq steigt mit Großspeicher Bollingstedt in deutschen Markt ein
Mit der Übernahme des Batteriespeichers Bollingstedt in Schleswig-Holstein steigt Alpiq erstmals mit einer eigenen operativen Großspeicheranlage in den deutschen Markt ein. Der von Eco Stor entwickelte und seit Juni 2025 betriebene Speicher verfügt über 103,5 MW Leistung und 238 MWh Kapazität. Mehr als 250 MW weitere Batteriespeicher befinden sich bei Alpiq im Bau oder stehen kurz vor der Inbetriebnahme.
Deutlich erweitert wurde die europäische Speicherpipeline Anfang Juli mit dem Erwerb einer 90-Prozent-Beteiligung an Harmony Energy. Damit kommen rund 400 MW an Anlagen im Bau sowie eine Multi-Gigawatt-Pipeline in Großbritannien, Deutschland, Frankreich und Polen hinzu. Ergänzend hat Alpiq das geplante 535-MW-Pumpspeicherprojekt Navaleo in Spanien übernommen, die erste bedeutende Wasserkraftinvestition des Konzerns außerhalb der Schweiz.
Auch in Deutschland will Alpiq weiter investieren. "Wir werden daher auch in Deutschland neben unserer bestehenden Projektpipeline weitere Möglichkeiten im Bereich bereits operativer Batteriespeicher evaluieren", kündigt Alpiq-Asset-Chef Amédée Murisier an.
Niedrigere Strompreise und langer AKW-Ausfall belasten Alpiq-Ergebnis
Das bereinigte EBITDA von Alpiq sank im ersten Halbjahr 2026 gegenüber dem Vorjahreszeitraum von 398 Mio. CHF auf 163 Mio. CHF. Der Nettoumsatz ging leicht von 3,157 Mrd. CHF auf 3,062 Mrd. CHF zurück. Neben niedrigeren Strompreisen und der Trockenheit in den Alpen belastete insbesondere der lange Produktionsausfall des Kernkraftwerks Gösgen das Ergebnis.
Das Kernkraftwerk, an dem Alpiq mit 40 Prozent beteiligt ist, wurde Ende Mai 2025 zunächst planmäßig zur Jahresrevision abgeschaltet. Nach Abschluss der Revision konnte die Anlage wegen eines sicherheitstechnischen Befunds am Speisewasser-Rohrleitungssystem nicht wieder in Betrieb genommen werden. Die Schweizer Atomaufsicht ENSI verlangte zusätzliche Sicherheitsnachweise, zudem wurden Komponenten des Speisewassersystems modernisiert. Erst am 23. März 2026 ging Gösgen wieder ans Netz. Von dem insgesamt rund zehnmonatigen Stillstand entfielen nach Angaben von Alpiq etwa neun Monate auf den ungeplanten Produktionsausfall. Alpiq beziffert seinen Anteil an den wirtschaftlichen Folgen des gesamten Stillstands auf rund 200 Mio. CHF.
Nach einer weiteren planmäßigen Jahresrevision ist Gösgen seit dem 27. Juni wieder am Netz. Für das zweite Halbjahr erwartet Alpiq auch deshalb eine Ergebnisverbesserung. Mit einem Netto-Finanzguthaben von 151 Mio. CHF und einer Anleihenemission über 400 Mio. CHF verfügt der Konzern zugleich über finanziellen Spielraum für weitere Investitionen.
Flexibilitätsstrategie verbindet eigene Anlagen mit Trading und Kundenlösungen
Alpiq hat seine Wachstumsstrategie Ende 2025 stärker auf Flexibilität ausgerichtet. Neben dem Ausbau eigener Batterie- und Pumpspeicher verbindet der Konzern flexible Anlagen mit Trading und Kundengeschäft. Mittelfristig strebt Alpiq mehrere Gigawatt zusätzliche operative Batteriespeicherleistung in wichtigen europäischen Märkten an.
"Wir investieren gezielt in eigene flexible Anlagen und innovative Kundenlösungen, unterstützt durch ein hervorragendes Risikomanagement und die umfassende Marktkompetenz unseres Tradings", erklärte Alpiq-CEO Antje Kanngiesser bei der Vorstellung der Strategie.
Quelle: IWR Online
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