13.01.2014, 16:44 Uhr

Atomkraftwerk Gundremmingen schaltet automatisch ab – wie zuverlässig ist Atomenergie?

Gundremmingen/ Münster - Zu Beginn der vorigen Woche wurde ein meldepflichtiges Ereignis im Block B des Reaktors Gundremmingen bestätigt. Der Block wurde daraufhin am Dienstag vorübergehend vom Netz genommen.

Während einer Routinekontrolle wurde eine Tropfleckage an einer Messlanze des Reaktordruckbehälters entdeckt. Der Reaktor schaltete sich nach Auftreten der Störung automatisch ab.

Kraftwerksbetreiber entwarnt: Keine Gefahr für Mensch und Umwelt

Die Leckage befindet sich nach offiziellen Angaben des Kraftwerksbetreibers im Sicherheitsbehälter, dem innersten Gebäudeabschnitt des Kraftwerks, der keine Verbindung zur Umwelt hat. Daher bestehe keine Gefährdung für das Personal oder die Umwelt. Während der Abschaltung soll der Schaden behoben werden sowie einige, für die kommende Revision geplante Arbeiten durchgeführt werden.

Nach Angaben der Online-Ausgabe der „Südwest Presse“ am vergangenen Samstag habe sich der Reaktor nach einer Störung der Speisewasserregelung und einem zu schnellen Leistungsrückgang selbst abgeschaltet. Vor dem endgültigen Abschalten sei er durch ein Sammeleinfahren der Brennstäbe auf null gefahren. Dies sei nach Angaben des Sprechers des Atomkraftwerks nicht mit einer Schnellabschaltung zu vergleichen.

Pannen und Störungen - wie zuverlässig ist die Atomkraft?

Der Vorfall wirft ein neues Licht auf ein vielfach geäußertes Argument gegen die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien. Diesen wird unterstellt, aufgrund ihres volatilen Charakters nicht für Regelleistung geeignet zu sein, denn: Weht kein Wind und scheint keine Sonne, könne auch kein Strom ins Netz eingespeist werden, so die gängige Kritik. Auch seien kurzfristige Leistungsanpassungen, wenn überhaupt, nur mit erheblichem Aufwand durchführbar.

Vorhaltung von Reserveleistung auch bei Kernkraftanlagen notwendig

Konventionelle Methoden zur Stromerzeugung, beispielsweise mit Kohle- oder Atomkraft, galten bisher als sicher und vor allem als zuverlässig. Der aktuelle Vorfall wirft allerdings ein neues Licht auf die Atomenergie und die Verfügbarkeit von Kernkraftanlanlagen. Die automatische Abschaltung des Reaktors ist aus Sicherheitsgründen zwar grundsätzlich zu begrüßen, zeigt das doch, dass im Notfall keine Gefahr einer Kernschmelze etc. droht. Allerdings ist die Zuverlässigkeit der Stromversorgung so auch nicht hundertprozentig gewährleistet, Reserverkapazitäten müssen für den Störfall vorgehalten werden. Gerade bei alten, fehleranfälligen Atomkraftwerken muss die ständige Verfügbarkeit der Kraftwerksleistung mit einem Fragezeichen versehen werden. Automatische Abschaltungen schon bei kleinen Fehlern führen zu unkalkulierbaren Leistungseinbrüchen, zumal die Kapazitäten der Reaktoren wesentlich größer sind als die kleinerer Stromerzeugungsanlagen. Im Fall Gundremmingen handelt es sich beispielsweise um 1344 Megawatt (MW), die nun fürs erste nicht zur Stromerzeugung bereitstehen und anderweitig ausgeglichen werden müssen.

Störung in Gundremmingen kein Einzelfall

Das AKW Gundremmingen kann auf eine lange Liste von Störungen zurückblicken. Erst im August 2013 ereignete sich ein Zwischenfall in Block B. Damals war radioaktiv kontaminiertes Wasser in geringen Mengen aus dem Reaktordruckbehälter ausgetreten. Das Leck wurde bei einer Routinekontrolle entdeckt, der Meiler daraufhin sofort abgeschaltet. Eine ähnliche Panne trat bereits im Dezember 2012 auf, damals wurde der Reaktor C für sieben Tage stillgelegt.

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