Atomkraftwerke: Nuscale lebt 2025 von Aktienverkäufen – spekulatives Geschäft mit marginalen Umsätzen

© NuScale Power Corporation
Corvallis - Die Nuscale Power Corporation, Anbieter von Mini-Atomkraftwerken (Small Modular Reactors, SMR), hat ihre Zahlen für das Geschäftsjahr 2025 vorgelegt. Während das Unternehmen regelmäßig strategische Fortschritte bei der Kommerzialisierung seiner SMR-Technologie meldet, zeigt ein Blick auf die Finanzkennzahlen ein deutliches Bild: Der operative Jahresumsatz bleibt mit 31,5 Mio. USD (2024: 37,0 Mio. USD) marginal.
Die Erlöse stammen im Wesentlichen aus Lizenzvereinbarungen und Engineering-Dienstleistungen, unter anderem im Zusammenhang mit dem rumänischen Projekt von RoPower Nuclear S.A. Ein operatives, kommerzielles Kraftwerksgeschäft mit signifikanten Erlösen existiert bislang nicht - und ist auf absehbare Zeit nicht zu erwarten.
Nuscale zieht Liquidität aus dem Kapitalmarkt - operatives Geschäft marginal
Die finanzielle Basis des Unternehmens speist sich weiterhin primär aus Aktienverkäufen. Allein im vierten Quartal 2025 platzierte Nuscale 39,3 Millionen neue Aktien über ein At-the-Market-Programm und erzielte dabei 750 Mio. USD. Damit übersteigen die Mittel aus Kapitalerhöhungen die operativen Umsätze um ein Vielfaches. Für Investoren bedeutet dies eine deutliche Verwässerung bei gleichzeitig ausbleibender operativer Eigenfinanzierung.
Auch die Kostenstruktur verdeutlicht die Schieflage. Den 31,5 Mio. USD Umsatz stehen 20,0 Mio. USD Herstellungskosten gegenüber. Besonders ins Gewicht fallen die allgemeinen Verwaltungsaufwendungen (G&A) in Höhe von 609,8 Mio. USD. Diese beinhalten unter anderem einen erheblichen Meilensteinbeitrag im Rahmen der Partnerschaft mit Entra1 Energy sowie weitere strategische und administrative Aufwendungen.
Operativ arbeitet Nuscale damit weiterhin klar defizitär. Eine eigenständige Finanzierung aus dem laufenden Geschäft ist derzeit und auf absehbare Zeit nicht erkennbar.
Design-Zulassung ersetzt keine Bauaufträge
Zwar bleibt Nuscale das erste und bislang einzige SMR-Unternehmen mit einer Designzulassung der US-Nuklearaufsicht für sein 77-MWe-Modell NuScale Power Module (NPM). Auch verweist das Unternehmen auf Fortschritte bei der Kommerzialisierung, darunter eine unverbindliche Kooperationsvereinbarung mit der Tennessee Valley Authority zur möglichen Entwicklung von bis zu sechs Gigawatt SMR-Kapazität.
Entscheidend ist jedoch: Es handelt sich nicht um verbindliche Bauaufträge. Konkrete Investitionsentscheidungen oder gesicherte Projektfinanzierungen stehen weiterhin aus. Auch die abgeschlossene FEED-Studie für das rumänische Projekt stellt lediglich einen Planungsschritt dar - keinen Baubeginn.
Investoren mit langem Atem gesucht
Nuscale verharrt faktisch in der Vor-Kommerzialisierungs- und Designphase. Das Unternehmen verfügt zwar über technologische Zulassungen und strategische Partnerschaften, generiert jedoch kaum operative Umsätze und finanziert sich überwiegend über den Kapitalmarkt.
Die zentrale Investorenfrage lautet daher nicht, ob SMR-Technologie grundsätzlich Potenzial besitzt, sondern ob Nuscale den Übergang von Studien, Zulassungen und Absichtserklärungen zu tatsächlich finanzierten Bauprojekten schafft, bevor weiteres Kapital aufgenommen werden muss. Bis dahin bleibt das Geschäftsmodell spekulativ und stark kapitalmarktgetrieben.
Quelle: IWR Online
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