26.10.2026, 11:14 Uhr

Cadeler vor Konzernumbau: Offshore-Wind-Spezialist plant britische Muttergesellschaft - Aktienumtausch nähert sich 90-Prozent-Marke


© Cadeler

Kopenhagen - Der Offshore-Wind-Spezialist Cadeler hat bei der geplanten Verlagerung seiner Konzernmutter von Dänemark nach Großbritannien beim Aktienumtausch bereits eine Annahmequote von 89,5 Prozent erreicht. Für den Vollzug sind 90 Prozent erforderlich - die Angebotsfrist wurde deshalb bis zum 28. Oktober 2026 verlängert.

Mit dem internationalen Ausbau der Offshore-Windenergie wächst der Bedarf an Spezialschiffen für die Installation von Windkraftanlagen und Fundamenten auf See. Marktanalysten erwarten für 2026 eine deutlich höhere Auslastung der Installationsflotten und mittelfristig Engpässe bei geeigneten Schiffen. Cadeler investiert in zusätzliche Kapazitäten und richtet zugleich seine Konzernstruktur stärker auf internationale Kapitalmärkte aus.

Aktienumtausch: Cadeler verfehlt 90-Prozent-Schwelle knapp - Frist verlängert

Am 21. Oktober 2026 hatten Aktionäre nach einem Zwischenstand rund 345,5 Millionen Cadeler-Aktien zum Umtausch eingereicht. Das entsprach 89,5 Prozent der ausstehenden Aktien ohne eigene Anteile. Die für den Vollzug des Angebots erforderliche Annahmequote von 90 Prozent wurde damit noch nicht erreicht.

Für jede Aktie der dänischen Cadeler A/S erhalten teilnehmende Aktionäre eine Aktie der britischen Cadeler plc. Eine erneute Verlängerung der Angebotsfrist ist möglich, allerdings maximal bis zum 1. Dezember 2026.

Die endgültigen Ergebnisse sollen nach dem aktuellen Zeitplan spätestens am 2. November veröffentlicht werden. Der Handel mit den neuen Aktien in New York und Oslo soll etwa am 5. November beginnen. Verbleibende Minderheitsaktionäre müssen nach einem erfolgreichen Vollzug mit einer möglichen zwangsweisen Übernahme ihrer Aktien rechnen.

Cadeler setzt auf britische Konzernstruktur und direkte US-Börsennotierung

Cadeler begründet die Neuordnung mit seiner internationalen Geschäftstätigkeit. Die britische Konzernmutter soll den Zugang zu einer breiteren internationalen Investorenbasis verbessern. Das Unternehmen verweist zudem auf die Vertrautheit internationaler Kapitalmarktteilnehmer mit dem britischen Rechts- und Unternehmensführungssystem.

Geplant ist eine direkte Notierung der Aktien der britischen Cadeler plc an der New York Stock Exchange. Bislang werden dort Hinterlegungsscheine (ADS) gehandelt. Die Aktien der neuen britischen Konzernmutter sollen zugleich an der Börse in Oslo notiert werden.

Das operative Geschäft soll durch die gesellschaftsrechtliche Neuordnung unverändert bleiben. Auch die bisherige Geschäftsleitung und die Mitglieder des Verwaltungsrats sollen ihre Funktionen in der neuen Konzernstruktur fortführen.

Offshore-Wind: Auslastung der Installationsschiffe soll 2026 auf 79 Prozent steigen

Nach Daten des Global Wind Energy Council (GWEC) wurden 2025 weltweit rund 9,3 GW Offshore-Windleistung neu installiert, davon etwa 6,6 GW in China. Auf Europa entfielen knapp 2 GW. Im ersten Halbjahr 2026 erreichte der europäische Offshore-Zubau laut Wind Europe rund 2,3 GW.

Die Westwood Global Energy Group erwartet für spezialisierte Windturbinen-Installationsschiffe im Transport- und Installationsgeschäft 2026 eine Marktauslastung von rund 79 Prozent, gegenüber 64 Prozent im Jahr 2025. Die Prognose vom Mai 2026 bezieht sich auf die relevanten Offshore-Märkte außerhalb Festlandchinas. Mittelfristig sieht Westwood Engpässe bei geeigneten Schiffen.

Auch Cadeler baut seine Installationskapazitäten aus. Nach der Auslieferung der Wind Ace im Juli 2026 verfügt das Unternehmen über elf Installationsschiffe. Im ersten Halbjahr waren zehn Schiffe im Einsatz, bei einer Flottenauslastung von 66 Prozent. Zudem hat Cadeler zwei weitere Spezialschiffe der T-Klasse für Fundamentinstallationen bestellt.

Mit der Übernahme des Offshore-Spezialisten Menck im August 2026 hat Cadeler sein Geschäft um Technologien und Dienstleistungen für die Installation von Offshore-Windfundamenten erweitert.

Der Ausbau von Flotte und Dienstleistungsangebot stärkt Cadelers Position im internationalen Offshore-Windmarkt. Wie stark die zusätzlichen Kapazitäten künftig ausgelastet werden, hängt jedoch auch davon ab, ob geplante Windparks ihre Finanzierung sichern und tatsächlich gebaut werden.

Quelle: IWR Online

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