25.10.2013, 17:23 Uhr

Forschung: Arktis-Temperaturen so hoch wie seit 44.000 Jahren nicht mehr

Boulder, USA - Der Klimawandel schreitet in der Arktis weiter voran. Die durchschnittlichen Sommertemperarturen in der ostkanadischen Arktis der vergangenen 100 Jahren sind die höchsten seit mindestens 44.000 Jahren.

Dies geht aus einer neu erschienenen Studie der Universität Colorado in Boulder hervor. Die Studie liefert die ersten Beweise, dass die derzeitige Wärme im kanadisch-arktischen Archipel die Spitzenwerte der Holozän-Periode übersteigt. Professor Gifford Miller, der die Studie geleitet hat, benennt als Kernergebnis der Untersuchung die Erkenntnis, dass die heutige Erwärmung der Arktis beispiellos ist und dass die derzeitige Erderwärmung keinen natürlichen Schwankungen unterliegt. Schuld daran kann aus seiner Sicht nur der Anstieg der Treibhausemissionen sein.

Eiskappen werden schmelzen – selbst wenn die Erwärmung nicht weiter zunimmt

Zur Messung der Temperaturwerte dort haben die Wissenschaftler Proben von Gasblasen und Moosklumpen genommen, welche sich im Kerneis befanden. Nach deren Untersuchung stellte sich heraus, dass die Proben seit dem Zeitraum von vor 44.000 bis 51.000 Jahren noch nie einer solchen Witterung ausgesetzt gewesen waren wie jetzt. Obwohl die Radiokohlenstoff(14C)-Datierung nur sichere Ergebnisse von bis zu 50.000 Jahren gewährleisten kann, nehmen die Wissenschaftler aber an, dass es Temperaturen wie heute seit 120.000 Jahren nicht mehr gegeben hat. Indizien dafür hat das Forschungsteam aus Untersuchungen aus Kerneis-Proben gewonnen, die früher von anderen Forschungsarbeiten am nahegelegenen grönländischen Eisschild geborgen waren.

Miller weist darauf hin, dass, obwohl die Erwärmung seit 1900 in der Arktis zugenommen hat, die Temperaturen am stärksten erst seit den 1970er Jahren steigen. Ganz Baffin Island, die größte Insel des kanadisch-arktischen Archipels, schmilzt allmählich ab. Neueste Erkenntnisse zeigen, dass das Archipel wie all die anderen polaren Eiskappen verschwinden werde - selbst dann, wenn die Temperaturen nicht weiter steigen würden.


© IWR, 2013