18.08.2014, 14:38 Uhr

Klima-Studie: Erwärmung geht nach Unterbrechung weiter

Zürich - In den vergangenen 16 Jahren wurde es auf der Erde im Mittel kaum wärmer. Klimaskeptiker nutzen den vermeintlichen Widerspruch, um den Klimawandel in Frage zu stellen. Wissenschaftler der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich haben die Gründe dafür gefunden und zeigen auf, warum die Klimaerwärmung weitergeht.

In einer Studie, die in der jüngsten Ausgabe der Fachzeitschrift Nature Geoscience veröffentlicht wurde, kommen die Schweizer Forscher Huber und Knutti zu dem Schluss, dass für die Erwärmungs-Pause zwei wichtige Gründe zu etwa gleichen Teilen verantwortlich sind.

Phänomen El Niño sorgte 1998 für Wärme - Kurzfristige Temperaturschwankungen überlagern Langfristtrend

Die Klimaphänomene El Niño und La Niña im Pazifik sind die bekanntesten und bedeutendsten natürlichen Klimaphänomene, so die Autoren. "1998 war ein ausgeprägtes El-Niño-Jahr, daher war es in jenem Jahr so warm", sagt Knutti. Das Gegenphänomen La Niña hingegen habe die vergangenen Jahre kälter gemacht, als sie ohne dieses Phänomen gewesen wären. "Klimamodelle würden solche Schwankungen zwar grundsätzlich berücksichtigen. Es sei jedoch unmöglich vorauszusagen, in welchem Jahr diese Phänomene einträten", sagt der Klimaphysiker.

Knutti verglich die Temperaturentwicklung und Erderwärmung mit der Entwicklung von Aktien an der Börse. Investoren wüssten, dass ihre Anlagen Kursschwankungen unterworfen seien und die Performance kurzfristig auch negativ sein könne. Was allerdings weder Finanzspezialisten noch Klimawissenschaftler und ihre Modelle vorhersagen könnten sei, wann genau eine kurzfristige Wirtschaftsbaisse oder ein La-Niña-Jahr eintreten würden. Am langfristen Trend änderten solche Kurzfristschwankungen aber nichts.

Längere Sonnenzyklen

Der zweite Hauptgrund für die Klimapause ist laut der Studie, dass in den vergangenen Jahren die Sonneneinstrahlung weniger stark war als vorhergesagt. Das hat damit zu tun, dass die bekannten Schwankungen in der Intensität der Sonnenstrahlung derzeit atypisch sind: Während die sogenannten Sonnenfleckenzyklen in der Vergangenheit jeweils 11 Jahre dauerten, dauerte die letzte Periode schwacher Sonnenstrahlung aus unbekannten Gründen 13 Jahre. Ausserdem haben mehrere Vulkanausbrüche wie jener des Eyjafjallajökull in Island 2010 die Konzentration von Schwebeteilchen (Aerosol) in der Atmosphäre erhöht. Dies reduzierte die auf der Erdoberfläche eintreffende Sonnenstrahlung weiter.

Messdaten: Datennetz in wichtigen Gegenden wie der Arktis fehlen

Die Gründe für die Diskrepanz zwischen Klimamodellen und Messdaten in den letzten 16 Jahren seien allerdings nicht ausschliesslich darin zu suchen, dass die Modelle zu hohe Werte lieferten, sagt Knutti. Kritisch hinterfragen müsse man auch die Interpretation der offiziellen Messdaten. Diese seien wahrscheinlich zu tief. Denn zur Berechnung der globalen Durchschnittstemperatur werden nur Messwerte von Wetterstationen am Boden verwendet, und solche gibt es nicht überall auf der Erde. So wissen Wissenschaftler beispielsweise von Satellitendaten, dass sich die Arktis in den vergangen Jahren besonders stark erwärmte. Weil es dort jedoch keine Wetterstationen gibt, fehlen Messpunkte mit besonders hohen Ausschlägen gegen oben. Die Durchschnittstemperatur wird folglich zu tief angegeben.

Britische und kanadische Forscher schlugen letztes Jahr eine alternative Temperaturkurve vor, in die sie für Regionen ohne Wetterstationen Temperaturschätzungen von Satellitendaten einfliessen liessen und die höhere Werte aufweist. Werden die Modelldaten wie von den ETH-Forschern vorgeschlagen nach unten und die Messdaten wie von den britischen und kanadischen Forschern nach oben korrigiert, stimmen Modell und Beobachtung ausgesprochen gut überein.

Warum die Erderwärmung weitergehen wird

Für Knutti ist klar: Trotz Klimapause gibt es keinen Anlass, an der bisherigen Berechnungen zur Klimaaktivität von Treibhausgasen und an den neusten Klimamodellen zu zweifeln. Kurzfristige Klimaschwankungen änderten nichts daran, dass sich das Klima langfristig wegen der Treibhausgasemissionen deutlich erwärmen werde, so der Klima-Wissenschaftler. Denn sobald sich Sonnenaktivität und Aerosolkonzentration in der Atmosphäre sowie Klimaphänomene wie El Niño wieder natürlicherweise den Werten früherer Jahrzehnte annäherten, werde die Erwärmung weitergehen.

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