20.11.2013, 17:22 Uhr

Länderstudie: Welche Märkte für erneuerbare Energien sind "heiß"?

Nürnberg - Die Energiewende hat weltweit zu einem starken Ausbau erneuerbarer Energien geführt. Allerdings erfolgt die Vermarktung in den verschiedenen Ländern extrem unterschiedlich. Während Deutschland über das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG)mit den Einspeisetarifen für Strom aus regenerativen Quellen einen starken Anreiz für den Ausbau geschaffen hat, locken andere Länder mit steuerlichen Anreizen, Quotenregelungen oder Förderkrediten.

Beliebt ist auch, Stromkapazitäten aus erneuerbaren Energien öffentlich auszuschreiben. Für international tätige Investoren ergeben sich daraus sehr attraktive Investitionschancen, allerdings sind die jeweiligen Modelle auch mit zahlreichen Risiken behaftet und erfordern jeweils individuelle Kenntnisse der rechtlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Dies zeigt eine neue Länderstudie zu den Märkten erneuerbarer Energien von Rödl & Partner.

Globale Energiewende wird durch Regelungsdschungel gebremst

„Die Märkte für Erneuerbare Energien sind weltweit ein Flickenteppich unterschiedlichster Förderregime. In vielen Ländern können Erneuerbare Energien bereits zu Marktpreisen produziert und eingespeist werden. Bei einigen Energieträgern sind wir auf dem besten Weg, die Wettbewerbsfähigkeit zu konventionellen Energien in einzelnen Marktsegmenten herzustellen. Aber das Tempo der Energiewende wird durch den Regelungsdschungel gebremst“, erklärt Anton Berger, Leiter des Bereichs Energiewirtschaft bei Rödl & Partner. „Aktuell ist das Potenzial viel größer als die Bereitschaft der Investoren, sich in jedem Land mit eigenen Rahmenbedingungen auseinanderzusetzen.“

Laut Studien der IEA werden erneuerbare Energien bis zum Jahr 2035 knapp ein Drittel des weltweiten Energiebedarfs decken. Insbesondere in China und Indien werden die Kapazitäten massiv ausgebaut. Die Förderung von derzeit ca. 100 Milliarden US-Dollar wird sich auf 220 Milliarden US-Dollar im Jahr 2035 mehr als verdoppeln. Da aber in der gleichen Zeitspanne auch der Energiebedarf um 30 Prozent und der Strombedarf um 60 Prozent steigen, sind die Klimaschutzziele in Gefahr, wenn es nicht gelingen sollte, die regenerativen Energieträger deutlich auszubauen.

Marktbedingungen und Chancen in 16 Ländern analysiert

Rödl & Partner hat für die Studie, die am Mittwoch im Rahmen des 3. Branchentreffens der Beratungs- und Prüfungsgesellschaft in Nürnberg vorgestellt wurde, die Markteinstiegschancen und Rahmenbedingungen für erneuerbare Energien in 16 ausgewählten Ländern untersucht und Branchenexperten zu den Investitionsmöglichkeiten befragt. In der Marktbeurteilung fand neben der wirtschaftlichen Entwicklung auch die Einschätzung des jeweiligen Energiemarktes Berücksichtigung. Für Investoren besonders attraktiv sind Länder, die über ein gutes Förderregime und einen bisher unterdurchschnittlichen Anteil an Erneuerbaren verfügen, wie etwa Frankreich (EE-Anteil 12 Prozent), Malaysia (EE-Anteil 7,2 Prozent), Polen (EE-Anteil 11,9 Prozent) und Singapur (EE-Anteil 2,2 Prozent). Länder wie Litauen oder Spanien, die bereits über 30 Prozent Erneuerbare im Energiemix aufweisen, sind dagegen unterschiedlich zu bewerten: Während Litauen hohe Investitionssicherheit bietet, hat Spanien rückwirkende Kürzungen der Förderung beschlossen und damit Investoren verärgert. Mit sehr guten generellen Rahmenbedingungen warten nach wie vor Deutschland (EE-Anteil 22,5 Prozent), aber auch Länder wie die Türkei (EE-Anteil 25,3 Prozent) und China (EE-Anteil 20,2 Prozent) auf.

„Neben der gesellschaftlichen Akzeptanz für Erneuerbare und der Investitionssicherheit für die Unternehmen sollten die Investoren aufgrund der sinkenden Gestehungskosten die Märkte in den Blick nehmen, die die größten individuellen Chancen bieten, Energie aus regenerativen Quellen zu Marktpreisen lokal zu produzieren – unabhängig von der Förderung“, betont Kai Imolauer, Associate Partner im Geschäftsbereich Energiewirtschaft von Rödl & Partner. „Zwar ist davon auszugehen, dass die Subventionen weiter bestehen werden, um den Nachholbedarf einiger Länder auszugleichen. Aber in den Industriestaaten wird die Unterstützung für Erneuerbare zurückgehen, um den Anstieg der Haushaltsstrompreise zu stoppen“, erläutert Imolauer.


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