01.08.2013, 08:19 Uhr

Pannen in Atomanlage Sellafield: Britische Regierung will Kontrolle zurück

Münster / London - Nach einer Pannenserie bei der Wiederaufbereitung und Entsorgung von Atomabfällen in der britischen Atomanlage Sellafield will die Regierung nun eingreifen und die Kontrolle der Arbeit vor Ort wiedererlangen.

Nach einem Bericht der britischen Tageszeitung „The Independent“ hat die britische Nuclear Decommissioning Authority (NDA) den Wirtschaftsprüfer KPMG beauftragt, eine Bestandsaufnahme der derzeitigen Lage der Betriebsführung zu machen.

Bei dem derzeitigen privatwirtschaftlichen Konsortium Nuclear Management Partners (NMP), das aus den Unternehmen URS aus den USA, Areva aus Frankreich und des landeseigenen Amec besteht, hatte sich die Pannenserie zuletzt fortgesetzt. Unter anderem hat im Februar ein Bericht der Public Accounts Committee gezeigt, dass die Budgetplanung für Maßnahmen am teilweise kontaminierten Standort auf 70 Mrd. Pfund ständig erhöht wird, während 12 von 14 Großprojekte in Verzug geraten sind. Zudem wurde dem Konsortium im vergangenen Monat aufgrund einer rechtwidrigen Entsorgung von Atommüll eine Geldstrafe in Höhe von 700.000 Pfund verhängt. Dieses hatte Behälter mit radioaktivem Abfall auf einer Deoponie in Cumbria entsorgt, an statt diesen Müll in einer Spezialanlage zu verarbeiten.

Britische Atom-Aufsichtsbehörde soll Auftrag entziehen

Nach Angaben der britischen Tageszeitung lässt sich vermuten, dass die Regierung derzeit dazu neigt, Nuclear Management Partners den Auftrag für Sellafield zu entziehen. Anschließend soll die NDA ein Tochterunternehmen gründen, um die Arbeit vor Ort unter einer angemessenen Aufsicht fortzuführen. Eine weitere Option wäre eine neue Ausschreibung durchzuführen, um ein neues Konsortium zu finden. Diese Alternative hält die Tageszeitung für eher unwahrscheinlich, da das Ausschreibungsverfahren zu teuer und zeitaufwändig angesehen wird. Die Dekontamination des Nuklearstandorts, der seit 1947 zu dem Kernenergieprogramm Großbritanniens zählt, gilt als eines der schwierigsten Unterfangen in der westlichen Hemisphäre.

Vertrag über radioaktive Abfallentsorgung hätte bis 2026 verlängert werden können

Der Auftrag für den Standort Sellafield wurde ursprünglich im Jahr 2008 an Nuclear Mangament Partners vergeben. Damals war der Vertrag mit einer Laufzeit von fünf Jahren versehen. Der Kontrakt hätte aber bis 2026 verlängert werden können, was einem Volumen von etwa 22 Mrd. Pfund nach sich gezogen hätte. Eine Pressesprecherin der NDA erklärte, dass bei Staatsausgaben in Höhe von 1,7 Mrd. Pfund im Jahr, der Auftrag für den Abbau des radioaktiven Abfallbestands am Standort Sellafield von großer Bedeutung sei und deswegen will sich die Behörde eine zureichende Informationslage verschaffen, bevor sie eine Entscheidung in dieser Angelegenheit trifft.

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