Preisrekorde an der Zapfsäule: Spritpreise erreichen im August 2026 neue Höchststände – Neuzulassungen für reine E-Autos klettern auf fast ein Drittel

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Münster – Rekordpreise an deutschen Tankstellen und ein historisch hoher Anteil an reinen Elektroautos (BEV) bei den Pkw-Neuzulassungen: Im August 2026 erreichten die Spritpreise in Deutschland einen neuen Höchststand, der Marktanteil batterieelektrischer Fahrzeuge einen der höchsten je registrierten Werte. Das geht aus aktuellen Auswertungen des ADAC und des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA) hervor.
Der Anstieg an den Zapfsäulen trifft auf einen deutschen Pkw-Markt im Umbruch: Alternative Antriebe lösen den Verbrenner zunehmend als dominierende Antriebsform ab. Auch die Versicherungswirtschaft sieht einen klaren Trend zur Elektromobilität: Der Autoversicherer HUK-Coburg registriert einen deutlichen Anstieg der Wechsel von Verbrennern auf batterieelektrische Fahrzeuge in seinem Kundenbestand – nach eigener Einschätzung eine Folge des Preisdrucks an der Zapfsäule.
Spritpreise erreichen im August 2026 bisherigen Höchststand und klettern im September weiter
Wer im August 2026 tankte, zahlte so viel wie zu keinem Zeitpunkt zuvor im Monatsdurchschnitt: Nach Auswertung des ADAC kostete Super E10 im Schnitt 2,145 Euro je Liter – der höchste bis dahin gemessene Monatsdurchschnittspreis. Diesel lag bei durchschnittlich 2,223 Euro je Liter. Teuerster Tanktag des Monats war der 23. August mit 2,188 Euro je Liter für Super E10 beziehungsweise 2,283 Euro je Liter für Diesel. Der Preisanstieg setzt sich auch im September weiter fort: Anfang September lag Super E10 laut ADAC bereits bei 2,259 Euro je Liter, Diesel bei 2,321 Euro – ein Plus von 44 beziehungsweise 59 Cent seit dem Tief im Juni.
BEV-Anteil an Pkw-Neuzulassungen steigt auf 32,4 Prozent
Parallel dazu erreichten die Neuzulassungszahlen des KBA für batterieelektrische Fahrzeuge (BEV) einen der bis dahin höchsten registrierten Werte. Im August 2026 wurden in Deutschland insgesamt 212.563 Pkw neu zugelassen, 2,6 Prozent mehr als im Vorjahresmonat (bei gleicher Zahl an Arbeitstagen). Rein batterieelektrische Fahrzeuge verzeichneten mit 68.930 Neuzulassungen das stärkste Wachstum aller Antriebsarten (+75,1 Prozent) und kamen auf einen Marktanteil von 32,4 Prozent. Nur im Dezember 2022 war der Anteil mit 33,2 Prozent höher, was auf Vorzieheffekte vor der ersten Kürzung der staatlichen Kaufförderung zurückgeführt wird. Seitdem erreichte kein Monat einen höheren BEV-Marktanteil als der August 2026. Bei den Plug-in-Hybriden stiegen die Neuzulassungen um 6,0 Prozent auf 25.406 Fahrzeuge (Marktanteil 12,0 Prozent); Elektro- und Plug-in-Antrieb zusammen erreichten damit einen Marktanteil von 44,4 Prozent.
HUK-E-Barometer: Jeder achte Fahrzeugwechsel führt zum Elektroauto
Nach dem "E-Barometer" des Autoversicherers HUK-Coburg wechselte im zweiten Quartal 2026 jeder achte private Fahrzeughalter im Bestand des Unternehmens von einem Verbrenner auf ein reines Elektroauto (12,0 Prozent) – vor dem Anstieg der Kraftstoffpreise infolge des Kriegs zwischen den USA und dem Iran zu Jahresbeginn 2026 lag diese Quote noch bei 6,3 Prozent. In einer repräsentativen Befragung im Rahmen des E-Barometers gaben zudem 24 Prozent der Führerscheininhaberinnen und -inhaber an, deswegen erstmals über einen E-Auto-Kauf nachzudenken oder einen geplanten Kauf vorzuziehen. HUK-Vorstand Jörg Rheinländer: "Der Hochlauf der Elektromobilität in Deutschland hat eine neue Dimension erreicht, auch angetrieben durch stark gestiegene Spritpreise."
IWR: Öl- und Gaspreise als geopolitisches Preisrisiko – Erneuerbare Energien als Schutz
Hinter dem anhaltenden Preisdruck steht eine strukturelle Abhängigkeit: Die Preise für Öl und Gas werden nicht in Deutschland, sondern auf internationalen Märkten gebildet und reagieren damit unmittelbar auf geopolitische Ereignisse wie den Nahost-Konflikt. Diesem Preisrisiko kann sich Deutschland allein durch den Wechsel von Lieferländern oder Bezugswegen nicht entziehen, solange die grundsätzliche Abhängigkeit von fossilen Energieimporten bestehen bleibt. Das zeigt auch die Reaktion der Europäischen Zentralbank, die ihre Leitzinsen am 10. September 2026 anhob und dabei ausdrücklich auf den Inflationsdruck durch den Nahost-Konflikt verwies. "Die Preistreiber haben einen Namen: fossile Energien. Der beste Inflationsschutz ist die Transformation von Öl und Gas hin zu Strom aus heimischen erneuerbaren Energien in Kombination mit Energiespeichern", kommentiert IWR-Geschäftsführer Dr. Norbert Allnoch die aktuelle Entwicklung.
Bundesregierung in der Feuerwehrrolle: Entlastungen bei Spritpreisen angekündigt
Bundeskanzler Friedrich Merz kündigte am 15. September 2026 beim Unternehmertag des Handelsverbands BGA in Berlin an, dass die Bundesregierung "sehr bald" einen Vorschlag zur Entlastung von Autofahrerinnen und Autofahrern vorlegen werde. "Ich bin der Meinung, dass wir handeln müssen", sagte Merz mit Blick auf Menschen, die im Alltag auf ihr Auto angewiesen seien. Welches konkrete Instrument dafür genutzt werden soll, blieb zunächst offen; eine von der SPD geforderte Übergewinnsteuer schloss Merz aus. Mittlerweile hat Unionsfraktionschef Thorsten Frei heute Morgen im Frühstart von RTL und ntv als geeignete konkrete Optionen für eine Entlastung einen neuerlichen Tankrabatt durch Senkung der Energiesteuer oder eine Senkung der Mehrwertsteuer von 19 Prozent auf 7 Prozent genannt.
Solche Maßnahmen lindern den akuten Preisdruck allenfalls kurzfristig, ändern aber nichts an der grundsätzlichen Abhängigkeit von international gebildeten, geopolitisch beeinflussten Öl- und Gaspreisen. Aus Sicht des IWR wäre daher die Abkehr von fossilen Energien hin zu erneuerbaren Energien die geeignetere Maßnahme gegen künftige Preisschocks.
Quelle: IWR Online
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