11.09.2026, 15:34 Uhr

Emirate und ihre Geschäfts-Doppelstrategie: Offshore-Windenergie und Gas-Lieferungen für Deutschland


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Essen - Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) bauen ihr Energiegeschäft mit Deutschland auf zwei ganz unterschiedlichen Ebenen aus. Während der auf erneuerbare Energien spezialisierte Masdar-Konzern und RWE gemeinsame Investitionen bei den deutschen Offshore-Windenergie-Ausschreibungen 2027 prüfen, verhandeln RWE und der staatliche Energiekonzern ADNOC über bis zu zwei langfristige Gas-Lieferverträge für Deutschland, Europa und weitere Märkte.

Dahinter steht eine langfristige Energiestrategie der Emirate: Das bestehende fossile Energiegeschäft wird weiter ausgebaut, während parallel große Kapitalvolumina in die Energiewirtschaft der Zukunft investiert werden. Über ADNOC baut das Land seine internationale Öl- und Gasposition einschließlich des LNG-Geschäfts aus, während Masdar weltweit in erneuerbare Energien investiert. Die beiden neuen Vereinbarungen mit RWE bilden diese Doppelstrategie der Emirate unmittelbar auf dem deutschen Energiemarkt ab.

Erneuerbare Energien: Masdar und RWE nehmen deutsche Offshore-Ausschreibungen ins Visier

RWE und Masdar haben eine Absichtserklärung zur Prüfung einer gemeinsamen Teilnahme an den deutschen Offshore-Windenergie-Ausschreibungen 2027 unterzeichnet. Das potenzielle Investitionsvolumen liegt nach Angaben der Unternehmen bei mehr als 3 Mrd. Euro. Konkrete Projekte oder Gebote sind damit noch nicht vereinbart.

Die Offshore-Partnerschaft zwischen RWE und Masdar reicht bis zum 630-MW-Windpark London Array zurück, der seit 2013 in Betrieb ist. Inzwischen haben die Unternehmen ihre Zusammenarbeit deutlich ausgeweitet: Gemeinsam entwickeln sie die beiden Offshore-Windprojekte Dogger Bank South East und West mit jeweils 1,5 GW, d.h. 3 GW Gesamtleistung. Anfang 2026 waren RWE und Masdar mit beiden Projekten in der britischen Ausschreibungsrunde Allocation Round 7 erfolgreich und erhielten Differenzverträge (Contracts for Difference, CfD). Die finale Investitionsentscheidung ist für 2027 vorgesehen, die Inbetriebnahme für 2031 und 2032.

Masdar ist ein zentraler Baustein der internationalen Erneuerbare-Energien-Strategie der Emirate. Das 2006 gegründete Unternehmen gehört TAQA, Mubadala und ADNOC und verfügt nach eigenen Angaben inzwischen über ein weltweites Portfolio von rund 65 GW. Bis 2030 strebt Masdar eine Erzeugungskapazität von 100 GW an.

Gasgeschäft: ADNOC und RWE verhandeln über langfristige LNG-Lieferungen

Auf der fossilen Seite vertiefen RWE und ADNOC gleichzeitig ihre Zusammenarbeit. RWE Supply & Trading und ADNOC wollen die Bedingungen für bis zu zwei langfristige LNG-Lieferverträge vereinbaren. Ein möglicher Lieferbeginn wird für Anfang der 2030er Jahre angestrebt. Das LNG soll aus dem wachsenden Portfolio von ADNOC Gas und XRG stammen, darunter Projekte in Ruwais und Das sowie in den USA, Mosambik und Argentinien. Neben Deutschland und weiteren europäischen Ländern sollen auch asiatische Märkte beliefert werden können.

ADNOC baut seine Gas- und LNG-Aktivitäten weiter aus. Ein zentraler Baustein ist das LNG-Projekt Ruwais in Abu Dhabi mit einer geplanten Exportkapazität von 9,6 Mio. Tonnen jährlich. Zusammen mit bestehenden Anlagen soll sich die LNG-Kapazität von ADNOC Gas damit auf rund 15 Mio. Tonnen pro Jahr mehr als verdoppeln.

Die neuen Vereinbarungen wurden am Rande des Staatsbesuchs von VAE-Präsident Scheich Mohamed bin Zayed Al Nahyan geschlossen. Nach Angaben der VAE beabsichtigt das Land zugleich, zusätzlich 40 Mrd. Euro in Deutschland zu investieren. Damit reicht die Doppelstrategie der Emirate von erneuerbaren bis zu fossilen Energien weit über die beiden RWE-Vereinbarungen hinaus.

Quelle: IWR Online

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