Scatec verdoppelt Investitionsziele bis 2030 - hohe Wertminderungen belasten Quartalsergebnis

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Oslo - Der norwegische Erneuerbare-Energien-Konzern Scatec hat im dritten Quartal 2026 trotz eines gestiegenen operativen Ergebnisses einen Konzernverlust von rund 110 Mio. Euro verbucht. Gleichzeitig kündigte das Unternehmen an, die durchschnittlichen jährlichen Eigenkapitalinvestitionen für 2027 bis 2030 auf rund 194 Mio. Euro zu verdoppeln.
Scatec will seine Expansion ohne zusätzliches Aktionärskapital finanzieren. Dafür setzt der Konzern auf Mittelzuflüsse aus dem Kraftwerks- und Baugeschäft sowie Beteiligungsverkäufe. Die Quartalszahlen verdeutlichen jedoch den Einfluss einmaliger Ergebniseffekte und länderspezifischer Risiken.
Stromproduktion steigt - Wertminderungen belasten Konzernergebnis
Die anteilige Stromproduktion von Scatec stieg im dritten Quartal um 22,2 Prozent auf 1.469 GWh (Vorjahr: 1.202 GWh). Das EBITDA aus der Stromerzeugung erhöhte sich um 12 Prozent auf 1,07 Mrd. NOK (rund 104 Mio. Euro).
Das gesamte anteilige EBITDA legte um 13,6 Prozent auf 1,21 Mrd. NOK (rund 117 Mio. Euro) zu. Die anteiligen Umsätze sanken dagegen um 23,2 Prozent auf 2,27 Mrd. NOK (rund 220 Mio. Euro). Der Rückgang ist vor allem auf die geringere Bauaktivität gegenüber dem Vorjahresquartal zurückzuführen. Das Baugeschäft erzielte ein EBITDA von 168 Mio. NOK (rund 16 Mio. Euro). Das Ergebnis profitierte dabei von positiven Projektabschlusseffekten in Höhe von 140 Mio. NOK (rund 14 Mio. Euro).
Scatec verbuchte zudem Wertminderungen von 1,15 Mrd. NOK (rund 111 Mio. Euro) auf Anlagen in der Ukraine und Pakistan. Das konsolidierte Nettoergebnis fiel auf minus 1,135 Mrd. NOK (rund minus 110 Mio. Euro), nach einem kleinen Vorjahresgewinn.
Bereits am 21. Oktober hatte Scatec seine EBITDA-Jahresprognose für die Stromerzeugung zum zweiten Mal 2026 gesenkt, zuletzt um 300 Mio. NOK auf 3,3 bis 3,6 Mrd. NOK. Der Mittelwert liegt damit 12,7 Prozent unter der ursprünglichen Jahresprognose. Belastend wirken unter anderem Angriffe auf die ukrainische Energieinfrastruktur, regulatorische Einschränkungen auf den Philippinen, Projektverzögerungen und Wechselkurseffekte.
Ägypten: EBRD-Partnerschaft unterstützt Finanzierungsmodell
In Ägypten begann Scatec den Bau des 900-MW-Windprojekts Shadwan und der ersten Phase des Solar- und Speicherprojekts Dandara mit 569 MW Photovoltaikleistung und 100 MWh Speicherkapazität.
Mit der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) vereinbarte Scatec eine Investitionsplattform. Die EBRD soll sich mit 40 Prozent an der Plattform beteiligen und stellte dafür Eigenkapitalinvestitionen sowie projektbezogene Garantien von insgesamt bis zu 221 Mio. USD in Aussicht.
Die gemeinsame Investitionsplattform mit der EBRD ist Teil von Scatecs Finanzierungsstrategie: Der Konzern entwickelt und errichtet Kraftwerke, bindet externe Investoren ein und bleibt als Dienstleister beteiligt. Dadurch soll Kapital für neue Projekte freigesetzt werden. Der verbleibende Auftragswert im Baugeschäft lag zum Quartalsende bei 10,5 Mrd. NOK (rund 1,02 Mrd. Euro).
Strategie bis 2030: Höhere Investitionen ohne neues Aktionärskapital
Für 2027 bis 2030 hebt Scatec das durchschnittliche jährliche Eigenkapitalinvestitionsziel von bislang 1 Mrd. NOK (rund 97 Mio. Euro) auf 2 Mrd. NOK (rund 194 Mio. Euro) an. Den jährlichen Cashflow to Equity will das Unternehmen ab 2030 auf mehr als 2,5 Mrd. NOK (rund 242 Mio. Euro) verdoppeln.
Unverändert bleiben die Ziele, die verzinsliche Unternehmensverschuldung auf 4 Mrd. NOK (rund 387 Mio. Euro) zu reduzieren und mindestens 3,4 Mrd. NOK (rund 329 Mio. Euro) aus Beteiligungsverkäufen zu erzielen.
Scatec-Aktie legt deutlich zu
Die Scatec-Aktie stieg an den ersten vier Handelstagen dieser Woche um 9,3 Prozent auf 8,09 Euro (Schlusskurs, 29.10.2026, Börse Stuttgart). Am 30. Oktober notierte die Aktie gegen 13:18 Uhr bei 8,295 Euro, was einem Tagesplus von 2,6 Prozent entspricht.
Scatecs Expansionsstrategie setzt auf steigende Erträge aus der Stromerzeugung, Mittelzuflüsse aus dem Baugeschäft und erfolgreiche Beteiligungsverkäufe. Die hohen Wertminderungen und positiven Einmaleffekte im Quartal verdeutlichen zugleich die Schwankungsanfälligkeit der Ergebnisse. Ob die geplante Verdoppelung der Investitionen ohne zusätzliches Aktionärskapital gelingt, hängt wesentlich von der operativen Entwicklung und der Umsetzung der Beteiligungsverkäufe ab.
Quelle: IWR Online
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