15.06.2015, 14:47 Uhr

Spiegel-Bericht: Wirbel um Fehler in Kohlestatistik

Münster - Ein Spiegelbericht über fehlerhafte Angaben in der deutschen Klimabilanz hat jetzt für einigen Wirbel gesorgt. Nach Angaben des Nachrichtenmagazins wurden insgesamt 8 Mio. t CO2 aus neuen Steinkohlekraftwerken in NRW von den Landesstatistikern nicht berücksichtigt. Doch wurden die Kraftwerke tatsächlich einfach vergessen, wie es das Magazin darstellt?
Ende 2013 bzw. Anfang 2014 sind in Nordrhein-Westfalen die beiden Steinkohlekraftwerke Walsum und Lünen unter großer öffentlicher Beteiligung in Betrieb gegangen. In den offiziellen Statistiken des Landes Nordrhein-Westfalen und des Bundes fehlen diese Kraftwerke nach Spiegel-Angaben allerdings noch. Angesichts der Auseinandersetzung zwischen Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) und der Kohlelobby um die Einsparung von insgesamt 22 Mio. zusätzlichen Tonnen CO2 ist der Bericht des Spiegels brisant.
Vorwurf: 8 Mio. t CO2 zu wenig in der deutschen Klimabilanz
Im Dezember 2013 hat das Steinkohlekraftwerk Walsum mit einer Leistung von 725 Megawatt (MW) seinen offiziellen Betrieb aufgenommen, zum Jahresanfang 2014 folgte das Kraftwerk in Lünen mit einer Leistung von 750 MW. Zusammen kommen beide Kraftwerke nach dem Spiegel-Bericht auf einen CO2-Ausstoß von 8 Mio. t. Da die Statistiker des statistischen Landesamtes in NRW (IT.NRW) die beiden Kraftwerke allerdings noch nicht erfasst und offensichtlich einfach vergessen hätten, so der Spiegel, fehlten in der deutschen Klimabilanz nun 8 Mio. t CO. Dies sei umso schwerer, da Kohlelobby und Gewerkschaften gemeinsam seit Wochen gegen die von Wirtschaftsminister Gabriel angekündigten Einsparpläne aus Kohlekraftwerken im Rahmen der Klimaabgabe Sturm liefen. Nun sind plötzlich 8 Mio. t zusätzliche CO2-Emissionen aufgetaucht, die Gabriels Klimaschutzpläne in Frage stellten. Doch ganz so simpel ist die Faktenlage nicht.
Kohlekraftwerke in Duisburg-Walsum und Lünen wurden nicht vergessen
Wie sich auf Nachfrage von IWR Online beim statistischen Landesamt NRW (IT.NRW) zeigt, stellt sich der Sachverhalt bei Licht betrachtet etwas anders dar. Demnach wurden die beiden Kraftwerke bei IT.NRW keinesfalls vergessen, sondern im Rahmen des üblichen statistischen Verfahrens nachträglich in den Erhebungskreis für das Jahr 2014 aufgenommen. Damit fehlen die Daten zwar in der monatlich (unterjährig) unter den Kraftwerksbetreibern durchgeführten Erhebung. In der offiziellen 2014er-Jahresbilanz, die frühestens im Sommer 2015 vorliegt, sind die Erzeugungsdaten der beiden Kraftwerke nach Angaben von IT.NRW auf jeden Fall enthalten. Unberücksichtigt seien lediglich rd. 10 Tage im Dezember 2013, an denen das Kraftwerk in Walsum bereits offiziell in Betrieb war. Im Übrigen erfasse IT.NRW im Rahmen seiner Statistiken über die Strom- und Wärmeerzeugung keine Angaben über die CO2-Emissionen der Kraftwerksstandorte, so der Behördenvertreter. Der in dem Spiegel-Bericht genannte Wert von 8 Mio. t CO2, der in der deutschen Klimabilanz nun angeblich fehle, stamme daher auch nicht von den Landesstatistikern.
BDEW gibt Entwarnung – Berechnungen der Regierung korrekt
Basis für die Schätzung der Entwicklung der Treibhausgasemissionen bis 2020 in Deutschland ist das Mit-Maßnahmen-Szenario des aktuellen Projektionsberichts der Bundesregierung zur Entwicklung der Treibhausgasemissionen. Die für den Projektionsbericht herangezogenen Daten zu den CO2-Emissionen werden von der Deutschen Emissionshandelsstelle (DEHST) beigesteuert. Da diese Daten die CO2-Emissionen der Kraftwerke in Walsum und Lünen enthalten, ändert sich nach Angaben des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) an dem von der Energiewirtschaft zu erbringenden Einsparziel in Höhe von 37 Mio. t CO2 bis 2020 nichts.
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