17.11.2014, 12:06 Uhr

Stromnetze: Amprion und RTE vertiefen Partnerschaft

Dortmund/Paris - Die Übertragungsnetzbetreiber Réseau de Transport d’Electricité (RTE) aus Frankreich und Amprion aus Deutschland wollen ihre Partnerschaft vertiefen. Auch die Kapazitäten an den grenzüberschreitenden Kuppelstellen könnten ausgebaut werden. Konkrete Ziele gibt es dazu aber noch nicht.

Wie Amprion betont, sei die neue Vereinbarung der Startpunkt für die Vertiefung der bereits bestehenden Kooperation. Grundlage ist ein Memorandum of Understanding, das bereits Mitte Oktober 2014 unterzeichnet wurde. Die Vereinbarung und deren Ziele würden zudem im Einklang mit der Erklärung des deutsch-französischen Ministerrates von Februar dieses Jahres stehen.

Beitrag zur Energiewende in Deutschland und Frankreich

Ziel dieser Vereinbarung sei es, „die Zusammenarbeit im europäischen Übertragungsnetz weiterzuentwickeln, die Systemsicherheit grenzüberschreitend zu stärken und einen Beitrag zur Integration des Europäischen Binnenmarktes zu leisten.“ Die beiden Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) erweitern mit der neuen Vereinbarung die gesetzlich bestehenden Kooperationspflichten. Mit ihrer Zusammenarbeit wollen Amprion und RTE auch einen Beitrag für die Umsetzung der Energiewende in beiden Ländern und die Stärkung der Europäischen Strommärkte leisten.

Ausbau der Interkonnektoren noch unkonkret

Laut der Mitteilung der ÜNB sind dabei auch strategische Netzausbauprojekte im Rahmen des Europäischen Netzentwicklungsplans (Ten-Year Network Development Plan 2014/TYNDP) vorgesehen. Darunter fällt ausdrücklich auch der Ausbau der Interkonnektoren, also der grenzüberschreitenden Strom-Kuppelstellen. Deren Kapazität zwischen Frankreich und Deutschland sind derzeit auf knapp 3.000 Megawatt (MW) begrenzt. Auf Anfrage von IWR Online erklärte Amprion, dass dazu aber noch keine konkreten Projekte geplant oder Ziele vereinbart sind. Die Interkonnektoren gelten derzeit als Engpass im EU-weiten Stromhandel und sorgen u.a. für unterschiedliche Strompreise in den einzelnen Marktgebieten der Strombörse. Allerdings stehen laut Amprion technisch anspruchsvolle Projekte hinter dem Ausbau dieser Interkonnektoren. Zudem müssten diverse markttechnische Voraussetzungen für einen umfangreichen Ausbau der Grenz-Kuppelstellen für Strom erfüllt sein. So ist beispielsweise die unterschiedliche Energiepolitik in den einzelnen EU-Staaten derzeit noch hinderlich.

Diskussion über neue Marktmodelle

Amprion und RTE analysieren nun gemeinsam das Zusammenwirken ihrer nationalen Märkte vor dem Hintergrund der Diskussion über die Einführung neuer Marktmodelle. Dabei wollen die Partner „stärker als bisher Erfahrungen und Know-how austauschen, um nach gemeinsamen Lösungsansätzen zum Erhalt der europäischen Systemsicherheit vor dem Hintergrund des Umbaus der Energiesysteme mit einem hohen Anteil erneuerbarer Energien zu suchen“, heißt es in der gemeinsamen Mitteilung. Zudem soll sich die Intensivierung der Zusammenarbeit auch auf weitere operative Bereiche beziehen. Hierzu zählt die Systemführung, die Netzausbauplanung und die Weiterentwicklung von Network Codes.

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