06.01.2026, 16:05 Uhr

Weltpremiere in Tasmanien: Größtes batterieelektrisches Schiff der Welt startet Testbetrieb bei Incat


© Incat

Derwent Park/Hobart (Australien) - Der australische Schiffbauer Incat hat mit der erfolgreichen Inbetriebnahme des größten batterieelektrischen Schiffs der Welt einen wichtigen technologischen Meilenstein für die Elektrifizierung der Schifffahrt erreicht. Auch mit Großaufträgen aus Europa setzt das Unternehmen Ausrufezeichen.

Mit der Inbetriebnahme der „Hull 096“ demonstriert Incat erstmals einen batterieelektrischen Schiffsantrieb im industriellen Großmaßstab. Zudem hat der dänische Fährbetreiber Molslinjen zwei weitere Elektrofähren bei Incat bestellt. Beide Projekte zeigen, wie schnell sich emissionsfreie Antriebssysteme im internationalen Seeverkehr etablieren könnten.

Weltpremiere in Tasmanien: Batterieelektrisches Großschiff startet Testbetrieb

Am 14. Dezember 2025 hat Incat Tasmania in Derwent Park nahe Hobart maritime Geschichte geschrieben. Mit dem erfolgreichen ersten Elektromotor-Testlauf der „Hull 096“ ist das weltweit größte bislang gebaute batterieelektrische Schiff offiziell in den Testbetrieb gestartet. Der 130 Meter lange Hochleistungskatamaran kann bis zu 2.100 Passagiere und mehr als 220 Fahrzeuge transportieren. Damit gilt das Schiff auch als größtes Elektrofahrzeug weltweit.

Herzstück des Schiffs ist ein Energiespeichersystem mit mehr als 250 Tonnen Batterien und einer installierten Kapazität von über 40 Megawattstunden. Damit ist die Batterieanlage rund viermal größer als jede bisherige maritime Installation.

Vor geladenen Gästen aus Politik und Wirtschaft demonstrierte der Incat-Vorsitzende Robert Clifford die Leistungsfähigkeit des batterieelektrischen Wasserstrahlantriebs. „Zum ersten Mal wurde irgendwo auf der Welt ein Schiff dieser Größe vollständig mit 100 Prozent batterieelektrischem Antrieb erprobt. Das ist eine bemerkenswerte Leistung unserer Belegschaft und ein Wendepunkt für den Schiffbau. Tasmanien steht seit Jahrzehnten an der Spitze des internationalen Aluminium-Schiffbaus, und der heutige Meilenstein zeigt, dass wir nun auch die nächste Ära anführen - nachhaltige Hochleistungsschiffe im industriellen Maßstab“, kommentierte Clifford die Inbetriebnahme.

Der jetzige Test war der erste in einer Reihe von Erprobungen für die Fähre, bevor sie in den kommenden Monaten nach Südamerika überführt werden soll. Die „Hull 096“ soll im Rahmen ihres Einsatzes die rund 60 km lange Strecke zwischen Buenos Aires (Argentinien) und Colonia del Sacramento (Uruguay) bedienen, die etwa 140 km westlich von Montevideo liegt.

Großauftrag aus Dänemark: Elektrofähren für Europas Schlüsselroute

Quasi parallel zur Weltpremiere in Tasmanien hat sich Incat im vergangenen Jahr einen strategischen Großauftrag für zwei weitere Großfähren auf Basis derselben Technologieklasse gesichert. Auftraggeber ist der dänische Fährbetreiber Molslinjen, der die beiden batterieelektrischen Fähren auf der stark frequentierten Kattegat-Verbindung zwischen Jütland und Seeland, einem der wichtigsten Fährkorridore Europas, einsetzen will.

Die Fähren werden mit Batteriesystemen von rund 45 Megawattstunden ausgestattet und sollen jeweils bis zu 1.483 Passagiere sowie 500 Fahrzeuge befördern können, bei einer Geschwindigkeit von über 40 Knoten. Die CO2-Einsparungen sollen sich auf mehrere Tausend Tonnen jährlich belaufen.

Um die steigende Nachfrage nach emissionsfreien Großfähren bedienen zu können, plant Incat eine umfassende Erweiterung seiner Werft in der Prince of Wales Bay. In den kommenden drei Jahren sollen Produktionskapazität und Belegschaft deutlich wachsen. Ziel ist es, künftig mehrere Großfähren pro Jahr zu liefern - eine entscheidende Antwort auf die weltweit steigende Nachfrage nach nachhaltigen Schiffsantrieben.

Quelle: IWR Online

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