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05.07.2012, 12:36 Uhr Meldung drucken | Artikel empfehlen

In Deutschland fallen die Strompreise – nur nicht für Verbraucher

Münster – Die Strompreise sind in Deutschland auch im Juni 2012 weiter gefallen – allerdings nur für Stromeinkäufer an der Börse und nicht für die Endverbraucher. "Der Trend an der Börse zeigt gegenüber dem Vorjahr einen kräftigen Rückgang der Strompreise", sagt der Direktor des Internationalen Wirtschaftsforums Regenerative Energien (IWR) Dr. Norbert Allnoch in Münster. Das IWR hat die Preise an der europäischen Strombörse ausgewertet. Grundlaststrom in Deutschland ist auf dem Spotmarkt danach im Juni mit 3,9 Cent (Juni 2011: 5,2 Cent) pro Kilowattstunde so günstig gewesen wie seit Ende 2009 nicht mehr. Selbst der Preis für teureren Spitzenlaststrom, der die Zeiten mit dem höchsten Strombedarf abdeckt, lag im Juni 2012 mit 5,0 Cent je Kilowattstunde um mehr als 19 Prozent unter dem Vorjahreswert (Juni 2011: 6,2 Cent).

Auch am Terminmarkt sinken die Strompreise

Auch mit Blick in die Zukunft sinken die Strompreise derzeit, zumindest an der Börse. Dies belegt die Preisentwicklung am Terminmarkt, auf dem heute schon Strom für die nächsten Jahre ge- und verkauft wird. Der Future-Preis für die Stromlieferung im Jahr 2013 fällt im Juni deutlich unter 5 Cent pro Kilowattstunde und markiert ein neues Rekordtief seit 2007. Die Preisrückgänge an der Strombörse gehen vor allem auf die steigenden Mengen an Strom aus Erneuerbaren Energien (EE) zurück. Die Situation wird aber immer paradoxer. Allnoch: "Alle erwarten steigende Strompreise, aber trotz des Atomausstiegs sehen wir an den Börsen teilweise Strompreis-Rekordtiefs. Davon hat der Haushalts-Stromkunde bisher nichts, denn die Stromversorger geben die Preissenkungen durch erneuerbare Energien nicht entsprechend an die Verbraucher weiter."

EEG-Börsen-Mechanismus muss überprüft werden
Weil die Strompreise aber so stark sinken, steigt gleichzeitig die EEG-Umlage, die nach Berechnungen des IWR in diesem Jahr allein wegen des aktuellen Strompreis-Senkungseffekts voraussichtlich um eine Milliarde Euro höher ausfallen wird. Allnoch: "Der eingeführte Mechanismus zur Vermarktung des EEG-Stroms an der Börse funktioniert nur in der Theorie. Das Ziel, dass sich fallende Einkaufs-Strompreise und die dadurch steigende EEG-Umlage unter dem Strich ausgleichen und damit für den Verbraucher eigentlich preisneutral wirken, lässt sich in der Praxis nicht beobachten." Daher gehört der EEG-Vermarktungs-Mechanismus laut Allnoch dringend auf den Prüfstand, damit die Preissenkungen durch Erneuerbare Energien den Verbrauchern auch tatsächlich zugutekommen.

Keine Staatsmittel: Wie die EEG-Umlage wirklich funktioniert
In den Medien wird immer wieder berichtet, dass der Staat die erneuerbaren Energien mit Subventionen unterstützt (z.B. Solarförderung). Das ist irreführend und teilweise auch schlicht falsch. Der Staat zahlt aus Steuermitteln keinen cent.
Wie die EEG-Umlage funktioniert: Die EEG-Umlage ist die Differenz zwischen den Zahlungen an den Betreiber einer Anlage (z.B. Solaranlage) und dem Erlös an der Börse. Beispiel: 19 ct pro Kilowattstunde erhält der Betreiber, der Erlös an der Börse bringt 5 cent. Die Differenz (hier 14 cent) ist die EEG-Umlage. Der Staat setzt keine Steuermittel ein.
Die erneuerbaren Energien senken die Einkaufspreise für Strom an der Börse teilweise auf Rekord-Tiefstwerte. Das politische Ziel, dass die Preissenkungen an der Börse den Strompreisanstieg dämpfen, hat sich bisher nicht erfüllt. Die höhere EEG-Umlage wird von den Stromversorgern weitergegeben, sinkende Einkaufspreise an der Strombörse nicht.

Was die niedrigen Einkaufs-Strompreise für die EEG-Umlage bedeuten
Wenn die Strom-Einkaufspreise an der Börse im Jahr 2012 weiter wie bisher fallen, steigt die EEG-Umlage für die Endverbraucher immer höher. Das Internationale Wirtschaftsforum Regenerative Energien (IWR) geht für 2012 von rd. 100 Mrd. kWh EEG-Strom aus, die vermarktet werden. Wenn die Strompreise an der Börse durch die erneuerbaren Energien um weitere bis zu 1 cent je kWh fallen, dann werden durch den Verkauf des EEG-Ökostroms 100 Mrd. cent = 1 Mrd. Euro weniger an EEG-Erlösen eingenommen. Im Umkehrschluss bedeutet das: 1 Mrd. Euro höhere EEG-Umlage.

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© IWR, 2012







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