17.02.2014, 16:05 Uhr

Deutsche Atomkraftwerke verbrauchen selbst mehr Strom als das Bundesland Bremen

Münster - Noch produzieren neun Atomkraftwerke in Deutschland Strom. Überraschend hoch ist dabei die Strommenge, die allein dafür notwendig ist, um die Kernkraftanlagen in Betrieb zu halten. Für die Stromversorgung bleibt weniger übrig als gedacht.

In Deutschland sind aktuell noch Atomkraftanlagen mit einer Leistung von 12.696 Megawatt (MW) am Netz. Tatsächlich steht aber für die Stromverbraucher wegen des hohen AKW-Betriebsverbrauchs deutlich weniger für die Nutzung zur Verfügung, als die Stromerzeugungs-Statistiken auf den ersten Blick ausweisen. Schuld ist der hohe Eigenstromverbrauch der Kernkraftwerke.

Mehr als ein halbes Atomkraftwerk produziert das ganze Jahr nur für den Betriebsverbrauch aller anderen AKW

Im Jahr 2013 haben die Atomkraftwerke in Deutschland rd. 97,3 Mrd. Kilowattstunden (kWh) Strom erzeugt (2012: 99,5 Mrd. kWh). Allein um den Betrieb der Kernkraftanlagen zu gewährleisten, verbrauchen die Atomkraftanlagen viel Strom, sehr viel Strom. Netto stehen nur 92,1 Mrd. kWh für den Verbrauch zur Verfügung. Der AKW-Betriebsstrom in Höhe von 5,2 Mrd. kWh für das Jahr 2013 ist höher als der gesamte Jahres-Stromverbrauch des Bundeslandes Bremen (2011: rd. 4,8 Mrd. kWh). Im Klartext bedeutet das: mehr als die halbe Jahresproduktion eines Kernkraftwerks wie Philippsburg wird nur dafür benötigt, den eigenen Betriebsverbrauch aller deutschen Kernkraftwerke zu sichern.

AKW-Abschaltplan in Deutschland bis 2020

Bis zum Jahr 2020 werden in Deutschland drei Atomkraftwerke abgeschaltet. Grafenrheinfeld Ende 2015 mit einer Leistung von 1.345 MW, das AKW Gundremmingen (Block B) Ende 2017 mit einer Leistung von 1.344 MW und 2019 das Kraftwerk Philippsburg 2 mit einer Bruttoleistung von 1.468 MW. Zusammen haben diese Kernkraftwerke im Jahr 2013 29,6 Mrd. Kilowattstunden Strom produziert.

Keine Stromlücke durch AKW-Abschaltung und stabile niedrige Preise bis 2020

Eine Stromlücke entsteht trotzdem nicht: schon im letzten Jahr 2013 erreichte der deutsche Stromexport-Überschuss mit über 30 Mrd. kWh eine neue Rekordmarke. Dieser Überschuss kompensiert rein rechnerisch schon heute die Abschaltung der bis 2020 abzuschaltenden drei Kernkraftwerke. Auch an der Strombörse ist die Abschaltung der drei Atomkraftwerke schon heute eingepreist. Großkunden und die Industrie können sich schon heute zu festen Preisen bis 2020 an der Börse eindecken. Und die sind mit unter 4 Cent/kWh bis einschließlich des Lieferjahres 2020 sehr günstig und auf dem Niveau von vor 2005.

Weitere Informationen und Meldungen zum Thema:

Japan legt weitere Fukushima Atomkraftwerke endgültig still

Steigt Polen in die Kernenergie ein?

Hohe radioaktive Strahlung in britischer Atomanlage Sellafield gemessen

Veranstaltung: Digitalisierung und Datenschutz in der Energiewirtschaft - Bundesverband Kraft-Wärme-Kopplung e.V. (B.KWK)
Stellenangebot: re:cap global investors ag sucht Investment Manager Asset Management (m/w)
Weitere Infos und Firmen auf speicherbranche.de

© IWR, 2014