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05.05.2015, 16:38 Uhr Meldung drucken | Artikel empfehlen

Wieso der Bedarf an Reserve-Kraftwerken sinkt

Bonn – Die Bundesnetzagentur bestätigt den Reservekraftwerksbedarf für die Stromversorgung in Deutschland, den die Übertragungsnetzbetreiber für die kommenden Winter kalkuliert haben. Danach würde der Bedarf von mindestens 6.700 Megawatt im Winter 2015/2016 auf 1.600 Megawatt im Winter 2019/2020 drastisch sinken, doch dazu bedarf es einer einschneidenden Entscheidung.

Das Vorhalten von Kraftwerksleistung dient der Behebung von kritischen Situationen im Übertragungsnetz, die laut Bundesnetzagentur auf Grund des unzureichenden Netzausbaus hierzulande entstehen. Der Bedarf an Reservekraftwerken könnte im Winter 2019/2020 extrem sinken. Damit dieser Fall eintritt, ist allerdings eine Aufspaltung der jetzigen Strommärkte notwendig.

Wenig Wind- und kein PV-Strom: "Dunkelflaute" ist kein Problem

In Zeiten hoher Stromnachfrage und gleichzeitig hoher Stromerzeugung durch erneuerbare Energien muss das überlastete Netz durch Abschaltung preiswerter konventioneller Kraftwerke sowie von erneuerbarer Erzeugung und das gleichzeitige Hochfahren teurerer, aber netztechnisch günstiger gelegenen Anlagen stabilisiert werden, so die Agentur. Dieser sogenannte Redispatch werde zum Teil mittels am Markt agierender Kraftwerke und in Ergänzung durch in- und ausländische Reservekraftwerke erbracht. Der maximale Bedarf an Reserveleistung stellt sich dabei ausschließlich in den Situationen mit starker Windenergieeinspeisung und gleichzeitig hoher Nachfrage nach Strom ein. In der sogenannten Dunkelflaute mit niedriger oder gar keiner Einspeisung von Windenergie- und Photovoltaikanlagen hingegen bedarf es auch bei hoher Nachfrage keiner Reservekraftwerke, so die Bundesnetzagentur. Der Bedarf wird für den Winter 2015/2016 auf mindestens 6.700 Megawatt (MW) beziffert. Im Jahr 2016/2017 beträgt der Reservekraftwerksbedarf dann noch mindestens 6.600 MW. Doch für das Jahr 2019/2020 beträgt dieser Bedarf 1.600 MW, wenn es zu einer Limitierung der Stromexporte von Deutschland nach Österreich kommt.

Neue Engpässe in Richtung Süd-Osten kommen hinzu

In den Wintern 2015/2016 und 2016/2017 kann sich der Reservebedarf laut Netzagentur also nochmals um 1.100 MW erhöhen in Abhängigkeit davon, welche Reservekraftwerke in den nun laufenden Interessenbekundungsverfahren der Übertragungsnetzbetreiber verpflichtet werden können. Durch Veränderungen in der Erzeugungsstruktur und unzureichenden Netzausbau haben sich die Netzüberlastungen verändert. Zu den bekannten Nord-Süd-Engpässen sind Engpässe in Richtung Süd-Osten hinzugekommen. Diese könnten durch günstig gelegene Reservekraftwerke, beispielsweise in Polen, aufwandsärmer als durch Kraftwerke im Süden entlastet werden, so die Behörde.

Aufspaltung des deutsch-österreichischen Strommarkt

Für das Jahr 2019/2020 beträgt der Reservebedarf 1.600 MW. Dieser Rückgang des Reserveleistungsbedarfs liegt an einer auf europäischer Ebene diskutierten Einführung von Engpassmanagementverfahren zwischen dem deutschen und österreichischen Übertragungsnetz. Hinter dieser Umschreibung verbirgt sich im Prinzip eine zumindest zeitweise Aufspaltung der Strommärkte Deutschland und Österreich. Eine mögliche Limitierung der Stromexporte von Deutschland nach Österreich auf maximal 5.700 reduziert als Nebenfolge den Bedarf an Netzreserve auf 1.600 MW. Ohne die Einführung eines Engpassmanagements läge der Reservebedarf bei 6.100 MW und damit nur leicht unter dem Niveau der Vorjahre.

Keine Trendwende bezüglich der erforderlichen Reserveleistung

Sollte erkennbar werden, dass kein Engpass zwischen Deutschland und Österreich bis 2019/2020 eingeführt wird, könne die erforderliche zusätzliche Reserveleistung unverzüglich nachkontrahiert werden, so die Bundesnetzagentur. Von einer Trendwende hinsichtlich der Höhe der vorzuhaltenden Reserveleistung ab dem Jahr 2019/20 könne man jedoch nicht sprechen: Erstens kann aktuell nicht garantieren werden, dass bis dahin ein Engpassmanagement eingeführt ist. Die Entscheidung hierüber muss gemeinsam mit allen angrenzenden Mitgliedstaaten getroffen werden. Zweitens kann sich der Reservebedarf insbesondere dadurch wieder erhöhen, dass es zu weiteren Verzögerungen beim Netzausbau kommt.

Quelle: IWR Online
© IWR, 2015

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