25.10.2012, 15:24 Uhr

Frankreichs Kernkraftwerke erst zu 75 Prozent abgeschrieben

Münster/Paris, Frankreich - Die Kernkraftwerke in Frankreich haben bislang kosten in Milliardenhöhe verursacht. Nach Angaben des obersten französischen Rechnungshofes kosteten die Erforschung, die Entwicklung und der Bau der Kernkraftwerke des Landes inflationsbereinigt bis 2010 insgesamt rd. 188 Mrd. Euro. Derzeit sind in Frankreich noch 58 Kernkraftwerke mit einer Leistung von rd. 63.130 MW am Netz. Wie der Rechnungshof in seinem Bericht „Les coûts de la filière électro nucléaire“ aufführt, entfielen von den gesamten Kosten rd. 121 Mrd. Euro auf Sachinvestitionen, wie die Baukosten der Kernkraftwerke oder Investitionen in den Brennstoffkreislauf. Weitere 55 Mrd. Euro kostete die Anwendungsforschung und Entwicklung der Kernenergie, hinzukommen noch 12 Mrd. Euro für den Bau, den Betrieb und die Abschaltung des Schnellen Brüters Superphénix an der Rhône bei Creys-Malville, im Südosten Frankreichs.

Erst 75 Prozent abgeschrieben - Instandhaltung kostet 50 Mrd. bis 2025

Nach Einschätzung des Rechnungshofes waren bis 2010 rd. 75 Prozent der angefallenen Kosten von rd. 188 Mrd. Euro abgeschrieben. Zudem erhöhten sich in den letzten Jahren die Kosten für die Instandhaltung des Kraftwerksparks. Nach Angaben die der Rechnungshof vom Kraftwerksbetreiber EDF erhalten hat stiegen die Kosten für die Instandhaltung der Kernkraftwerke von rd. 518 Mio. Euro im Jahr 2003 auf rd. 1,7 Mrd. Euro im Jahr 2010. EDF rechnet bis 2020 mit weiter steigenden Kosten für die Instandsetzung. So geht das Unternehmen für den Zeitraum von 2011-2025 von Gesamtkosten für die Instandhaltung im Umfang von insgesamt rd. 50 Mrd. Euro aus.

Rückbau kostet rd. 32 Mrd. Euro - Rechnungshof bemängelt fehlende Rückstellungen

Für den nach dem Ende der Betriebszeit anfallenden Rückbau der Kernkraftwerke rechnet der Rechnungshof mit Kosten von rd. 31,9 Mrd. Euro. Demgegenüber lagen die Rückstellungen der Kraftwerksbetreiber für den Rückbau im Jahr 2010 bei rd. 17,4 Mrd. Euro. Dem Bericht des Rechnungshofs zufolge entsprechen die Rückstellungen nur 54% der gesamten zu erwartenden Kosten für den Rückbau. Insgesamt belaufen sich die Rückstellungen der Betreiber (inkl. Rückbau, Entsorgung, Lagerung der Abfälle, etc.) auf rd. 38,4 Mrd. Euro. Den Daten des Rechnungshofes sind demgegenüber gesamte Bruttokosten von rd. 79,4 Mrd. Euro zu erwarten, so dass derzeit nur rd. 48 Prozent gedeckt sind.


© IWR, 2012